Einzelhandel
Vor allem im Einzelhandel herrscht nach wie vor Katerstimmung. (Foto: phs)

IHK-Konjunkturbericht: Regionale Wirtschaft hat es schwer

"Die regionale Wirtschaft hat nun schon seit mehr als einem Jahr mit den Pandemie-Folgen zu kämpfen und braucht dringend eine Perspektive", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Vor allem im Einzelhandel herrscht nach wie vor Katerstimmung.  Für die Konjunkturumfrage Nordostniedersachsen haben im März und April 215 Betriebe aus den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Celle ihre aktuelle und künftige Wirtschaftslage eingeschätzt. 

Lüneburg. Die Unternehmen in der Region kämpfen sich mühsam aus dem Corona-Tal heraus. Das zeigt der Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg für das erste Quartal 2021. Zwar legte der Konjunkturklimaindikator seit Jahresbeginn um elf Punkte zu und erreicht jetzt 93 Punkte. Doch damit liegt der aktuelle Wert immer noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 106 Punkten im vierten Quartal 2019.

Impulse aus dem Export

„Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, wie schwer die regionale Wirtschaft nun schon seit mehr als einem Jahr mit den Pandemie-Folgen zu kämpfen hat“, wird IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert in einer Pressemitteilung zitiert. Die dritte Pandemie-Welle, die für viele Branchen anhaltend geltenden Betätigungsverbote und der mangelnde Impffortschritt sorgten dafür, dass der konjunkturelle Erholungsprozess nur langsam voranschreitet, analysiert Zeinert: „Die regionale Wirtschaft braucht dringend eine Perspektive. Umso wertvoller wäre jetzt die Möglichkeit, Modellprojekte wie in Lüneburg zu realisieren, damit wir Erfahrungen für einen anderen Umgang mit der Pandemie sammeln können.“ Die dabei gewonnenen Erkenntnisse könnten seiner Meinung nach zur Grundlage für dringend notwendige Öffnungsperspektiven für alle Branchen werden.

Branchenübergreifend bleibe die Sorge vor einem langwierigen Pandemieverlauf mit all seinen wirtschaftlichen Begleiterscheinungen. So ist zum Beispiel die Furcht vor Forderungsausfällen infolge zunehmender Insolvenzrisiken weit verbreitet. Aktuell bezeichnet jeder vierte befragte Betrieb seine Geschäftslage als gut. 27 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Situation hingegen als schlecht.

Zum Besseren gewendet haben sich die Geschäfte vor allem für die Industrie, die von den Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung zumeist nicht grundlegend betroffen ist und Impulse aus dem Export erhält. Zwei Drittel der Industriebetriebe berichten von höheren oder zumindest gleichbleibenden Auftragseingängen.

IHK fordert für Unternehmen mehr Unterstützung

Weniger zufrieden sind dagegen die Dienstleistungsbetriebe. Und nach wie vor besorgniserregend sei die Lage für weite Teile des Einzelhandels, der durch den anhaltenden Lockdown seinen Geschäften nun auch im Frühjahr nur eingeschränkt nachgehen kann. Auch mit Blick auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten herrscht im Einzelhandel tiefgreifender Pessimismus. Von den befragten Geschäftsleuten rechnen 41 Prozent damit, dass es auch in den kommenden zwölf Monaten weiter bergab gehen wird – und bereits aktuell bezeichnet die Hälfte der befragten Branchenvertreter die Geschäftslage als schlecht.

„Klar ist: Die Unternehmen brauchen Unterstützung – und zwar nicht nur kurzfristig durch Förderprogramme, sondern auch langfristig durch zukunftsfähige Standortbedingungen. Dazu gehören eine bessere Erreichbarkeit durch die Realisierung zentraler Verkehrsinfrastrukturprojekte, flächendeckende Gigabitanbindungen, ein Stopp der immer weiter steigenden Gewerbesteuern und ein spürbarer Bürokratieabbau“, fordert Zeinert. „Für uns als IHK ist es nicht nachvollziehbar, warum Unternehmen in dieser Zeit der Krise mit zusätzlichen Melde- und Berichtspflichten, wie beispielsweise durch das geplante Lieferkettengesetz, belastet werden.“

Für die Konjunkturumfrage Nordostniedersachsen haben im März und April 215 Betriebe aus den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Celle ihre aktuelle und künftige Wirtschaftslage eingeschätzt. lz

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