Die Feuerwehr befreit eine Frau, die über gesundheitliche Probleme klagte, aus dem Turm von St. Johannis. (Foto: Ca)

Großeinsatz an St. Johannis

Lüneburg. Dramatische Rettung am Sonnabendnachmittag gegen 13.30 Uhr an St. Johannis: Bei einer Kirchturmführung bekam eine 73-Jährige Kreislaufprobleme. Den Rückweg über die enge Wendeltreppe hätte die Frau nicht geschafft. "Jemand aus der Gruppe setze dann die Notfallkette in Gang", berichtet Küster Hartmut Sost. Das bedeutete einen herausfordernden Einsatz für die Feuerwehr. Brandmeister vom Dienst Christian Sachse sagte: "Über die Treppe bekommen wir die Patientin nicht herunter, da passt keine Trage durch – zu schmal und gedreht." Sachse, der mit rund 40 Kollegen sowie dem Rettungsdienst vor Ort war, schaffte es, die Frau aus dem höher gelegenen Glockenstuhl quasi eine Etage tiefer zu bringen: "Wir haben sie gestützt."

Diese Meter waren entscheidend, denn der Hubmast kann unter idealen Bedingungen maximal auf 40 Meter Höhe ausgefahren werden. Die Helfer rangierten den Mast eng an den Kirchturm. Maschinist Karsten Kozian fuhr den Teleskoparm mit Fingerspitzengefühl eng an der Mauer in die Höhe – und wieder runter: Die Feuerwehr schätzte die Lage als zu riskant ein, dass die Frau eigenständig aus einem der großen Fenster in den Korb steigen könnte. Also retour und mit einer Trage erneut in die Höhe.

Die Mannschaften arbeiteten vor großem Publikum: Hunderte Schaulustige guckten zu, wie Feuerwehr und Rettungsdienst vorgingen. Feuerwehrsprecher Daniel Roemer erklärt, wo die Probleme lagen: "Die Kameraden mussten mit ihrer Ausrüstung die schulterbreite Wendeltreppe nach oben laufen. Das sind schon etliche Kilo. Und auch das Ausrichten des Hubmastes auf dem engen, mit Bäumen bestandenen Vorplatz der Kirche ist nicht einfach."

Nach mehr als einer Stunde hatten es die Männer und Frauen geschafft, die Rentnerin war wohlbehalten unten angekommen. Dort übernahmen Holger Pilch und seine Kollegen vom Rettungsdienst die Patientin und brachten sie ins Klinikum.
Küster Sost war am Ende froh: "Das hatten wir noch nie, dass wir jemanden da runterholen mussten." Gemeinsam mit der Feuerwehr wolle man nun schauen, was man verbessern könne und zudem den Ernstfall proben.

Von Carlo Eggeling