Ali Khodida (v.l.), Shukira Mahmood Kato, ihre Tochter Alina und Sprachpatin Sabine Hartwig. Mahmood Kato und Hartwig treffen sich immer in Mahmood Katos Wohncontainer am Bilmer Berg. (Foto: fr)

Mehr als eine Sprache lernen

Lüneburg. Gut gelaunt spazieren sie über das Gelände der Gemeinschaftsunterkunft am Bilmer Berg. Die anderthalbjährige Alina tippelt in der M itte, ihre Mutter Shukira Mahmood Kato und Sabine Hartwig führen sie rechts und links an der Hand. Ein Bild, das zeigt, wie aus einer Sprachpatenschaft Freundschaft entstanden ist. Seit einem Jahr treffen sich die Lüneburgerin Hartwig und die aus dem Irak geflüchtete Mahmood Kato ein Mal in der Woche und plaudern miteinander – auf Deutsch. Denn Hartwig ist ehrenamtliche Sprachpatin, sie hilft der 21-Jährigen dabei, Deutsch zu lernen.

„Ich freue mich jedes Mal, wenn ich zu Shukira komme“, sagt Hartwig. Zwei bis drei Stunden verstrichen bei ihren Treffen im Nu: Die beiden Frauen tauschen sich über Neuigkeiten der Woche aus, stöbern in der Zeitung und üben Wortschatz und Grammatik. Ab und zu greifen sie auch mal zum Handy als Übersetzungshilfe, doch Vieles versteht Mahmood Kato bereits selbst.

Diskussionen über "Fridays for Future"

Vor zwei Jahren kam die Irakerin mit ihrem Mann Ali Khodida nach Deutschland. Er war Englischlehrer, sie hatte die Realschule abgeschlossen. Was für beide klar war: Sie wollen zügig Deutsch lernen. Ali besucht nun regelmäßig einen Sprachkurs, Shakira hatte drei Monate Deutschunterricht und meldete sich danach bei dem Sprachpaten-Projekt des Caritasverbands im Lüneburger Mehrgenerationenhaus an. Dadurch lernte sie Sabine Hartwig kennen. Sie arbeitet bei der AOK, auf das Ehrenamt aufmerksam wurde Hartwig über einen Zeitungsartikel in der LZ.

„Shukira konnte schon eine ganze Menge Deutsch“, sagt Hartwig. Angefangen haben die beiden mit lockeren Unterhaltungen. Mittlerweile lesen sie Zeitung, diskutieren zum Beispiel über „Fridays For Future“ und gingen schon zusammen ins Theater. Eine Bereicherung ist die Sprachpatenschaft für beide: „Auch ich lerne dabei, zum Beispiel wenn Shukira über den Irak erzählt, das ist ja eine ganz andere Kultur“, erzählt Hartwig. Zwei Mal kochten Mahmood Kato und ihr Mann bereits für Hartwig ein irakisches Essen, „das war immer sehr, sehr lecker“.

14 stehen auf der Warteliste

Die persönliche Beziehung, das heißt auch Kontakt mit der Familie zu knüpfen und das Umfeld kennenzulernen, sei Teil des Konzepts, das hinter der Sprachpatenidee steht. Claudia Kuchler vom Mehrgenerationenhaus erklärt weiter: „Wir wollen ein gegenseitiges Kennenlernen zwischen Lüneburgern und Menschen mit Fluchterfahrungen ermöglichen und ihnen durch die Sprachförderung helfen, sich selbst eine ,deutsche Stimme‘ zu geben, um aktiver an der Gesellschaft teilnehmen zu können.“

Im Herbst 2016 wurde das Projekt in Lüneburg auf die Beine gestellt, aktuell gibt es 34 Sprachpatenschaften – und 14 Personen stehen auf der Warteliste. Claudia Kuchler betont: „Wer Sprachpate werden will, muss kein Lehrer sein – es geht vor allem darum, sich miteinander zu unterhalten.“ Jeder könne Sprachpate werden, der offen ist für Menschen und sie gerne beim Einstieg in die neue Sprache und den Alltag unterstützt. Kuchler vermittelt die Sprachpaten und Geflüchteten miteinander. Zuerst gibt es ein Aufnahmegespräch und beim ersten Kennenlern-Treffen sind noch Mitarbeiter des Generationenhauses dabei. Je nach Möglichkeit und Zeit sind danach wöchentliche oder zweiwöchentliche Treffen vorgesehen. Alle drei Monate kommen alle Sprachpaten zusammen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.

Wer Interesse an einer Sprachpatenschaft hat, wendet sich an Claudia Kuchler oder Hagen Albrecht unter (04131) 77 77 77.

Von Franziska Ruf