Sonntag , 25. Oktober 2020
Diese Jungstörche machten sich kürzlich in Wendewisch bereit für den Flug in den Süden. (Foto: Rehfeld)

Viele Mäuse machen einen Storchen-Sommer

Lüneburg. Auf ihrer Jahrestagung am vergangenen Wochenende haben die Mitarbeiter des Weißstorchschutzes des Nabu Niedersachsen ihre Jahresbilanz vorgelegt. Diese fällt erfreulich aus: In Niedersachsen und Bremen ließen sich 2019 insgesamt 1133 Weißstorchpaare nieder. Die Storchenpaare brachten 2463 Jungstörche zum Ausfliegen. Noch nicht mitgezählt sind dabei die annähernd 210 fütterungsabhängigen Paare im Bereich von Zoos und Vogelpflegestationen mit ihrem Nachwuchs.

Landesweit ein Rekordjahr

„Damit wurde das gute Ergebnis aus dem Jahr 2018 (1008 Paare mit 1768 flüggen Jungen) bei den Paaren um 12,5 Prozent und bei den flüggen Jungen sogar um 39 Prozent übertroffen. Dies ist der höchste Storchenbestand in Niedersachsen seit mehr als 60 Jahren – und das trotz des trockenen Sommers“, erklärte Hans-Jürgen Behrmann von der LAG Weißstorchschutz des Nabu Niedersachsen. Somit hält die positive Entwicklung bei den Weißstörchen an. Niedersachsen zählt mit Baden-Württemberg und Brandenburg zu den Top 3 der Bundesländer mit den meisten Storchenpaaren.

Im Kreis Lüneburg hat sich der Paarzuwachs bei den Störchen allerdings nicht erhöht, er ist sogar eher etwas rückläufig. Hans-Jürgen Behrmann weiß, woran das liegt: „Die Störche im Landkreis Lüneburg sind Ostzieher, das heißt, sie fliegen über die engste Stelle zwischen den Kontinenten, über den Bosporus, durch Israel und dann nach Afrika. Ihr Zug ist viel weiter als der der Westzieher und birgt mehr Gefahren, viele von ihnen kommen nicht zurück.“ Westzieher hingegen überwintern in Spanien, wo sie genug Nahrung in Feuchtbiotopen, Reisfeldern und insbesondere auf Mülldeponien finden. „Von dort kehren sie dann früher, in größerer Anzahl und in meist guter Verfassung zurück“, sagt Behrmann.

Hubert Horn, Storchenbetreuer für das linkselbische Gebiet des Kreises Lüneburg berichtet, dass die Zahl der Storchenpaare im Bereich zwischen Adendorf, Hohnstorf/Elbe und Bleckede konstant geblieben sei, es im Vergleich zu den Vorjahren jedoch sehr viel mehr Jungtiere gegeben habe: „Der Durchschnitt der letzten Jahre lag bei etwa 55 Jungtieren, in diesem Jahr haben unsere 36 Storchenpaare etwa 75 Junge großgezogen.“ Der Grund dafür sei die hohe Mäusepopulation. „Die Zahl der Mäuse ist in diesem Jahr enorm angestiegen, alle Tiere, die sich von den Nagern ernähren, haben sehr gut gelebt.“

Waschbären bereiten Sorgen

Im rechtselbischen Kreisgebiet, in der Gemeinde Amt Neuhaus, hat der dortige Storchenbetreuer Helmut Eggers ähnliche Beobachtungen gemacht. „In diesem Jahr hatten wir 46 Paare, vor vier Jahren 50, das ist noch ein gleichbleibender Bestand.“ Er hat in diesem Jahr 94 Jungtiere gezählt, „das sind elf mehr als im vergangenen Jahr.“ Besorgt zeigte sich Eggers darüber, dass vermehrt Waschbären Betonmasten emporkletterten und bei den Storchpaaren für Störungen sorgten. „Ich hätte das nie für möglich gehalten, aber wir haben Belege. Die Waschbären unterhöhlen die Nester, haben es vermutlich auch auf die Eier abgesehen. Natürlich stiftet das Unruhe.“ In Amt Neuhaus wolle man den Vandalen nun mit einer Art überdimensionalem Pfeifenreiniger den Weg versperren, so Eggers.

Von Lea Schulze