Erneut haben Unbekannte eine Lkw-Ladung Altreifen auf einem Waldweg zwischen Barendorf und Lüneburg abgekippt. (Foto: bol)

Alte Gummis im Wald entsorgt

Barendorf. Über so viel Dreistigkeit und mangelndes Unrechtsbewusstsein kann Förster Holger Kapell nur noch den Kopf schütteln. Denn schon wieder wurde der Barendorfer Forst zur illegalen Müllkippe für ausrangierte Autoreifen.

Dieses Mal haben Unbekannte die alten Gummis zwischen Barendorf und Lüneburg im „Bilmer Strauch“ abgekippt. Mitten auf dem Waldweg. „An einer Stelle, die von der Bundesstraße 216 auch noch gut einsehbar ist“, wundert sich Holger Kapell über die Unverfrorenheit der Umweltsünder. Auch in diesem Fall hat der Barendorfer Revierförster Anzeige bei der Polizei gestellt.

Ermittlungen werden schwierig

Dass der Wald vor Lüneburg bevorzugt für die illegale Müllentsorgung angefahren wird, ist wohl vor allem seiner strategisch günstigen Lage geschuldet: Das Revier ist stadtnah gelegen, wird durchschnitten von der Bundesstraße 216 und liegt nahe der Ostumgehung. Schnell von der Straße runter, rein in den Wald, abladen und zurück auf die Straße – für kriminelle Müllentsorger scheint das ein sicheres Geschäftsmodell zu sein.

Der Förster vermutet, dass die Pneus auch dieses Mal aus dem Hamburger Raum stammen: Beim Fall vor einem Jahr führte die Spur die Ermittler in eine Hamburger Autowerkstatt. Damals hatte der Schrauber gegenüber der Polizei zu Protokoll gegeben, dass die Reifen gegen Gebühr von einem Entsorgungsunternehmen abgeholt worden seien. Der Abholer komme alle zwei Wochen vorbei. Grund zur Skepsis habe er deshalb nicht gehabt. Doch statt die Reifen zur Deponie zu bringen, hat der Entsorger sie dann offenbar im Wald illegal abgeladen. Damals hatten die Ermittler einen polnischen Entsorger im Visier.

Eine Ordnungswidrigkeit, keine Straftat

„Und das macht die Ermittlungen auch so schwierig“, sagt Polizeihauptkommissarin Antje Freudenberg von der Pressestelle der Lüneburger Polizei. Denn bei allem Ärger über die Umweltverschmutzung – „bei dem Delikt handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit und nicht um eine Straftat.“ Entsprechend schwierig sei daher die grenzübergreifende Ermittlungsarbeit.

„Der Wald wird dadurch erneut zur Müllkippe degradiert.“ – Holger Kapell, Revierförster

Für Kapell ist der erneute Reifenfund doppelt ärgerlich: Nicht nur, weil der Wald dadurch erneut zur Müllkippe degradiert wird, sondern auch, weil durch solches Verhalten das Engagement jener Konfirmanden, Teamer und Mitglieder des Vereins „Bund ehemaliger Teamer Reinstorf“ (BETR) ad absurdum geführt wird, die erst vor wenigen Wochen an einem Sonnabend den Wald aufgesucht und den Dreck anderer eingesammelt hatten (LZ berichtete).

„Müllentsorgung im Wald ist alles andere als ein Kavaliersdelikt“, stellt Kapell klar und zählt auf, gegen welche Gesetze die Müllsünder verstoßen: „Gegen das Naturschutzrecht, gegen das Abfallbeseitigungsgesetz und auch gegen das Landschaftsschutzgesetz.“ Mit anderen Worten: Wer erwischt wird, für den kann die illegale Aktion richtig teuer werden.

Wie teuer, rechnete Knut Sierk, regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten bereits vor einem Jahr vor: „Solche Verstöße werden nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz geahndet, berichtete er damals.

Das Bußgeld setze die Untere Abfallbehörde fest. Werden mehr als fünf Reifen illegal entsorgt, sehe der Bußgeldkatalog bereits Strafen von 1000 Euro bis zu 25 000 Euro vor, erklärt Knut Sierk, der von einem ähnlichen Fall aus dem benachbarten Heidekreis zu berichten wusste: „Da mussten die Täter 5000 Euro Strafe bezahlen.“

Strafen bis zu 25 000 Euro

Die Entsorgung der alten Schlappen hat nun der kommunale Abfallentsorger GfA übernommen, der dazu im Rahmen des niedersächsischen Abfallgesetzes verpflichtet ist.

Die Krux an der Sache: Können die Verursacher nicht ermittelt werden, muss die Allgemeinheit für die Entsorgung über die Müllgebühren aufkommen. Da kommt ziemlich schnell eine recht stattliche Summe zusammen – pro Jahr nach Angaben der GfA zwischen 15 000 bis 20 000 Euro.

Von Klaus Reschke