Donnerstag , 1. Oktober 2020
Der automatisiert verkehrende Bus des Projekts TaBuLa in Lauenburg nimmt nach dem offiziellen Start der zweiten Testphase am Freitag künftig auch Fahrgäste mit. Foto: tja

Start in ein neues Zeitalter

Lauenburg. Ein neues Zeitalter im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) beginnt in Lauenburg: Der automatisiert fahrende Bus des Projekts TaBuLa (Testzentrum für automatisiert fahrende Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg) startet in seine nächste Betriebsstufe. Bisher lernte er seine Strecken kennen, bald nimmt er erstmals Fahrgäste mit. Kostenlos und um deren Akzeptanz für das automatisierte Fahren zu erforschen.

Seit Juli hat der mit blauer Folie beklebte weiße Minibus schon mehrfach für Aufsehen gesorgt: In gemächlichem Tempo zuckelt er seitdem über den Askanierring, über die B5 und durch die Altstadt. Nur Ingenieure, Projektbetreuer und Busfahrer durften bisher mitfahren.

100 Gäste werden dabei sein

Doch Freitag um elf Uhr erwarten die Stadt Lauenburg, die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) etwa 100 Gäste zum feierlichen Start der ersten Personenbeförderungen. Auch Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) hat sich angekündigt. In einem Kurzfilm wird das TaBuLa-Projekt vorgestellt, und dann stehen natürlich Fahrten im automatisierten Bus an. Von Sonnabend an können alle Interessierten einsteigen. Der Bus fährt dann zunächst auf der Route vom ZOB über Hamburger Straße, Fürstengarten und Amtsplatz zurück zum ZOB. Eine Kurzstrecke führt außerdem vom ZOB zum Amtsplatz und zurück. Erst in der nächsten Testphase fährt der Bus auch mit Fahrgästen durch die Altstadt.

Wissenschaftler der TUHH wollen mit Befragungen erforschen, ob die Menschen bereit sind für den automatisierten ÖPNV. Der Bus soll in der Testphase bis zum 2. November jeweils von Dienstag bis Freitag zwischen 8 und 11, sowie zwischen 14 und 17 Uhr fahren, sonnabends nur von 8 bis 14 Uhr. Die dritte Testphase, in der auch die Altstadt angefahren wird – sie gilt wegen enger Gassen und starker Steigungen als große Herausforderung – schließt sich an.

TaBuLa soll auch 2020 fortgesetzt werden

Die Projektpartner und der Kreis Herzogtum Lauenburg wollen TaBuLa auch nach 2020 fortsetzen. TaBuLa-Log, die autonome Logistikvariante, soll nach Lauenburg kommen. Landrat Christoph Mager: „Es wäre ja nicht nachvollziehbar, wenn wir das Projekt auslaufen lassen würden. Langfristig muss das Ziel dieses Tests in Lauenburg der Übergang in den Realbetrieb sein. Dazu ist aber eine weitere Erprobung des Fahrzeuges und des Einsatzgebietes erforderlich.“
Der Kreis, die Stadt Lauenburg, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) und die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) wollen ­deshalb ihr Projekt fortführen.

Denn 2021 findet in Hamburg der Weltkongress der Intelligent Transport Systems (ITS) statt, der vom Bundeswirtschaftsministerium mitveranstaltet wird. Dafür werden zukunftsfähige lokale Projekte gesucht. Ziel der neuen Förderung soll es deshalb sein, das laufende Projekt inhaltlich weiter auszubauen. Mager: „Es sollen nicht nur Personen, sondern in Leerzeiten auch Waren transportiert werden.“ Denkbar wären seiner Einschätzung nach mittel- und langfristig autonome Transporte etwa von Lebensmitteln. TaBuLa-Log könnte direkt an TaBuLa anschließen und von Juli 2020 bis Dezember 2021 laufen.

Nötige Infrastruktur geschaffen

Die Technische Universität rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von 400.000 Euro. Die Hälfte könnte aus Fördermitteln bestritten werden, die andere Hälfte müsste der Kreis tragen. „Ich würde das sehr begrüßen, denn in Lauenburg ist die Resonanz auf den autonomen Bus schon jetzt durchaus positiv und wir haben hier die nötige Infrastruktur geschaffen, mit der wir das Projekt problemlos fortsetzen können“, sagt Bürgermeister Andreas Thiede.

Landrat Mager ist überzeugt, dass sich weitere Förderungen anschließen könnten. „Wir wollen den automatisierten, beziehungsweise später autonomen, Bus in die Fläche bringen. Wenn ich da an die Mobilfunkabdeckung denke, wäre das sicher auch etwas, womit man den 5 G-Standard testen könnte.“

Von Timo Jann