Sonntag , 27. September 2020
Die Elbbrücke zwischen Lauenburg und Hohnstorf wurde 1951 errichtet und gilt seit Jahren als marode. Sie ist in die schlechteste Bauwerksklasse eingeteilt. (Foto: tja)

Nur vage Aussagen zur Zukunft der Elbbrücke

Lauenburg. Innerhalb von zehn Jahren will die Deutsche Bahn 4,5 Milliarden Euro in die Sanierung und Erneuerung von etwa 2000 Eisenbahnbrücken st ecken. Das wurde jetzt bekannt. Für die Lauenburger Elbbrücke, die der Bahn gehört und die seit Jahren in die schlechteste aller Bewertungsklassen eingeteilt ist, gibt es jedoch noch keine Pläne. Die sollen laut Bahn – mal wieder – demnächst erstellt werden. „Für die Lauenburger Elbbrücke sind in den kommenden Jahren umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen zur Verbesserung der Brückenkonstruktion und der Fahrbahn geplant. Die entsprechenden Entwurfsplanungen werden in den nächsten Wochen begonnen“, teilt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis auf Anfrage mit.

Nach Mitteilung der Bahn wurden in den vergangenen vier Jahren bereits knapp 900 Brücken saniert und dafür drei Milliarden Euro ausgegeben. Marode Brücken gelten für das Unternehmen seit einigen Jahren zunehmend als Sorgenkind, da zahlreiche Bauwerke noch aus der Gründungsphase der Bahn stammen und nach mehr als 100 Jahren an die Grenze ihrer Nutzungsdauer gelangen.

In Lauenburg gab es bis zum Zweiten Weltkrieg eine Elbbrücke aus dem Baujahr 1878. Sie war schon damals Teil der Verbindung zwischen Lübeck und Lüneburg. Sie ersetzte den Verkehr über das Trajekt, bei dem Eisenbahnwaggons auf einen Ponton gefahren und mit diesem über den Fluss gezogen wurden. An beiden Ufern konnten die Züge wieder zusammengekoppelt werden und ihre Fahrt fortsetzen. Ein Modell dieser Trajekt-Anlage kann im alten E-Werk an der Palmschleuse besichtigt werden.

Alte Brücke Ende des Zweiten Weltkriegs gesprengt

Die damals für zwei Gleise nebeneinander ausgelegte erste Elbbrücke war 448 Meter lang. Als die Alliierten zum Ende des Zweiten Weltkriegs von Süden aus gen Norden vorrückten, wurde das Bauwerk von der Wehrmacht gesprengt. Den Vormarsch stoppte das nicht, die Engländer setzten bei Schnakenbek mit einer Pontonbrücke über. Der Wiederaufbau der zerstörten Brücke erfolgte bis 1951 als kombinierte Bahn- und Straßenbrücke mit einer Gesamtlänge von 517 Metern. Seitdem quert die Bundesstraße 209 die Elbe über diese Brücke.

Zuletzt hatte die Bahn im Frühjahr massive Korrosionsschäden an dem Bauwerk beseitigen lassen. Dazu war auf 25 Metern Länge auf der Brücke eine Art Behelfsbrücke für Fußgänger eingerichtet worden. Der Weg führte einige Stufen hoch, überspannte dann den schadhaften Bereich und führte zurück auf den eigentlichen Weg. Weil sich die Bahn und der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV) nicht über den neuen Belag des Weges einigen konnten, dauerten die Bauarbeiten deutlich länger als eigentlich geplant. Und es war nur Flickwerk – für 300 000 Euro, die sich Bahn und LBV teilten.

Eine große Lösung lässt nach wie vor auf sich warten und Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede fürchtet schon eine Einstellung des Verkehrs über die Brücke. „Das wäre für Lauenburg eine Katastrophe, viele Arbeitskräfte unserer Unternehmen kommen von der anderen Elbseite“, so Thiede. Bei einer Sperrung müssen sie über die Geesthachter Elbbrücke (B 404) ausweichen – ein Umweg von rund 40 Kilometern. Zudem soll ab 2021 das Stauwehr in Geesthacht erneuert werden, auf dem die dortige Brücke teilweise verläuft. Oder zwischen Lauenburg und Hohnstorf wird wieder ein Fährbetrieb eingerichtet. So wie bereits 2007. Damals musste die Bundesstraße 209 wegen Sanierungsarbeiten vollgesperrt werden, ließen die Bürgermeister Harald Heuer (Lauenburg) und Jens Kaidas (Hohnstorf) den 50 Jahre zuvor eingestellt Fährverkehr wieder aufleben. Die erforderlichen Anlegestellen existieren noch immer.

Bei einer langfristigen Sperrung der maroden Elbbrücke wäre die Fähre aber auf Dauer kaum ein Ersatz. Auch kann die Bahn weder sagen, wann konkrete Arbeiten geplant sind, noch, wie viel diese kosten. „Die Entwurfsplanung hat noch nicht begonnen, deshalb lässt sich auch nichts zu den Kosten sagen“, erklärt Meyer-Lovis.

Von Timo Jann