Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Frauke Bernoth besucht die junge Mutter Anna Vitzthum und überreicht ihr das Willkommens-Paket der Stadt. Foto: t&w

Für einen guten Start ins Leben

Lüneburg. Ein Kind verändert das Leben. Grundlegend und unwiederbringlich. Selbst wenn sich die werdenden Eltern auf das Ereignis akribisch vorbereitet haben, stellen sie meist schnell fest, dass zwischen Theorie und Praxis doch eine große Lücke klaffen kann. Gut, wenn ihnen in dieser Situation Familie und Freunde, aber auch kompetente Fachleute zur Seite stehen: Das Netzwerk „Frühe Hilfen“ leistet hier einen wichtigen Beitrag.

„Bei diesem Angebot handelt es sich um eine umfassende praktische Unterstützung für Familien ab der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr des Kindes“, erklärt Angela Lütjohann, Leiterin des Lüneburger Jugendamtes, „dabei ist es ganz wichtig, dass die Beratung, Vermittlung und Begleitung über eine Familienhebamme oder Familien- Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin zum einen kostenlos, zum anderen aber auch freiwillig ist.“ Und nicht der Kontrolle, sondern der Prävention gelte.

Von Schlafproblemen bis Krippen-Anmeldung

Der Kontakt kann entweder über sogenannte Willkommensbesuche oder aber aus dem Netzwerk „Frühe Hilfen“ – beispielsweise durch Hebammen oder Ärzte – entstehen. Gerade die Willkommensbesuche würden gut angenommen, er klärt Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Frauke Bernoth, „rund 80 Prozent aller Eltern reagieren positiv auf den Willkommensbrief, den die Stadt an alle Mütter und Väter von Neugeborenen verschickt.“ Darin gratuliert Oberbürgermeister Ulrich Mädge nicht nur zur Geburt des Babys, sondern kündigt gleichzeitig einen Besuch der Netzwerkmitarbeiterinnen an – wenn dieser denn erwünscht ist.

„In der Regel vereinbare ich dann einen ersten Termin mit den jungen Eltern und komme zu ihnen nach Hause“, erklärt Frauke Bernoth, die in ihren Aktivitäten von Sabine Gerber unterstützt wird, „Ich möchte die Glückwünsche der Stadt persönlich überbringen und Beratung anbieten. Dabei kann es um Schlafprobleme oder Zahngesundheit, Krippen-Anmeldungen oder Vorsorgeuntersuchungen, aber auch um Unterstützung bei schwierigen familiären Situationen gehen. Ich möchte einfach unverbindlich aufzeigen, welche Möglichkeiten existieren.“

Und die sind vielfältig – wie Angela Lütjohann weiß: „Unser Netzwerk besteht aus Ärzten und Hebammen, Therapeuten und Sozialarbeitern, Erzieherinnen in Stadtteilhäusern, Krippen und Kitas, aber auch Fachleuten bei Ämtern, der Polizei und Justiz. Also allen Ansprechpartnern und Einrichtungen, die dafür Sorge tragen, dass ein Kind gut und gesund aufwachsen kann.“

Ansprechpartner für Fragen

Seit 2007 besteht das Netzwerk in Stadt und Landkreis Lüneburg, die gemeinsam damals als niedersächsische Modellkommune für dessen Entwicklung ausgewählt wurden, seit 2012 haben die „Frühen Hilfen“ auch eine gesetzliche Grundlage. Koordiniert werden die Angebote von Brigitte Rieckmann und Stephanie Hildebrandt von der Stadt Lüneburg, bei denen die Fäden zusammenlaufen. „Wir sind die Ansprechpartner für Fragen, pflegen die Zusammenarbeit der Partner, organisieren Fachveranstaltungen und stimmen die Arbeit von Familienhebammen mit Melanie Tietzmann und den beiden Gesundheits-, und Kinderkrankenpflegerinnen ab“, erklärt Brigitte Rieckmann, die auch am Austausch mit den Kollegen auf Landesebene zuständig ist.

Koordiniert werden aber nicht nur die regulären Angebote für werdende und junge Eltern, angesiedelt ist hier auch das Projekt „Gut angekommen“, bei dem Flüchtlingsfamilien mit Neugeborenen die gleichen Angebote – ergänzt durch Dolmetscherinnen - erhalten. Und auch mit der Aktion „Gute Aussichten“ von MaDonna, die dazu beitragen soll, besonders jungen Müttern einen guten Start in die neue Lebenssituation zu bieten, besteht eine enge Zusammenarbeit.

Von Ute Lühr