Viele Gebäude in der Theodor-Körner-Kaserne sind renovierungsbedürftig. Jetzt stellt die Bundeswehr Geld zur Verfügung. Foto: t&w

Ein Topf mit viel Geld

Lüneburg/Munster. Marode Unterkunftsgebäude, gesperrte Sportanlagen, einsturzgefährdete Hallen: Die Theodor-Körner-Kaserne ist in die Jahre gekommen. Die baulichen Mängel sieht auch Oberstleutnant Hendrik Staigis, Kommandeur der Lüneburger Aufklärer, der zugleich auch Standortältester ist. Und trotzdem sagt der Offizier: „Die Kaserne hat Potential und der Standort ist für die Soldaten ausgesprochen attraktiv“.

Nicht nur wegen der guten Infrastruktur, die Lüneburg zu bieten habe und der Nähe zu Hamburg, sondern auch militärisch: Die Kaserne verfügt über einen eigenen Gleisanschluss, dazu komme die räumliche Nähe zur den Truppenübungsplätzen Munster und Bergen.

Deshalb wird die Bundeswehr jetzt auch in den Standort Lüneburg investieren – rund 27 Millionen Euro in den nächsten Jahren: „Davon sind acht Millionen Euro für die Herrichtung von Unterkunftsgebäuden vorgesehen“, erklärt der Leitende Baudirektor Michael Brassel vom Staatlichen Baumanagement Lüneburger Heide mit Sitz in Munster, dessen Behörde die Baumaßnahmen im Auftrag der Bundeswehr umsetzen wird.

Insgesamt will die Bundeswehr in den nächsten Jahren rund 357 Millionen Euro in Neu- Umbau- und Sanierungsmaßnahmen an zahlreichen Standorten in Niedersachsen investieren. „Die Projekte reichen von Gebäuden für Unterkunft, Büros, Verpflegung und Sport über Sonderbauten für Technik, Rüstung, Labor und Simulationsbetrieb bis hin zu Maßnahmen der Medieninfrastruktur“, heißt es in der Pressemitteilung des Amtes für Staatliches Baumangement Lüneburg. Profitieren werden von den Investitionen große Standorte wie Munster, Bergen und Faßberg, aber auch kleinere Standorte wie Celle, Walsrode – und eben Lüneburg.

Baustart wohl nicht vor 2024

Allerdings wird es noch dauern, bis die ersten Handwerker in die Theodor-Körner-Kaserne einrücken und mit der Modernisierung der Kasernenblöcke beginnen können: „Die ersten Gebäude werden wohl nicht vor 2024 in Angriff genommen werden können“, sagt Brassel – „unsere Auftragsbücher sind in den nächsten Jahren gut gefüllt.“

Nichtsdestotrotz wünscht sich Oberstleutnant Staigis eine schnelle Umsetzung der geplanten Baumaßnahmen. Doch angesichts der „Mängel- und Wunschliste“ des Standortältesten ist jetzt schon klar, dass die avisierten Millionen für die Kasernenmodernisierung nicht reichen werden: „Von den 22 Unterkunftsgebäuden sind 14 gesperrt oder teilweise gesperrt“, listet Staigis auf – weil die Elektrik im Gebäude marode sei, aus Brandschutzgründen, aber auch wegen mangelhafter Sanitär- und Wasserversorgung.

Marode Büro- und Diensträume

Vor einigen Gebäuden seien deshalb bereits Duschcontainer aufgestellt worden. Auch viele Büro- und Diensträume seien nicht, oder nur eingeschränkt nutzbar. Gleiches gelte für die Sportanlagen auf dem TKK-Gelände: „Von zwei Sporthallen musste eine wegen einer defekten Decke gesperrt werden.“ Und von zwei vorhandenen Sportplätzen stehe der Truppe auch nur einer zur Verfügung.

Ähnlich marode sehe es im technischen Bereich aus: „Von fünf Hallen sind drei wegen Einsturzgefahr gesperrt“, berichtet Hendrik Staigis, zwei dieser Hallen sollen deshalb abgerissen werden. Und wo der Standortälteste schon einmal dabei ist, seine Wunschliste vorzutragen: „Notwendig wäre in der TKK auch eine neue Truppenküche, und in den Erhalt des Casinos muss ebenfalls investiert werden.“ Dass es seit 2016 in der Kaserne auch kein Mannschaftsheim mehr gibt, bemängelt der Oberstleutnant ebenfalls. Staigis hält die Investitionen in die Gebäude der TKK für dringend notwendig, schließlich werde die bauliche Substanz nicht besser.“

Infoabend am Dienstag, 22. Oktober

Unterstützung bekommt der Bataillonskommandeur von seinem militärischen Vorgesetzten, dem Kommandeur der Panzerlehrbrigade 9, Oberst Dr. Christian Freuding: „Nach den eingeleiteten Trendwenden bei Finanzen, Personal und Material sehe ich nun die Modernisierung der Infrastruktur als eine ganz besondere Aufgabe der Bundeswehr“, betont der Brigadekommandeur. Die dazu erforderlichen finanziellen Mittel seien vorhanden, „jetzt kommt es auf die pragmatische Umsetzung mit allen Beteiligten an.“ Das sagt Oberst Dr. Freuding gerade auch mit Blick auf die Theodor-Körner-Kaserne, die er aus seiner Zeit als Bataillonskommandeur und Standortältester noch bestens kennt. Freuding geht noch einen Schritt weiter: Die Lüneburger Kaserne eigene sich nämlich seinen Worten zufolge geradezu als Idealbeispiel und Pilotprojekt für die schnelle Umsetzung von Infrastrukturprojekten.

Damit sich Firmen und Freiberufler aus der Region über die geplanten Baumaßnahmen informieren können, veranstaltet das Baumanagement Niedersachsen mit der Bundeswehr einen Infoabend am Dienstag, 22. Oktober um 18 Uhr „In der Oase - Zum Örtzetal“, Danziger Straße 74-76, Munster. Anmeldung: www.nlbl.niedersachsen.de/anmeldung/

Von Klaus Reschke