Birthe Klippe aus Bardowick mit ihren ersten beiden „Boomerang Bags“- einer großen und einer in Kindergröße. Die Taschen sollen in Geschäften kostenlos ausleihbar sein. (Foto: t&w)

Der Stoffbeutel kommt zurück

Bardowick. Mist, wieder den Einkaufsbeutel zuhause vergessen: Dieser Gedanke dürfte vielen Supermarkt-Einkäufern bekannt vorkommen. Und nicht wenige greifen dann – mit mehr oder weniger schlechtem Gewissen – zur Papier- oder Plastiktüte in der Auslage für ein paar Cent, um darin die frisch bezahlten Waren zu verstauen. In der Wohnung hingegen stapeln sich vorwurfsvoll die Stoffbeutel, einst aufgehoben mit dem Vorsatz, sie regelmäßig wiederzuverwenden. Aber leider unbrauchbar, wenn sie nicht zum Einsatz kommen.

Neue Taschen aus alten Stoffresten

Dieses Problem kennt auch Birthe Klippe aus Bardowick. Doch anstatt sich still darüber zu ärgern, wird sie aktiv. „Am Sonntag habe ich im Fernsehen einen Bericht über so genannte „Boomerang Bags“ gesehen“, berichtet die 50-Jährige. Das Prinzip: Aus alten Stoffresten werden neue Taschen genäht, die bei Einzelhändlern kostenlos ausgeliehen werden können. Und dort eben auch zurückgebracht werden können – wie ein Bumerang. „Die Idee hat mich überzeugt.“ Seitdem arbeitet sie dafür, dass diese Beutel auch in der Region zum Einsatz kommen.

Das Konzept stammt ursprünglich aus Australien, von dort stammen auch die einheitlichen Logos und Schnittmuster. Birthe Klippe will die Taschen in zwei Größen anbieten, einer normalen und einer kleinen, für Kinder. Damit sollen sie früh an einen nachhaltigen Umgang mit Taschen und Tüten gewöhnt werden. Denn fast noch wichtiger als der praktische Nutzen ist Klippe der Umweltgedanke dahinter. „Das ganze Plastik überall nervt mich wirklich“, sagt sie. Und getreu ihrem Motto „Sei ein Teil der Lösung“ will sie mit den „Boomerang Bags“ einen Beitrag gegen die Plastik- und Papiertüten-Flut leisten.

In einigen Orten in Deutschland haben sich die „Boomerang Bags“ schnell etabliert – im Krefelder Stadtteil Hüls etwa ist das Projekt erst einen Monat alt, mittlerweile bieten dort schon 30 Geschäfte die Leihbeutel an. In Norddeutschland gab es sie bisher noch nicht, doch das wird Klippe jetzt ändern. Und obwohl sie erst seit Sonntag mit der Idee unterwegs ist, ist die Resonanz durchweg positiv. „Zum Beispiel hat Kaufland Interesse an den Taschen“, berichtet sie, und auch das Stoffgeschäft „Allerhand“ in Barendorf will „Boomerang Bags“ ausgeben. Mit anderen Geschäften sei sie schon im Gespräch.

Genäht wird ehrenamtlich

Gerne gestellt werde die Frage nach dem hygienischen Aspekt. „Vor der Rückgabe sollten sie bestenfalls gewaschen werden“, stellt Klippe klar. Die teilnehmenden Geschäfte sollten auch darauf ein Auge haben, keine verdreckten Taschen wieder auszugeben.

Am Freitag trifft sich Klippe mit drei Bekannten, um die Taschen zu nähen – ehrenamtlich. „Dafür habe ich schon viele Stoffspenden erhalten.“ Das Ziel ist, 20 Taschen an dem Tag herzustellen.

Doch natürlich sollen es später viel, viel mehr werden. Und dafür braucht Birthe Klippe Unterstützer: „Ich suche ein paar Personen, die Lust haben in netter Runde die Taschen zu nähen.“ Wer Interesse hat, kann sich unter boomerangbags.lueneburg@web.de melden, auch bei Facebook, Instagram und über boomerangbagslueneburg.blogspot.com ist das Projekt zu erreichen.

Von Robin Williamson