Markus Reich (l.), der Kapitän und Vorsitzende des Vereins, mit Wilhelm Bischoff, Geschäftsführer des Vereins, auf der Hitzler-Werft. Foto: tja

Hier dampft nichts mehr

Lauenburg. Kaiser Wilhelm muss sich nach 119 Jahren einer schweren Operation unterziehen: Lauenburgs schwimmendes Wahrzeichen, der Raddampfer Kaiser Wilhelm, wurde auf der Hitzler-Werft mit Trennschleifer und Schneidbrenner durchgeschnitten.

„Am Heck haben wir 6,50 Meter abtrennen lassen, das Ende wird erneuert“, berichtet Markus Reich, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums. Der Verein betreibt den 1900 in Dresden gebauten Raddampfer. Dank einer finanziellen Förderung des Bundes in Höhe von 950.000 Euro und einem Eigenanteil des Vereins von 95.000 Euro wird der Raddampfer bis April 2020 umfassend saniert. „Wir hätten wohl auch zwei Millionen Euro mehr in die Sanierung investieren können, aber es ist, wie es ist“, so Reich.

Ein neuer Kessel wird bereits gebaut

Auf der Slipanlage der Werft an der Bahnhofstraße war zunächst der unter Wasser liegende Bereich auf dem Trockenen durchtrennt worden. Dann wurde ein Schott eingeschweißt, um eindringendes Wasser zu verhindern. Schließlich wurde der unter Denkmalschutz stehende Raddampfer auf die Südwerft geschleppt und dort der Schnitt vollendet. Mit einem Kran wurde das abgetrennte Heck an Land gehievt. Aus dem vorderen Schiffsteil wurde anschließend noch der komplette Kessel entfernt – neben der Dampfmaschine das Herzstück des normalerweise 57,20 Meter langen Schiffes. In dem Kessel wird, mithilfe von Kohle aus Wasser der Dampf erzeugt, der die Dampfmaschine antreibt. Deren Leistung: umgerechnet 168 PS. Reich: „Ein neuer Kessel wird bereits gebaut, wir gehen davon aus, dass er im Dezember eingebaut werden kann.“ Mitarbeiter einer Spezialfirma in Husum kümmern sich um den Auftrag.

„Wir freuen uns, dass wir die Sanierung durchführen dürfen. Es ist eine Herausforderung, aber es ist auch eine große Ehre und es macht Spaß“, berichtet Werner Büker, der technische Leiter der Hitzler-Werft. Im Rahmen der Ausschreibung des Auftrags hatten sich auch andere Werften um die Arbeiten beworben, die mussten ihre Angebote aber aus technischen Gründen zurückziehen. Der Verein macht keinen Hehl daraus, über die Vergabe des Auftrags an die Werft im Heimathafen froh zu sein. Reich: „Wir erledigen viele Arbeiten auch in Eigenleistung. Da ist es natürlich einfacher, es hier vor Ort tun zu können.“

So viele Teile wie möglich erhalten

Ziel der Sanierung ist es, so viele Teile wie möglich zu erhalten. Das soll auch beim abgeschnittenen Heck berücksichtigt werden. Zwar wird der Rohling aus Eisen neu gefertigt, doch vorhandene Anbauteile werden wieder montiert. Doch vor allem am Heck war der verarbeitete Stahl schon mehrfach aufgedoppelt worden, Substanz hatte das Material kaum noch. „Es wird nachher alles besser als bisher“, ist Reich zuversichtlich.

2020 soll das schwimmende Denkmal im April in die neue Saison starten. Neben den Fahrten auf der Elbe ist auch ein Törn an die Weser geplant. Dort war der Raddampfer einst im Liniendienst, ehe ihn Schifffahrts-Fans nach Lauenburg holten und vor der Verschrottung retteten. Das war 1970 – seitdem fuhr der Raddampfer jede Saison auf der Elbe. 2016 führte ihn sein Weg nach Dresden, 2018 erstmals auch in den Hamburger Hafen. „Touristisch ist der Raddampfer das Aushängeschild für unsere Stadt“, erklärt Bürgermeister Andreas Thiede.

Von Timo Jann