Freitag , 25. September 2020
Die Hälfte der Grundwasserentnahme entfällt auf die Feldberegnung. Grafik: Kleinebrahm

Wasserverbrauch zu hoch

Lüneburg. Der Appell von Stefan Bartscht ist so deutlich, wie ernst: „Es kann nicht sein, dass in einem Sommer wie 2018 noch irgendjemand Ende August einen grünen Rasen hat.“ Alle stehen in der Pflicht, beim Wasserverbrauch zu sparen, meint der Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg. „Wir alle müssen sorg- und sparsam mit unserem Grundwasser umgehen. Wer mit dem Finger auf den anderen zeigt, sollte seine eigene Verantwortung prüfen.“

So stünden Unternehmen, aber auch jeder Privathaushalt gleichermaßen in der Pflicht. „Wenn es – wie auch in diesem Sommer – wochenlang nicht regnet, sollte sich jeder fragen, ob der Rasen tatsächlich gewässert und der Swimmingpool gefüllt werden muss“, betont Stefan Bartscht.

25 bis 30 Fälle

Hintergrund für seine mahnenden Worte ist die Grundwasserbilanz 2018 für den Landkreis Lüneburg, die bei der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Lüneburger Kreistages von der Verwaltung vorgestellt wurde. Demnach wurden aufgrund der Hitze und Dürre im vergangenen Jahr deutlich größere Mengen aus dem Grundwasser entnommen als in den Vorjahren. Mehr als 43 Millionen Kubikmeter des wertvollen Wassers wurden gefördert, genehmigt waren jedoch nur 39,1 Millionen.

Aus der Bilanz geht hervor, dass der größte Anteil auf die Feldberegnung in der Landwirtschaft entfällt. „Die überwiegende Mehrheit der Landwirte hat sich an die Vorgaben gehalten. Die anderen müssen nun mit einem Bußgeld rechnen“, erklärt Stefan Bartscht. Er sagt, hierbei handele es sich um 25 bis 30 Fälle. „Bei mehreren 100 Bauern, die ihre Felder beregnen, sind das nur sehr wenige schwarze Schafe, die ihr Kontingent überzogen haben“, ordnet er die vorliegenden Zahlen ein.

Auch wenn nicht die gesamte Landwirtschaft über das Ziel hinausgeschossen sei, müsse das bisherige System, nachdem die Mengen für die Feldberegnung festgelegt werden, auf den Prüfstand, meint Bartscht.

Unrealistische Zahlen statt konkreter Messwerte

Die Entnahme des Grundwassers wird durch die Untere Wasserbehörde des Landkreises Lüneburg geregelt. Sie ermittelt mit Hilfe von Gutachtern, wie viel Kubikmeter in den einzelnen Kategorien Feldberegnung, Trinkwasser, Kühlung und Brauchwasser (etwa für die Tierhaltung) entnommen werden dürfen.

Kritik an der Bestandsermittlung übt die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Bei der Vorstellung des Grundwasserberichtes aus dem Trockenjahr 2018 sei klar geworden, dass die Verwaltung die Grundwasserbestände mit unrealistischen Zahlen des Landes abschätzt, konkrete Messwerte aber keinen Eingang in die Bestandsermittlung finden, moniert Michael Gaus, grüner Kreistagsabgeordneter und Vorsitzender des Umweltausschusses in einer Pressemitteilung.

„In den vergangenen vier Jahren ist viel passiert“

Trotz der Trockenheit sei sehr viel Grundwasser entnommen worden, es gebe aber noch eine nutzbare Grundwasserreserve von acht Millionen Kubikmeter, zitiert er den Bericht der Verwaltung während der Sitzung. „Dieselben Werte der Reserve gab es auch im feuchten Jahr 2017 und dem durchschnittlichen Jahr 2015. Die Verwaltung musste daraufhin zugeben, dass jedes Jahr die gleichen Werte angesetzt werden, egal wie viel Wasser entnommen wird“, so Gaus.

Dies sei ein Offenbarungseid für die Grundwasserwirtschaft, nicht nur im Landkreis Lüneburg, sondern landesweit, kritisiert die grüne Fraktionssprecherin Petra Kruse Runge in der gleichen Pressemitteilung: „Grundlage für dies Vorgehen ist ein Erlass des Landtages aus 2015. In den vergangenen vier Jahren ist aber viel passiert“, erklärt sie.

Die Bewirtschaftung erfolgt in Grundwasserkörpern, die vom Land festgelegt wurden. Für diese ermittelt der Gewässerkundliche Landesdienst das sogenannte nutzbare Grundwasserdargebot, die Menge, die aus dem Grundwasserkörper grundsätzlich schadlos entnommen werden kann. Die nutzbare Dargebotsreserve wird vom Land regelmäßig neu festgelegt.

Historisch tiefe Pegelstände beim Grundwasser

Auch Stefan Bartscht meint, die Auswirkungen der Trockenheit seien bereits messbar. „Das Land muss die Auswirkungen für die Zukunft prüfen.“ So habe der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) etwa in der nutzbaren Dargebotsmenge für Grundwasser festgestellt, dass die beiden vergangenen Jahre sich mit historisch tiefen Pegelständen beim Grundwasser bemerkbar machen, sagt Bartscht. „Ein erkennbarer Hinweis darauf ist die extreme Austrocknung von Oberflächengewässern.“

Von Stefan Bohlmann