Von Kindern geschaffene Miniaturwelten: Dieses Modell haben (v.l.) Fabien, Elisa, Sophie und Emma gebaut. (Foto: t&w)

Bewohnbare Grashalme

Lüneburg. Eine Luxusvilla auf dem Kalkberg mit richtig tollem Baumhaus? Grashalme, die bewohnbar sind? Ein pinkfarbener Riesenmuffin? Kinder und Jugendliche wurden in den Herbstferien zu Künstlern ihrer eigenen kleinen Miniaturwelt. Dafür beschäftigten sich die 9- bis 14-Jährigen im Museum Lüneburg intensiv mit der Architektur der Stadt, die neben mittelalterlichen Giebelhäusern auch moderne Gebäude zu bieten hat.

Beim sogenannten Talentcampus der Volkshochschule stand ihre eigene Fantasie im Vordergrund. „Die Traumvilla besitzt zwei Stockwerke und eine Dachterrasse mit Swimmingpool. Außerdem gibt es einen Hundetrainingsplatz“, erzählte die elfjährige Sophie von ihrer Miniaturwelt.

Künstlerin lobt junge „Architekten“

Ruth Weber ist Künstlerin und hat Trickfilm studiert. Eine Woche lang leitete sie den Kursus: „Ich habe bereits vorher mit Immigrantinnen aus Kaltenmoor über die VHS zusammengearbeitet. Es ging ebenfalls um das Thema Heimat“, berichtete die Künstlerin. „Es erfüllt mich nicht, Kunst der Kunst wegen zu machen“, sagte die Illustratorin: „Den Kindern etwas geben zu können, das erfüllt mich.“

Das Konzept hinter dem Workshop sei, Lüneburg als Inspiration für eigene Werke zu nehmen und in Fantasiewelten einzutauchen. So wird aus dem grauen Lüneburger Wasserturm ein regenbogenfarbenes Meisterwerk. „Auch wenn etwas mal nicht wie geplant funktioniert hat, haben die Kinder selbstständig spontane Lösungen gefunden“, lobte Ruth Weber ihre kleinen „Architekten“. Alle hätten vom ersten bis zum letzten Tag begeistert mitgemacht. Auch Emma zählte dazu. Die Zehnjährige beschrieb ihre kleinen Bauwerke. „Das sind ein großer und ein kleiner Grashalm. In dem größeren würde ich gerne wohnen.“

Wasserkräne aus Keksdosen

Der Workshop war für die Kinder kostenfrei, inklusive Material und täglichem Mittagessen, das ebenfalls gut ankam. „Gestern gab es Gnocchis mit einer Sauce, das war ganz lecker“, erzählt Elisa (11). Sie gehörte auch zu Sophies vierköpfiger Gruppe des Fantasie-Kalkbergs. „Wir kannten uns vorher alle gar nicht. Jetzt sind wir Freundinnen geworden“, versichert sie. „Nur manchmal hatten wir ein bisschen zu viel Leerlauf, aber ich habe immer schnell eine Beschäftigung gefunden“, bilanzierte Frederik (10). Er hatte zusammen mit seinem Teampartner zwei Wasserkräne aus Keksdosen gebaut.

Zum Abschluss wurden die entstandenen Häuser, Höhlen, Türme, Räume und Orte der jungen Künstler im Museum Lüneburg zu einer eigenen Miniaturstadt aufgebaut und in einer kleinen Sonderausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.

Von Malin Mennrich