Jacob Heinze will Tausende Kilometer mit dem Rad zurücklegen, um für Klimaschutz zu werben. (Foto: t&w)

Mit dem Fahrrad bis nach Portugal

Lüneburg. Um 12 Uhr hat er sich in Hamburg aufs Fahrrad gesetzt und ist losgefahren, an seiner Seite zehn Begleiter. Jacob Heinze hat Großes vor: Der Aktivist der Umweltschutzbewegung von „Extinction Rebellion“ absolviert die „Tour de Rebel“, die ihn über ein ganzes Jahr einmal durch ganz Europa führen soll. Unterwegs will er für mehr Klimaschutz werben.

„Portugal, Griechenland, Norwegen – Geld brauche ich nicht viel, ich vertraue dabei auf die Community“, erzählte der 25-Jährige, den die erste, rund 65 Kilometer lange, Etappe nach Lüneburg führte. Selbst sein Fahrrad sei gespendet worden. Auf seinem Zwischenstopp hielt er im Grünen-Büro an der Schröderstraße einen Vortrag über die Klimakrise und ihre Folgen: „Wir müssen die kollektive Leugnung überwinden, denn wir befinden uns bereits in einer Krise.“

Ziviler Ungehorsam

Auch wenn in Deutschland die Auswirkungen der Klimakrise noch nicht so stark zu sehen sind, seien sie doch da. „Hitzewellen, Dürren und Dauerregen sind nur der Anfang. Unsere Wetterlagen setzen sich bereits viel länger fest“, sagte Heinze. 2018 sei das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen mit Ernteausfällen von bis zu 50 Prozent. Im schlimmsten Fall komme es zu Hungersnöten, Massenmigration und Aussterben, wenn die Erde sich weiterhin erwärmt.

„Extinction Rebellion“ ist eine internationale Bewegung, die 2018 entstanden ist. Sie will durch zivilen Ungehorsam auf Misstände wie das Massen-Aussterben von Tieren und Pflanzen hinweisen und weitere Maßnahmen als Reaktion auf die Klimakrise erzwingen.

Eigener YouTube-Kanal

Die Planung für die Reise begann für den ehemaligen Psychologiestudenten schon im Juni. Verschiedene Kulturen treffen, Menschen erreichen und ein Zeichen setzen, das alles will er mit seiner Tour verbinden: „Ich habe mich um drei Dinge gekümmert: Media, Logistik und Material.“ Bei Facebook und Instagram berichtet er über seine Tour, außerdem hat er einen eigenen YouTube-Kanal erstellt.

Er hat verschiedene Ortsgruppen von „Extinction Rebellion“ angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Bundesweit sind aktuell rund 70 aktive Gruppen ausgewiesen: „Ich habe eine Liste an verschiedene Menschen geschickt mit allem, was ich brauche, damit ich alles Second-Hand bekommen kann.“ Trainiert habe er für die Tour hingegen fast gar nicht. Unterwegs erhofft er sich Begleitung, egal wie lange. „Kinder und Omas sollen mitmachen können, das ist ein wichtiger Punkt der Tour. Im Prinzip kann fast jeder eine Strecke mitfahren“, sagt Heinze. „Man muss ja nicht gleich drei Monate mitkommen, wobei das natürlich auch möglich wäre.“

Von Malin Mennrich