Gisela Schiffner ist umgeben von ihren Bildern, die sie bei einer Vernissage im St. Marianus am Dom präsentieren wird. Foto: t&w

Trost in Öl

Lüneburg. Über ihrem Krankenbett hängt ein Ölgemälde mit einem Baumriesen mit mächtigem Stamm und ausladender Krone. „Wie es die beim Bleckeder Schloss gibt, sie sind sehr alt und voller Leben“, sagt Gisela Schiffner. Bild und Motiv zeugen von Lebenskraft, die die 80-Jährige nur noch begrenzt hat. Doch ihre Leidenschaft zum Malen trägt sie auf ihrem letzten Lebensweg, den sie im St. Marianus am Dom geht. Ihre Bilder will sie noch einmal zeigen. Die Einrichtung lädt für Mittwoch, 23. Oktober, 15 Uhr zu einer Vernissage in die Domstraße 12 ein.

In dem Patientenzimmer der Lüneburgerin hängt der Geruch von Öl und Terpentin. Auf einem Tischchen am Fußende ihres Bettes stapeln sich Tuben mit Ölfarbe, in einem Topf stehen Pinsel. Es ist ein bisschen wie in einem Atelier, überall stehen fertige Bilder. Viele Impressionen vom Meer, Landschaften oder Blumenbilder. Alles in satten, kräftigen Farben wie das von sattem Rot strotzende Mohnbild. Auf ihrem Bett sitzend neigt die aparte Dame den Kopf leicht zur Seite, schaut aufs Bild und sagt in Richtung Uwe Bührle: „Vielleicht sollten dazwischen noch Kornblumen oder Korn wuchern.“ Bührle ist stellvertretender Pflegedienstleiter im Bardowicker Hospiz, er schätzt die Arbeiten von Gisela Schiffner. Nach einem Foto hat sie für ihn ein Bild angefertigt, dass seine Enkeltochter am Strand von Bornholm zeigt.

Mal-Leidenschaft entfachte vor 30 Jahren

Als Kind habe sie bereits gerne mit Buntstiften gemalt, vor 30 Jahren begann ihre Leidenschaft Ölmalerei nach Vorlagen. Dies sei eins ihrer Hobbys. „Mein größtes waren früher meine Schäferhunde, mit denen ich Schutzhundesport betrieben habe“, erzählt sie mit Blick auf ein auf dem Nachttisch stehendes Foto, das sie mit zwei Hunden zeigt.

Das Zentrum für Schwerkranke und Sterbenskranke, das vor 21 Jahren von Dr. Wolfang Schwarz in Bardowick gegründet wurde und inzwischen aus zwei Häusern besteht, hat zum Motto: Leben trotz/mit unheilbarer Krankheit. Eine umfassende Bekämpfung der Schmerzen und krankeitsbedingten Beschwerden wie auch menschliche Zuwendung und psychologische Betreuung gehören zum ganzheitlichen Betreuungskonzept. Aus diesem Grund freut sich das Marianus-Team darüber, Gisela Schiffner bei ihrem Wunsch einer eigenen Ausstellung unterstützen zu können.

Bittere Diagnose kam vor einem Jahr

Vor einem Jahr habe man bei ihr Krebs festgestellt, erzählt sie. Nach einer Zeit der ambulanten spezialisierten Palliativversorgung durch Palliativdienst und Palliativmediziner kam es schließlich zur stationären Aufnahme im Hospiz, da ein Verbleib in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich war. Nach anfänglichem Zögern sei sie froh und dankbar, diesen Schritt gegangen zu sein. „Jetzt bin ich hier gelandet, weil ich hier gut begleitet werde.“

Das Marianus habe sie zuvor nur vom Hörensagen gekannt. Bereits vor einigen Monaten habe ihr Hausarzt ihr empfohlen, sich mit der Idee, in ein Hospiz zu gehen, auseinanderzusetzen. „Wenn man sich dann entscheidet, ist man wie erlöst. Ich habe mich vom ersten Moment an hier wohlgefühlt“, sagt sie und blickt durch die geöffnete Terrassentür auf die Sitzgruppe davor, die im Sommer zum Verweilen eingeladen hat.

Malen füllt das Leben, sagt sie. Vier, fünf Stunden sitzt sie auch in St. Marianus an ihren Bildern. Viele leben vom intensiven Blau des Meeres und des Himmels. Die Hobbymalerin und ihre Werke kennenlernen können Interessierte bei der Vernissage. Gisela Schiffner wünscht sich, dass ihre Bilder auch Käufer finden. Denn der Erlös fließt an das Marianus.

Von Antje Schäfer