Neben sandigen Bereichen gibt es auch tonartige Böden in der Lauenburger Altstadt. (Foto: tja)

Arbeiter ziehen Bodenproben in der Altstadt

Lauenburg. 2015 hatte Schleswig-Holsteins früherer Umweltminister Robert Habeck (Grüne) das Konzept für einen Hochwasserschutz für Lauenburg präsentiert. Nach den Hochwasser-Lagen 2002, 2006, 2011 und 2013 mit immer neuen Höchstwerten von zuletzt 9,63 Metern kam damals endlich Schwung in das Thema. Nur – bis heute ist nicht viel passiert. Lauenburg ist weiterhin den Fluten eines Extremhochwassers schutzlos ausgeliefert. Dabei sollte 2018 alles fertiggestellt sein.

Aktuell wird immerhin an einem nächsten Schritt gearbeitet. „In der Altstadt werden bis Dezember vertiefende Bodenuntersuchungen durchgeführt. Ziel ist es, die Entwurfsplanung mit zusätzlichen Informationen über den Baugrund zu vertiefen“, erklärt Reinhard Nieberg, der Leiter des Stadtentwicklungsamtes.

An zwölf Stellen Bodenproben

Ein Brunnenbauunternehmen ist dafür jetzt mit Spezialtechnik in Lauenburg angerückt. Vom Lösch- und Ladeplatz aus wird sich der Bautrupp durch die Elbstraße vorarbeiten. Insgesamt sollen an zwölf Stellen Bodenproben entnommen und analysiert werden. Ziel ist es, ein insgesamt vier Kilometer langes Bauwerk gegen Hochwasser der Elbe auf Lauenburger Stadtgebiet zu realisieren. Das reicht vom Elbdeich am Klärwerk den Bahndamm bis zur Schleuse entlang und dann vom Bahnhof bis zum westlichen Ende der Altstadt bei der Jugendherberge.

Das komplexe Zusammenwirken der Altstadt als Baudenkmal, der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur sowie der Freiraumqualität stellte das Planungsteam vor Herausforderungen. Schließlich fiel die Entscheidung für einen Objektschutz, in den die Häuserfront eingebunden wird. In vier Planungsbereichen, unterteilt in 13 Abschnitte, soll Lauenburg vor der Elbe geschützt werden. Nieberg: „Das, was jetzt untersucht wird, betrifft nur einen Abschnitt. Der soll aber so ausgestaltet werden, dass er auch ohne die Fertigstellung der Anschlüsse rechts und links schon Sicherheit bietet.“ Außerdem wurden grundlegende Entscheidungen, etwa zu den mobilen Schutzsystemen, getroffen, die nachher für alle Bereiche eingesetzt werden sollen.

Jeweils 20 Meter tief

Brunnenbauer Michael Schultze und seine Kollegen sorgen für die nötige Datengrundlage. Jeweils 20 Meter tief entnehmen sie Bodenproben. „Wir haben genaue Vorgaben, aus welcher Tiefe welche Proben benötigt werden“, erklärt Schultze. So gibt es neben losem Boden, der in Eimern gesammelt wird, auch ein Meter lange Bohrkerne, die komplett zur Begutachtung gehen. Die Proben entnehmen die Spezialisten mit einem Großbohrgerät, das ein 22 Zentimeter breites Loch in den Boden treibt. Diese werden anschließend mit Sand und Ton – je nach Erdschicht – wieder verfüllt.

Nieberg hofft, dass die Ergebnisse der vertiefenden Untersuchungen Anfang 2020 vorliegen. Dann soll zeitnah auch das Planfeststellungsverfahren für den ausgewählten Schutz gestartet werden. „Wenn niemand klagt, hätten wir ein Jahr später Baurecht“, sagt Stadtmitarbeiter Nieberg. Für die weiteren Planungsabschnitte würde sich das Prozedere wiederholen.

Von Timo Jann