Studentin Mona Feller hofft, mit zivilem Ungehorsam etwas bewirken zu können. Foto: phs

Die geplante Blockade

Lüneburg. Eigentlich freut sich Mona Feller auf diese Woche. Nur vor der Kälte hat sie ein bisschen Angst. Denn die 20-Jährige ist eine von schätzungswei se 6000 Personen, die eine Woche lang Tag und Nacht die Straßen Berlins blockieren werden, um gegen das Artensterben zu demonstrieren. „Die vergangenen 30 Jahre haben gezeigt, dass ziviler Ungehorsam die beste Methode ist, um etwas zu bewirken“, sagt die Lüneburgerin: „Weil man damit wirklich stört.“

Feller studiert im dritten Semester Umweltwissenschaften an der Leuphana. Seit Anfang Juni engagiert sie sich in dem Lüneburger Ortsverein von „Extinction Rebellion“ (XR), eine internationale Organisation, die sich für Klimaschutz und gegen das Artensterben einsetzt. 30 Frauen und Männer sind aus Lüneburg mit dem Zug oder per Bus nach Berlin gefahren. Durch die Aktion wollen sie die Politiker zum Handeln zwingen und drei Forderungen durchsetzen: „Wir wollen, dass die Wahrheit über unsere ökologische Krise gesagt wird, dass die Regierung sofort handelt, um das Artensterben zu stoppen und dass eine Bürgerversammlung einberufen wird“, erklärt Feller. Wann und wo die Blockaden genau starten, sei noch nicht öffentlich, damit das Überraschungsmoment nicht verloren gehe, verdeutlicht die gebürtige Hannoveranerin.

„Wir haben Deeskalationsteams vor Ort"

Die Studentin weiß, dass es viele Kritiker gibt und einige Menschen in Berlin genervt reagieren werden. „Wir wollen uns bei den Betroffenen entschuldigen“, sagt sie. Sie hätten nicht die Absicht, einzelne zu belehren und beim Autofahren zu behindern. Jedoch sei die Blockade aus Sicht der Aktivisten der einzige effektive Weg, um Aufmerksamkeit zu erlangen. „Über so lange Zeit die Stadt zu blockieren, kann zu einem großen wirtschaftlichen Schaden führen, der irgendwann nicht mehr ignoriert werden kann“, erläutert sie. Wichtig sei den Initiatoren auch, dass die Blockaden ausschließlich gewaltfrei verlaufen. „Wir haben Deeskalationsteams vor Ort, falls es durch Außenstehende doch zu Gewalt kommen sollte“, sagt Feller. XR will die Motivation und die Stimmung in der Woche durch Auftritte von Sängern und Tänzern hochhalten. Auch Teppiche, Sofas und Topfpflanzen kommen mit auf die Straße: „Jeder soll sich wohlfühlen, wir wollen keine ernste, schwarze Masse sein.“

"Wir wollen es wenigstens versuchen“

Das Engagement für Umweltthemen beschäftigt sie schon lange. Seit Mona Feller acht Jahre alt ist, engagiert sie sich beim WWF, Greenpeace und später bei der Bewegung „Ende Gelände“. Sie setze sich nie ins Auto, sondern steige immer auf das Fahrrad oder nehme Bus und Bahn. Außerdem ernährt sie sich vegan und versucht nach eigener Aussage, so wenig wie möglich zu konsumieren. „Mir ist klar, dass keine Einzelperson perfekt sein kann“, sagt die Studentin und fügt hinzu: „Da mein Freund in Griechenland lebt, steige auch ich manchmal in ein Flugzeug und esse in Griechenland auch nicht-vegane Dinge.“ Für sie sei es aber wichtig, dass jeder in dem Maße, in dem es ihm möglich ist, auf die Umwelt achtet. „Aber das allein reicht nicht“, erklärt sie. Deshalb würde sie sich wünschen, dass sich mehr Menschen politisch engagieren. „Ich weiß nicht, ob wir in Berlin etwas bewirken werden, aber wir wollen es wenigstens versuchen“, sagt Feller: „Ich will zukünftigen Generationen noch in die Augen schauen können.“

Von Lilly von Consbruch