Donnerstag , 1. Oktober 2020
Tim Pellegriti hat bei der Slow Food Youth Akademie praktische und theoretische Erkenntnisse zum Thema Ernährung gesammelt. Die muss er nun erstmal alle verdauen. Foto: t&w

Lernen für das Essen mit gutem Gewissen

Lüneburg. Hochseefischen an der Schlei, Wurst selbst herstellen, eine Mosterei besichtigen und im Europaparlament über Agrarpolitik sprechen: Bei der Slow Food Youth Akademie geht es nur um Essen. Tim Pellegriti aus Lüneburg war dabei, hat sich an acht Wochenenden in diesem Jahr mit 27 anderen jungen Menschen aus ganz Deutschland Wissen über Lebensmittel angeeignet, die gut, sauber und fair sein sollem, wie es die Philosophie der Slow-Food-Bewegung ist.

Seit 2017 organisiert die weltweite Bewegung das Weiterbildungprogramm in Kooperation mit der Heinz Sielmann Stiftung. In erster Linie geht es darum, jungen Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren zu zeigen, wie Lebensmittel hergestellt und weiterverarbeitet werden und wie ein zukunftsfähiges Lebensmittelsystem aussehen kann.

Schlachtersohn hat Fleischkonsum reduziert

Pellegriti ist durch seine Freundin auf die Akademie aufmerksam geworden: „Sie hat im letzten Jahr daran teilgenommen und war so begeistert, dass ich mich auch beworben habe.“ Mit dem Thema Ernährung hat sich der 26-Jährige aber schon sein Leben lang auseinandergesetzt. „Ich komme aus einer Schlachterfamilie. Deshalb war ich jahrelang verwöhnt, was Fleisch angeht.“ Seit er nicht mehr zu Hause lebt, hat er seinen Fleischkonsum deutlich zurückgeschraubt. Außerdem kauft er hauptsächlich regionale Lebensmittel und Milch aus Pfandflaschen. Aber Pellegriti wollte noch mehr über ein nachhaltiges Lebensmittelsystem erfahren, sich selbst ausprobieren und neue Denkanstöße bekommen.

„Jedes der acht Treffen hatte einen eigenen Themenschwerpunkt“, sagt der Student. So ging es an einem Wochenende um das Tierwohl, ein anderes behandelte das Thema Obst und Gemüse. Auch der globale Handel und die Landwirtschaft wurden abgedeckt. „Es war immer ein ausgewogener Mix aus Theorie und Praxis.“ Dabei hatten die Teilnehmer auch die Chance, vieles selbst auszuprobieren. „Wir haben auf einem Demeterschlachthof Wurst hergestellt, konnten auf einer alten Lotseninsel an der Schlei Dorsche fangen und auf einem landwirtschaftlichen Betrieb Bodenproben nehmen, um diese zu bewerten“, erzählt Pellegriti. Auch die Diskussion mit Politikern im Europaparlament in Brüssel sei eine besondere Erfahrung gewesen: „Daran hat man gesehen, dass Essen eben auch politisch ist.“

Eigenes Handeln reflektieren

Pellegriti empfiehlt die Teilnahme an der Akademie jedem, der sich für das Thema Ernährung interessiert. „Man braucht auch kein Vorwissen oder bestimmte Kenntnisse“, betont er. Unter den 28 Teilnehmern seien neben Konditoren, Bäckern und Metzgern auch Journalisten, Politikstudenten und Auszubildende von Edeka gewesen.

Er selbst müsse die ganzen Erfahrungen jetzt erstmal verdauen: „Wo positioniere ich mich gesellschaftlich und politisch? Wie sehr muss ich mein eigenes Handeln reflektieren? Und wie kann ich andere Menschen auf diese Thematiken aufmerksam machen?“ All das seien Fragen, mit denen er sich jetzt beschäftigen werde.

Mehr Informationen gibt es unter www.slowfood.de im Internet

Von Lilly von Consbruch