Samstag , 19. September 2020
Drei, die geduldig warten, bis die Führung im Museum beendet ist und sie ihre Tour durch die Stadt fortsetzen können: Kutscher Jens Bußmann mit seinen Pferden Alex (r.) und Allaun. (Foto: t&w)

Mit der Kutsche ins Museum

Lüneburg. Artig stehen Alex und Allaun vor dem Landgericht, die beiden Rappen, zwei holländische Friesen, kennen das Prozedere. Nur noch wenige Minuten, dann steigen die Gäste ein und sie können die Kutsche anziehen. Doch an diesem Tag lief es etwas anders als gewohnt. Denn auf dem Bock hatte neben Kutscher „Karl“ auch ein Lüneburger „Salzkaufmann“ Platz genommen. Der Grund: Am Sonntag war Premiere für eine neue, reichlich salzhaltige Kutsch- und Museumstour zurück ins 14. bis 17. Jahrhundert, zu der Kutscher Jens Bußmann alias „Karl“ und das Deutsche Salzmuseum gemeinsam eingeladen hatten.

Punkt zwölf Uhr setzt sich der extra lange Zweispänner in Gang, doch schon nach wenigen Metern lässt Kutscher Karl stoppen. Schließlich kann man am Rathaus nicht einfach so vorbeifahren, zu viel gibt es darüber zu berichten, etwa, wie mit Salzdieben umgegangen wurde und warum „Schlitzohren“ damals groß in Mode kamen.

Dann geht es weiter, mit einem Exkurs über Reitende Diener, Erläuterungen über die plötzlich so abfallende Altstadt und ein mysteriöses Pendel in der Michaeliskirche spinnt Jens Bußmann seinen Erzähl-Faden wortreich weiter. Dabei stets im Blick: das Lüneburger Salz.

Schließlich, nach etwa einer halben Stunde, rumpelt die Kutsche über den Lambertiplatz und fährt mit „Salzkaufmann“ und Museumsführer Malte Weber standesgemäß vor dem Salzmuseum vor. Dort übernimmt er die gut einstündige Führung durch die Ausstellungsräume und vermittelt quasi nebenbei noch die dialektische Beziehung zwischen Armut und Reichtum.

Teilnehmer oft besser informiert

Eigentlich sei es „eine klassische Stadtführung“, antwortet Jens Bußmann auf die Frage, warum diese Tour denn ins Leben gerufen wurde. Doch sei ihm aufgefallen, dass viele der Besucher, die vor einer Kutschfahrt das Salzmuseum besuchten, sehr viel besser informiert seien „und so auch von unserer Kutschtour mehr haben“. Darüber kam er mit den übrigen Stadtführern ins Gespräch. Auch Malte Weber sieht in der Kombi Kutsche und Museum Vorteile: „Ich weiß nun, worüber er berichtet und kann mich bei meinen Führungen darauf einstellen.“

Davon profitieren natürlich auch die Teilnehmer. Bei Manuela Burghardt und ihren Begleiterinnen kam das Paket gut an. „Wir sind sehr positiv überrascht“, sagt die Hannoveranerin, die mit ihren Freundinnen übers Wochenende nach Lüneburg gekommen ist. Und lobt dabei auch ihre Vermieterin, die sie auf dieses Angebot aufmerksam gemacht hat. Denn eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Und dass selbst Lüneburger Neues erfahren, konnte Familie Brauner bestätigen, „obwohl wir das Museum schon gut kennen“.

Noch bis zum 24. November findet die Tour „Auf den Spuren des Salzes durch Lüneburg“ statt, immer sonntags. Danach kommt mit dem Start der Weihnachtsmärkte eine neue Tour, kündigt Jens Bußmann an. Jetzt aber geht‘s erstmal hier weiter. „Ziel ist jetzt der Alte Kran“, sagt der 48-Jährige und lässt Alex und Allaun mit einem Schnalzen lostraben.

Von Ulf Stüwe