Junge YouTuber auf Tuchfühlung mit Rindern in Echem. (Foto t&w)

YouTube trifft Bauernhof

Echem. Publikumsverkehr sind die Tiere im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem gewohnt, in dieser Woche sind die Hühner, Kühe, Schafe und Schweine auch noch Filmstars: Seit Montag heißt es in den Ställen des LBZs „Kamera ab!“, Regie führen zehn Kinder und Jugendliche zwischen neun und fünfzehn Jahren. Bei der Herbstferienwoche „YouTuber auf dem Bauernhof“, die das LBZ in Kooperation mit dem Landkreis Lüneburg und der Volkshochschule veranstaltet, lernen sie, wie man selbst Filme dreht und sie später bei YouTube hochlädt. In den ersten beiden Tagen wurden Ideen gesammelt, geplant, die Arbeit mit der Kamera geübt, am Donnerstag wurde gefilmt.

Landwirtschaft und Tierhaltung näherbringen

Jetzt werden die Filme in der VHS Lüneburg geschnitten und auf YouTube hochgeladen. „YouTube ist einfach ein Magnet für junge Menschen, ein Medium, mit dem sie sich beschäftigen. Das wollten wir nutzen, um ihnen die Themen Landwirtschaft und Tierhaltung näher zu bringen“, erklärt Anne Zetl, die Pressesprecherin des LBZs, die Idee hinter dem Projekt. Das ist gelungen, eifrig erzählen die Kinder aus Stadt und Land, was sie aus dieser Woche alles für sich mitgenommen haben, live dabei in einem landwirtschaftlichen Betrieb waren die meisten von ihnen zuvor noch nicht.

Die 15-jährige Kim war besonders beeindruckt davon, wie ein Melkroboter funktioniert, die besten Freundinnen Lilli und Aurelia haben sich im Schweinestall am wohlsten gefühlt, strahlen, als sie davon erzählen, kleine Ferkelchen auf dem Arm gehabt zu haben.

„Vorher wusste ich gar nicht viel über den Unterschied zwischen ökologischer und normaler Tierhaltung.“ – Aurelia, Schülerin

„Meine Lehrerin hat mir vorgeschlagen, hier mitzumachen“, erzählt die 12-jährige Aurelia, glücklich, auf sie gehört zu haben. „Vorher wusste ich gar nicht viel über den Unterschied zwischen ökologischer und normaler Tierhaltung, ich finde das total spannend.“

Für Malina ist das LBZ wie ein zweites Zuhause, weil ihre Mutter hier arbeitet, viel Neues gelernt hat sie in dieser Woche aber trotzdem. „Mit so einer professionellen Kamera habe ich vorher noch nie gefilmt, jetzt bin ich schon sehr gespannt auf das Schneiden. Außerdem habe ich mich auch darauf gefreut, neue nette Leute kennenzulernen.“ Dass der Kontakt zu einigen auch nach der spannenden Woche hält, hofft Kim. „Manche kannte ich schon vorher aus dem Dorf, aber nicht so richtig.“

Die Geburt eines Kälbchens

Die 11-jährige Leonie würde später gerne mit Tieren arbeiten, auf YouTube guckt sie auch am liebsten Videos mit Vierbeinern. „Dass es bald einen eigenen Film von uns auf YouTube gibt, ist toll“, freut sie sich

Die Interessen der Kinder und Teens sind sehr unterschiedlich, bei der Frage nach dem Highlight der Woche, sind sich allerdings alle einig: Die Geburt eines Kälbchens. Fast wären sie dabei gewesen, konnten die Erstversorgung beobachten, miterleben, wie das noch feuchte Tier das erste Mal von seiner Mutter gesäugt wurde.

Auch für die Erwachsenen etwas Besonderes: „Diese Mutter-Kind-Liebe zu sehen, hat mich sehr gerührt“, sagt Ruppert Kraft, der als Medienpädagoge die technische Komponente des Projekts betreut und begeistert von der Kombination aus Digitalem und Tierkontakt ist. „Für mich ist das Arbeit mit Wohlfühlfaktor“, sagt der Hamburger schmunzelnd.

Keine 08/15-Routine

Er hat schon viele Ferienprogrammen zum Thema Film angeleitet, aber die Komponente Bauernhof ist für ihn neu. „Das hebt das Ganze nochmal auf eine andere Ebene. Tiere sind keine Gegenstände, haben ihren eigenen Kopf. Da gibt es nie eine 08/15-Routine, deshalb ist die Arbeit mit Tieren sehr anspruchsvoll.“

Auch Anne Zetl ist zufrieden mit der Aktionswoche. „Mehr Zeit geht natürlich immer, aber in dieser Woche haben die Kinder jetzt wirklich viel erlebt.“ Dass es ausgerechnet am Hauptproduktionstag in Strömen geregnet habe, sei natürlich schade gewesen, „hat der Motivation und der guten Laune aber keinen Abbruch getan.“

Von Lea Schulze