Sonntag , 20. September 2020
Claudia Schmutzler flirtet in ihrer Rolle als Astrid Richter mit einem deutlich jüngeren Mann. Ganz fremd ist ihr das nicht, im echten Leben ist die 53-Jährige mit dem 18 Jahre jüngeren Schauspieler Sönke Schnitzer liiert. Foto: Michael Behns

„Meine Tochter ist viel begabter“

Lüneburg. Das Arbeitspensum ließ bislang kaum Zeit, um Lüneburg kennenzulernen. „Ich war bisher zweimal kurz in der Stadt“, sagt Claudia Schmutzler. „Zuletzt habe ich Ausschau nach Weihnachtsgeschenken gehalten. Weil ich ein sehr organisierter Mensch bin, machen ich das immer rechtzeitig.“ Das Passende aber sei noch nicht dabei gewesen. „Ich war zu müde, hatte den Kopf nicht frei.“ Viel wichtiger ist ja auch, dass sie beruflich das Passende gefunden hat: Die Schauspielerin ist die neue Hauptdarstellerin der Roten Rosen. Sie ist das prägende Gesicht der neuen Staffel in der Lüneburger TV-Serie, die vom 28. Oktober an im Ersten ausgestrahlt wird.

Für viele Rollen zu alt, aber für die Oma noch zu jung

Seit fünf Wochen dreht die gebürtige Dresdnerin inzwischen in Lüneburg. Sie schwärmt von einem „sehr netten Team, dieser Ruf eilt den Rosen also zurecht voraus“. Claudia Schmutzler ist ein bekanntes TV-Gesicht, hat seit annähernd 30 Jahren immer gut zu tun, hatte unter anderem Hauptrollen in den Dauerbrennern „Für alle Fälle Stefanie“ und SOKO Wismar. Die 200 Folgen bei den Rosen seien für sie dennoch ein echter Segen. Denn tragende Fernsehrollen seien für Frauen mittleren Alters rar gesät. „Zwischen 46 und 60 gelten Frauen als Neutrum“, sagt die 53-Jährige. „Oder was glauben Sie, warum ich nicht mehr bei SOKO zu sehen bin? Für viele Rollen bin ich zu alt, und für die Oma noch zu jung.“

Wer die quirlige, 1,58 Meter große Schauspielerin erlebt, hat zumindest keinen Zweifel daran, dass es ihr an Energie mangeln könnte. Voller Elan sprudelt es im Gespräch aus ihr heraus, um einen lockeren Spruch ist sie nie verlegen und auch wenn ihr etwas nicht passt, nimmt sie kein Blatt vor den Mund. „Ich bin von Grund auf ein positiver Mensch, komme eigentlich immer mit einem Lächeln zur Arbeit.“

Charley Ann gewann bei „The Voice of Germany“

Und das trotz des enormen Pensums. Um 8.30 Uhr beginnt der Dreh in den Studios, davor muss sie in die Maske, bis 18.30 Uhr ist der Tag streng durchgetaktet. „Wenn ich um 19 Uhr zu Hause bin, gönne ich mir zweieinhalb Stunden. Essen, dann ein bisschen runterkommen. Danach lerne ich den Text für den nächsten Tag, meist ab 21.30 Uhr bestimmt zwei Stunden. Wenn ich den dann nicht mehr reinbekomme, stehe ich morgens um 5.30 Uhr auf.“

Auch wenn da nicht viel Freizeit bleibt, bereite ihr der Job nach wie vor große Freude. „Ich liebe meinen Beruf.“ Und die Leidenschaft hat abgefärbt, ihre Tochter Charley Ann ist ebenfalls Schauspielerin, bei SOKO Wismar spielten sie auch schon Seite an Seite: „Sie war von klein auf immer mit mir am Set. Heute ist sie viel begabter als ich“, lobt die Mutter. „Sie hat eine gute Ausbildung genossen, hin und wieder coache ich sie auch.“ Nicht das einzige Talent der 26-Jährigen, die als Sängerin eine Staffel von „The Voice of Germany“ gewonnen hat und die es mit ihrem Hit „Blue Heart“ bis auf Platz 3 der deutschen Charts schaffte.

Das Familienleben beschränkt sich nun aber vorerst aufs Telefonieren und auf die Wochenenden. So wie am vergangenen Wochenende, als sie nach Berlin fuhr, um ihrem Sohn beim Fußball zuzuschauen. „Er spielt bei Viktoria, und ich versuche, so oft wie möglich bei den Spielen dabei zu sein. Wenn man nicht so viel Zeit zusammen hat, genießt man jede gemeinsame Minute umso mehr.“

Eigene Erfahrungen hilfreich für die Rolle

Die nächsten Monate aber wird Claudia Schmutzler bei den Rosen zu Astrid Richter. Die lernt durch einen Unfall den fast 20 Jahre jüngeren Alexander kennen, beide mögen sich auf Anhieb, aus dem Flirt könnte schnell mehr werden. Doch kann das wirklich gutgehen angesichts des Altersunterschiedes?

Die Rolle scheint Claudia Schmutzler fast auf den Leib geschrieben zu sein. Denn im echten Leben hat sie auch einen deutlich jüngeren Mann an ihrer Seite, seit drei Jahren ist sie mit dem 18 Jahre jüngeren Schauspieler Sönke Schnitzer („SOKO Potsdam“) liiert. „Es ist schon hilfreich, wenn man das aus eigener Erfahrung kennt und sich gut in die jeweilige Situation hineinversetzen kann“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Von Alexander Hempelmann