Nur wenige Veranstaltungen der Leuphana können vor Ort stattfinden. Normaler Lehrbetrieb ist vorerst nicht möglich. (Foto: A/jj)

Uni will Millionenlücke bei Libeskind-Bau schließen

Lüneburg. Etwas mehr als 109 Millionen Euro hat der Bau des Zentralgebäudes gekostet. Die Summe hat jetzt auch die Leuphana Universität auf LZ-Nachfrage bestätigt – und, sicher zur Überraschung vieler, mitgeteilt, dass sie die Finanzierungslücke selbst schließen wird. Pressesprecher Henning Zühlsdorff sagt, dass die Uni eine Vorsteuerabzugsberechtigung in Anspruch nehmen wird, deshalb letztlich „voraussichtlich rund 103 Millionen Euro“ finanzieren muss. Die Kostensteigerungen in den vergangenen Jahren seien unter anderem auf den allgemeinen Anstieg der Baukosten, höhere Nebenkosten und die Verlängerung der Bauzeit zurückzuzuführen.

„Die endgültigen Baukosten werden voraussichtlich bei 109,3 Millionen Euro liegen.“ – Henning Zühlsdorff, Leuphana-Sprecher

Wie berichtet, war der Libeskind-Bau Mittwoch im Haushaltsausschuss des Landtags Thema. Da hatte der Landesrechnungshof Erkenntnisse seiner jüngsten Prüfungen präsentiert, aus einem Schreiben ging die 109-Millionen-Summe hervor. Diese soll die Leuphana der Behörde bereits im Juli prophezeit haben. Wollte sich die Uni am Tag vor der Sitzung nicht öffentlich äußern, teilt sie jetzt mit, dass die Abrechnungen für das Zentralgebäude intern überprüft und bearbeitet worden seien und jetzt feststünde, „dass die endgültigen Baukosten voraussichtlich bei 109,3 Millionen Euro liegen werden“.

Gestartet bei 57,7 Millionen

Ein Blick zurück: Gestartet bei 57,7 Millionen, genehmigte das Land im Jahr 2014 höhere Kosten. Aus 72,3 Millionen wurden zwei Jahre später dann 87,2 Millionen Euro. Bei beiden Steigerungen musste die Leuphana eine Nachtragsplanung ausarbeiten, die ist immer dann nötig, wenn die zuletzt genehmigten Kosten um 15 Prozent überschritten werden. Obwohl die Uni selbst im Dezember 2016 schon von 92,5 Millionen Euro gesprochen, zudem angekündigt hatte, dass die Endabrechnung mit Blick auf letzte Risiken die 100-Millionen-Marke knapp übersteigen wird, befindet sich eine dritte Nachtragsplanung erst jetzt in Abstimmung zwischen Uni und Wissenschaftsministerium.

Landesrechnungshof sieht haushaltsrechtlichen Verstoß

Dass diese dem Landtag in einigen Wochen vorgelegt werden soll, war jetzt von Sprecherin Katharina Graef zu erfahren. Sie erinnerte auch daran, dass das Ministerium den Landtag im Zuge des zweiten Nachtrags im Jahr 2016 über die seitens der Projektsteuerung erwarteten Gesamtkosten – zu diesem Zeitpunkt 103,5 Millionen Euro – informiert habe.

Dass der Nachtrag erst jetzt kommt und der Landtag seit knapp drei Jahren nicht mehr offiziell über Kostensteigerungen unterrichtet wurde, sieht der Landesrechnungshof als klaren, haushaltsrechtlichen Verstoß an. Ein Bericht soll folgen. Das war jetzt von Mitgliedern des Haushaltsausschusses zu erfahren. Ebenso, dass das Ministerium in der jüngsten Sitzung Selbstkritik geübt und den Verstoß im Grundsatz eingeräumt haben soll.

Rücklagen aus Investitionshaushalt

Bleibt noch die Frage, wie die Leuphana plant, 16 Millionen Euro aufzutreiben. Das ist die Differenz zwischen den 87 Millionen, die gesichert waren, und den 103 Millionen, die der Uni-Sprecher genannt hat. Er sagt: „Einerseits macht dies die Bildung von Rücklagen aus ihrem Investitionshaushalt möglich, mit der bereits in den letzten Jahren vorsorglich begonnen wurde. Andererseits hat sich die Einnahmeerwartung aus der Verwertung der Liegenschaften Volgershall und Rotenbleicher Weg gegenüber den ursprünglichen Planungen um einen zweistelligen Millionenbetrag erhöht.“ Entsprechende Unterlagen stimme man derzeit mit der Landesverwaltung ab.

Von Anna Paarmann