Auf dem Areal „Am Neumühler Weg“ soll ein mindestens 1300 Quadratmeter großer Supermarkt gebaut werden. Foto: phs

Für die Zukunft gut aufgestellt

Neetze. Rund eine Stunde nach Beginn der neunten Neetzer Gemeinderatssitzung ist Karsten Johansson erleichtert. „Jetzt müssten wir eigentlich die Korken knallen lassen“, sagt Neetzes Bürgermeister und sieht zustimmendes Nicken unter den Gemeinderatsmitgliedern. Denn soeben hat der Rat bei seiner öffentlichen Sitzung im Gemeindehaus Neetze gleich zwei Langzeitprojekte auf den Weg gebracht: den Dorfentwicklungsplan und das Baugebiet „Barskamper Weg“.

„Vor drei Jahren haben wir noch an die Tür des Landkreises geklopft und wurden fast jedes Mal wie ein kleines Kind wieder weggeschickt“, erinnert sich Karsten Johansson an die Geburtsstunde des Neetzer Dorfentwicklungsplans. Denn viele Überlegungen und Ideen zur zukünftigen Aufstellung des Dorfes trafen beim Landkreis auf taube Ohren, so lange diese nicht ordnungsgemäß auf Papier gebracht waren.

Supermarkt und ärztliche Versorgung

Es musste ein echter Zukunftsplan her – mit Bestandsanalyse, Handlungsempfehlungen und Abwägungen. Jetzt ist er fertig. Darin enthalten sind, wie berichtet, Pläne zur zukünftigen Nahversorgung im Ort, zur ärztlichen Versorgung und zur Wohnbebauung. Beispielsweise plant die Gemeinde, einen größeren Lebensmittelmarkt zu bauen.

Der aktuelle Markt „Am Dorfplatz“ ist mit einer Verkaufsfläche von 580 Quadratmetern viel zu klein. Stattdessen soll an anderer Stelle ein Lebensmittelmarkt mit mindestens 1300 Quadratmetern Größe geschaffen werden.

Auch im Hinblick auf die Gesundheitsversorgung gibt es bis zum Jahr 2035 Handlungsbedarf. Die Gemeinde möchte die ärztliche Nahversorgung ausbauen und Wohnangebote für Senioren schaffen. Denn die Anzahl der über 85-Jährigen im Dorf, so stellt die Bedarfsanalyse fest, wird steigen. Eine stationäre Pflegeeinrichtung aber gibt es nicht. Senioren-Wohnprojekte könnten eine Lösung sein.

Rund 85 neue Wohneinheiten sollen entstehen

All diese Pläne hat die Gemeinde, mit Bitte um Stellungnahme, dem Landkreis Lüneburg zukommen lassen. Die entsprechenden Anmerkungen und Hinweise wurden jüngst im Bauausschuss diskutiert und abgewägt. Die endgültige Version hat der Gemeinderat nun auch einstimmig verabschiedet, mit der Hoffnung, dass bei der Neugestaltung des Regionalen Raumordnungsplans durch den Landkreis möglichst viele der Zukunftsvisionen aus Neetze berücksichtigt werden.

Grünes Licht soll es vorab schon für das Neubaugebiet „Barskamper Weg“ geben. Denn auch ein erweitertes Wohnangebot ist Teil des Dorfentwicklungsplans. So sollen zwischen dem Barskamper Weg und der L221 rund 85 neue Wohneinheiten entstehen.

Mehr als fünf Jahre sind es schon, die das Thema Neubaugebiet die Ratsmitglieder umtreibt. Mehrere Einwendungen, wie zuletzt eine um wenige Meter verschobene Flurbereinigung oder die Frage danach, ob so dicht an der Landstraße überhaupt ein Baugebiet entstehen darf, hatten die Pläne immer wieder verzögert. „Wir hätten es uns anders gewünscht, aber sind froh, dass wir jetzt überhaupt an diesem Punkt sind. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob das ganze Projekt auf der Kippe steht“, sagt Johansson kurz vor der Beschlussnahme zum Bebauungsplan Nummer 13.

Ausschreibung soll im November starten

Nun sind alle Gutachten erstellt, alle Änderungen berücksichtigt und, das hofft man, alle Fragen geklärt. Und so gehen am Ende auch alle Hände der Ratsmitglieder in die Höhe, die das Baugebiet damit offiziell auf den Weg bringen. Doch bevor die Bagger rollen, finden noch sogenannte Kampfmittelsondierungen sowie archäologische Untersuchungen statt.

Im November, das ist der Plan, soll die Ausschreibung für die Erschließungsarbeiten veröffentlicht werden, ab März beginnen die Arbeiten am Kreisel, der an der L221 entstehen und künftig als Zufahrtsstraße zum Baugebiet dienen soll. Dann wird die Straße zwischen Neetze und Bleckede für rund vier Wochen voll gesperrt.

Ab Juni 2020 könnte es dann soweit sein, „dann sollten die ersten Häuschen stehen“, sagt Johansson und ergänzt, „wenn uns bis dahin keine bösen Überraschungen dazwischenkommen“. Denn davon, so sind sich alle im Rat einig, hatte Neetze bereits genug.

Von Anke Dankers