Wegen der langanhaltenden Trockenheit fiel auch in diesem Sommer die Getreideernte in der Region vergleichsweise schlecht aus. (Foto: t&w)

Plädoyer für Wassermanagement

Lüneburg. Wochenlang warteten die Bauern vergeblich auf Regen. Nun fällt zwar der ersehnte Niederschlag, doch die lange Trockenheit macht sich in der Erntebilanz deutlich bemerkbar: „Bei 25 bis 30 Prozent liegen die Ernteeinbußen gemessen im Fünf-Jahresvergleich bei Getreide und Raps in der Region“, sagt Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen (BVNON). Nur im Dürrejahr 2018 sei die Ernte noch katastrophaler ausgefallen. Da holten die Landwirte noch weniger vom Acker.

Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, dass Wetterextreme den heimischen Landwirten die Ernte im wahren Sinne des Wortes verhageln. 2017 geht in die Annalen ein als ein extrem nasses und verregnetes Jahr, 2018 und 2019 dagegen werden als Dürrejahre in Erinnerung bleiben.

Und das hat Folgen für die Landwirtschaft: Denn auch Landwirte, die Getreide und Raps künstlich beregneten, müssen Einbußen von rund zehn Prozent hinnehmen. „Und dann kommen noch Betriebskosten für die Feldberegnung obendrauf“, gibt Riggert zu bedenken. Ein Millimeter Regen aus der Düse kostet laut Landwirtschaftskammer etwa drei bis fünf Euro je Hektar. Bei Regengaben von 100 Millimetern (100 Liter pro Quadratmeter), die nicht ungewöhnlich seien, fielen zusätzliche Kosten von 300 bis 500 Euro je Hektar an. Und auch Betriebsmittel wie Dünger, Pflanzenschutzmittel und Energie seien teurer geworden.

Lieber gleich Rüben, Mais und Kartoffeln

So mancher Landwirt habe sich sein Feldberegnungs-Kontingent daher lieber gleich für Rüben, Mais und Kartoffeln aufgespart – Feldfrüchte, die im Gegensatz zu Getreide auch schon mal mit einer längeren Trockenperiode zurechtkommen. Künstliche Beregnung oder „ein ordentliches Sommergewitter zur rechten Zeit sorgen dann noch für eine halbwegs ordentliche Ernte“, weiß Riggert. Nun waren die Niederschlagsmengen in den vergangenen Wochen und Monaten aber höchst unterschiedlich verteilt: Während in einem Ort ordentlich was runterkam, konnte es wenige Kilometer weiter schon völlig anders aussehen.

Die Kartoffel- und Silomais-Ernte in den drei Landkreisen Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg bezeichnet Riggert als insgesamt „durchschnittlich“.

„Wir haben beim Wasser in Zukunft in erster Linie ein Problem der Verteilung und kein Problem der Mengen.“ – Thorsten Riggert, Bauernverbandschef

Nichtsdestotrotz mahnt der Vorsitzende des Bauernverbandes Nordostniedersachsen eine „regionale Wasser-Wirtschaftshaltung“ an. „Wir haben beim Wasser in Zukunft in erster Linie ein Verteilungsproblem und kein Mengenproblem“, erklärt Riggert. Denn was im Sommer an Niederschlag fehle, werde künftig verstärkt in den Herbst- und Wintermonaten anfallen. Wichtig sei deshalb, dass der Niederschlag dezentral im Boden versickern könne, damit die Grundwasserspeicher wieder aufgefüllt werden. „Es kann jedenfalls nicht sein, dass Regenwasser von versiegelten Flächen über Kanäle direkt in die Flüsse abgeleitet wird“, mahnt Riggert, der hier auch die Politik in der Pflicht sieht, für ein verbessertes Wassermanagement zu sorgen.

Mit Sorge blickt Thorsten Riggert auch zu seinen Berufskollegen in der Elbmarsch: 2017 sei deren Grünland geradezu überflutet worden, die beiden darauffolgenden Jahre seien die gleichen Flächen aufgrund fehlenden Regens dagegen regelrecht vertrocknet. Wobei die Dürre 2018 die Grünlandbauern noch mehr getroffen hat, als dieses Jahr.

Hoffnung auf einen nassen Winter

Die Wetterkapriolen wirken sich auf die Ernte aus: Drei bis vier Mal mähen Bauern ihr Grünland in normalen Jahren, wobei das hochwertige Qualitäts-Futter für Milchkühe nur mit dem ersten Schnitt gelingt. Die Folge: Wo der Regen im Frühling und Sommer spärlicher fiel, kann es auch in diesem Jahr zu erheblichen Futterproblemen für die Nutztierhalter kommen.

In den kommenden Tagen und Wochen sind die Landwirte in der Region derzeit dabei, den letzten Mais und die Zuckerrüben zu ernten und das Wintergetreide auszubringen. Doch jetzt regnet es relativ stark, sodass so mancher Landwirt wieder nicht aufs Feld kommt. „Schönes, trockenes Wetter im Herbst“ wünscht sich Thorsten Riggert deshalb für die nächsten Wochen – „und im Winter viel Regen“. Denn ein viertes Jahr mit Wetterextremen können die Landwirte nicht gebrauchen. Und die Natur schon gar nicht.

Von Klaus Reschke