Dienstag , 20. Oktober 2020
Biber und andere Tiere der Elbtalaue sind in dem Stamm der Kastanie verewigt. (Foto: Constanze Schweinsberg)

Baum gestorben, Idee geboren

Bleckede. Als die alte Kastanie vor dem Albert-Schweitzer-Familienzentrum an der Lüneburger Straße im Frühjahr aufgrund eines Pilzbefalls gefällt werden musste, war die Trauer um den lieb gewonnenen grünen Hünen in Bleckede erst einmal groß. Doch was, wenn der rund vier Meter hohe Stumpf noch ein paar Jahre als Kunstwerk weiterleben könnte, fragten sich die Mitarbeiter – und suchten Rat bei Kettensägenkünstler Dirk Wulf. Ein Baum war gestorben, aber eine Idee geboren.

Kastanie
Kettensägenkünstler Dirk Wulf verewigt Tiere aus der Elbtalaue im Stamm einer alten Kastanie. (Foto: Constanze Schweinsberg)

Denn inzwischen haben am Fuße des Baumes zahlreiche heimische Tierarten der Bleckeder Elbtalaue ihren Platz gefunden – in die Rinde geschnitzt von Dirk Wulf. Auf der einen Seite werden Stör, Hecht und Aal von Seeadler und Kormoran beobachtet, auf der anderen gesellen sich Eule und Wildgans zu einem neckisch grinsenden Biber. Wulf hatte sich für das Projekt im Internet schlau gelesen – und dabei mitunter nicht schlecht gestaunt, welche Tiere in der Bleckeder Region ihren Lebensraum haben. Er selbst lebt in Barskamp.

Jetzt fährt der 45-Jährige fast täglich an seinem Kunstwerk vorbei, überlegt bereits, wie er den oberen Teil des Baumstumpfes gestalten könnte. Denn im nächsten Frühjahr soll der hölzerne Zoo weiteren Zuwachs bekommen. Wulf ist zuversichtlich, dass die Tierfamilie in der Kastanie die nächsten 20 bis 25 Jahre überdauern wird. Annette Leefen vom Sozialraumteam des Familienzentrums freut sich über das Kunstwerk vor dem Gebäude – auch, weil damit ein Wunsch der pädagogischen Kindergruppe berücksichtigt wird. „Sie wollten einen Totempfahl“, lacht sie. Was jetzt entstanden ist, ist diesem ähnlich – nur eben mit regionalem Charme. ape