Mittwoch , 30. September 2020
Schon mit Anfang 20 hat sie sich selbstständig gemacht: Julietta Hakopian betreibt die Gastronomie des Hamburger Yachtclubs – und ab Januar auch das Bleckeder Haus. (Foto: t&w)

Mit Gelassenheit am Tresen

Bleckede. Sie ist erst 27 Jahre alt, betreibt seit drei Jahren eine Gastronomie in Hamburg und hat doch noch Lust auf mehr – mehr Verantwortung und mehr dörfliche Ruhe: Julietta Hakopian steigt als neue Pächterin im Bleckeder Haus ein. Ab Januar will sie die stillgelegte Gastronomie in dem Veranstaltungsraum wieder zum Leben erwecken. Eine große Herausforderung, könnte man meinen. Julietta Hakopian sieht‘s aber entspannt: „Ich bin ein ziemlich gelassener Mensch und denke immer: Man findet für alles eine Lösung.“

„Notfalls meistere ich das am Anfang mit meiner Familie zusammen.“
Julietta Hakopian, Pächterin

Und zu lösen gibt es gerade vieles: Wann wird das Restaurant eröffnet? Was steht auf der Speisekarte? Woher kommt das Personal? Fragen über Fragen. Die junge Frau aus Armenien sucht noch einen Koch, Servicekräfte und Aushilfen. Auf die Stellenausschreibung von vor drei Wochen hat sich bislang noch niemand gemeldet. Aber alles kein Grund zur Sorge, sagt Julietta Hakopian – und lacht alle Zweifel einfach weg: „Notfalls meistere ich das am Anfang mit meiner Familie zusammen.“

Die Familie ist sowieso fester Bestandteil ihres Plans: Schon als sie kurz vor Ende ihrer Hotelfachausbildung den Hamburger Yachtclub übernahm, griffen ihre Eltern, ihr Mann und die drei großen Schwestern der Familienjüngsten tatkräftig unter die Arme. „Ich habe das Geschäft immer am Wochenende betrieben, sodass es mich unter der Woche nicht beim Lernen gestört hat“, erinnert sie sich. Mit Familie, Organisation und Gelassenheit alles kein Problem.

Der Yachtclub war ihr einfach zu klein

Im Grunde genommen sei ihr das Projekt noch nie zu viel, eher zu wenig gewesen: „Es passen nur 120 Leute in den Yachtclub.“ Im Frühjahr stieß sie bei Recherchen im Netz auf das Bleckeder Haus. Eine Woche später reiste sie aus Norderstedt in die ihr bis dahin völlig unbekannte Kleinstadt an der Elbe: „Da hat es bei mir einfach sofort Klick gemacht.“ Nicht nur, weil ihr das Projekt auf Anhieb gefiel, auch, weil ihr die ruhige Lage erstmals bewusst gemacht habe, dass es ihr in der Großstadt doch eigentlich viel zu laut war. Der Pachtvertrag für das Bleckeder Haus ist seit Ende September unterschrieben, was ihr noch fehlt zum großen Glück, das ist eine Behausung. Das Ehepaar Hakopian will in Bleckede sesshaft werden.

Der Veranstaltungsbetrieb im Bleckeder Haus wird weitergehen wie gewohnt – mit einem kleinen Unterschied: Sitzungen, Vorträge, Feiern und Vereinsversammlungen können künftig auch wieder mit Verköstigung stattfinden. Das Restaurant soll – mit einem Ruhetag am Montag – die ganz Woche über geöffnet sein. Vielleicht, grübelt Julietta Hakopian laut, ließe sich sogar ein Lieferservice anschließen. Vielleicht könnte man auch eine regelmäßige „After-Work-Party“ organisieren. Und vielleicht neben der klassisch-deutschen Küche auch noch einen armenischen Schaschlik-Grillabend einrichten. Viele „Vielleichts“, aber keine Spur der Unruhe bei Julietta Hakopian.

Das Personal zieht es in die große Stadt

Während rund um das Bleckeder Haus eifrig Pläne geschmiedet werden, schließt im Bleckeder Zentrum eine andere Gastronomie vermutlich für immer die Türen: die Pizzeria „Mancini“. Ein Schild an der Tür verrät den Grund: „Chronischer Personalmangel“, der Pizza-Bäcker geht in Rente. Aus Gründen der Authentizität wollte Inhaberin Caterina Mancini weiterhin auf italienisches Personal setzen, doch das habe sich als kompliziert herausgestellt: Die meisten Kräfte aus ihrem Heimatland würden nach spätestens zwei Jahren das Handtuch werfen, zu ihrem Bedauern ihr Glück lieber in der großen Stadt suchen. „Da ist nach Feierabend einfach mehr los.“ Das angrenzende Eiscafé Mancini wird aber weiter betrieben, geht wie gewohnt Mitte Oktober in die Winterpause. Caterina Mancini will dann einen Mieter suchen – vorzugsweise einen Gastronomen. „Das wäre optimal für alle – für uns und für Bleckede.“

Von Anna Petersen