Dienstag , 11. August 2020
Tausende kamen zum traditionellen Brückenfest nach Darchau. Das freute auch die Organisatoren, die einen großen Satz über die Eingangsbrücke machten. (Foto: t&w)

Der Traum von der Brücke lebt weiter

Darchau. Als am Mittwoch Regenschauer auf den Festplatz niedergingen und der Sturm ein Sonnensegel zerfetzte, schwante den Organisatoren des 8. Brückenfestes am Fähranleger Darchau noch Böses. Zu Unrecht: Bis auf wenige Tropfen blieb es am Donnerstag trocken, zeitweise kam sogar die Sonne durch, und so strömten am Tag der Deutschen Einheit wieder viele Tausend Menschen von beiden Seiten der Elbe zum Feiern.

Die Gemeinde Amt Neuhaus und der Verein Tourismus und Wirtschaft sind Veranstalter des Brückenfestes, ein Team von Ehrenamtlichen war schon seit Monaten mit den Vorbereitungen beschäftigt. Einer aus diesem Team ist Marko Puls aus Zeetze, seit dem vergangenen Herbst auch 1. Vorsitzender des Fördervereins Brückenbauen. „Wenn ich nicht glauben würde, dass die Brücke irgendwann kommt, wäre ich nicht Vorsitzender des Vereins“, sagt er.

Aufhebung der Deckelung nährt Hoffnung

2015 hatte der Kreistag des Landkreises Lüneburg entschieden, die Planungen für die Elbbrücke aus Kostengründen einzustellen – im vergangenen Jahr drehte sich der Wind: Im September beschloss der Kreistag, das Planfeststellungsverfahren wieder aufzunehmen, dies vor allem, weil das Land Niedersachsen die ursprüngliche Deckelung der Kostenübernahme aufgehoben hatte.

„Für beide Seiten der Elbe ist es wichtig, dass die Brücke kommt.“ – Andreas Gehrke , zukünftiger Bürgermeister Amt Neuhaus

Den Befürwortern der Brücke macht das neuen Mut, etwa Andreas Gehrke, der im Mai als Nachfolger von Grit Richter zum Bürgermeister der Gemeinde Amt Neuhaus gewählt wurde und sein Amt am 1. November antritt. „Für beide Seiten der Elbe ist es wichtig, dass die Brücke kommt“, sagt er und kündigt an, künftig als Gemeinde engeren Kontakt zum Landkreis zu halten, um das Projekt voranzubringen.

Seit einigen Jahren gelangen die Besucher des Brückenfestes über zwei selbstgebaute Brücken aus Brettern und Schläuchen auf das Festgelände. Mitglieder des Organisationsteams empfangen sie dort, freuen sich über Spenden. Eine von ihnen war Marianne Brusch. Wie wichtig eine feste Elbquerung für die Region ist, betont sie, die mit ihrer Familie in Stapel ein Ofenbauunternehmen betreibt. 5000 bis 10 000 Euro pro Jahr zahle man für Fährkosten, immer wieder gebe es Verzögerungen an der Fähre. „Ein unhaltbarer Zustand.“

Hirschburger und Wildsoljanka

Informationen zum Thema Elbbrücke gab es am Donnerstag, dazu Musik und Tanz, Kletterwand, Karussell, Lichtpunktschießen, bei den Oldtimer- und Lanz Bulldogfreunden Kaarßen konnte man eine Kartoffelsortiermaschine ausprobieren. Pizza und Nudelpfanne, aber auch Hirschburger, Wildsoljanka, Lammbratwurst und mehr standen auf dem Speisezettel des Brückenfests. Kaffee und Kuchen für einen Euro verkaufte die 10. Klasse der Grund- und Oberschule Neuhaus. Klassensprecherin Josephine Schult: „Der Erlös fließt in unser Abschlussfest.“

Für die deftige Erbsensuppe sorgte wieder die Ortsfeuerwehr Neuhaus. Am Sonnabend hatten die Brandschützer Kartoffeln und Gemüse geschält und geschnippelt, Donnerstag früh um sieben Uhr wurde die Gulaschkanone angeworfen, innerhalb von drei Stunden hatten Horst Benesch, Heike Gersten, Stefan Bliesch, Sabine Otto, Jana Benesch und Sebastian Pockrandt 160 Liter Suppe und 250 Würstchen abgesetzt – ausverkauft.

Mecklenburgische Volkstänze

Auch das abwechslungsreiche Bühnenprogramm sorgte für gute Laune an der Elbe – mit dabei unter anderem die „Teldauer Danzwiewer“, in mecklenburgischen Bauerntrachten und mit mecklenburgischen Volkstänzen. „Die Kleider sind aus handgewebten Stoffen, die Schultertücher und Hauben sind handbestickt“, berichtet Leiterin Rosemarie Pamperin.

Zum letzten Mal als Bürgermeisterin war Grit Richter beim Brückenfest, sie hatte die Wahl im Mai gegen Andreas Gehrke verloren. „Ein voller Erfolg. Man sieht nur fröhliche Gesichter.“ Ob sie denn glaube, dass die Elbbrücke irgendwann kommt? „Ich gebe die Hoffnung nicht auf“, sagt sie. Und nach einer Pause: „Sie kommt.“

Von Ingo Petersen