Dienstag , 29. September 2020
Einen Porsche Cayenne - ähnlich diesem - wollte Volker H. kaufen. Er bezahlte, bekam das Fahrzeug aber nie. (Foto: Adobe Stock)

Händler lässt Auto-Träume platzen

Lüneburg. Für Volker H. war es ein Traum: ein gebrauchter Porsche Cayenne für 38 000 Euro. Im Mai 2017 bezahlte er das Fahrzeug bei einem Lüneburger Autohändler. Nur mitnehmen konnte er den Wagen nicht: „Da war was mit den Papieren.“ Es war immer wieder was mit den Papieren. H. reichte es: „Ich wollte mein Geld zurück.“ Doch der Händler gab ihm zwei Monate später lediglich 11 000 Euro. Danach bekam er ab und an ein paar Mal Raten, jeweils einige Hunderter. Heute gehört der Mann aus Mecklenburg zu einem ganzen Schwung geprellter Kunden. Das Amtsgericht verhandelt inzwischen gegen den im Hafen ansässigen Unternehmer.

Laut Gerichtssprecher Bernd Gütschow legt die Staatsanwaltschaft dem 38-Jährigen gewerbsmäßigen Betrug in 18 Fällen zur Last: „Der Schaden soll bei 217 000 Euro liegen.“ Die Vorwürfe ähneln sich: Der Angeklagte habe entweder Autos verkauft, die er gar nicht besaß oder solche, die „mangelhaft waren“. So gibt es Zweifel daran, ob die auf dem Tacho angegebene Kilometerleistung den tatsächlich gefahrenen Kilometern entsprach.

Polizei hatte Händler schon länger im Fokus

Volker H. wundert sich, dass nicht auch gegen die Frau des Angeklagten ermittelt wird. Denn unter seinem Kaufvertrag stand deren Unterschrift. Die Erklärung liefert ein Schreiben der Staatsanwaltschaft vom April 2019. Es nimmt Bezug auf Insolvenzverfahren, die das Autohaus betreffen. Der Verwalter habe festgestellt, „dass die Beschuldigte keinerlei Kenntnisse über den Geschäftsbetrieb hatte.“ Diesen habe faktisch der Ehemann geführt. Kurz: Strafrechtlich sei gegen die Frau kein Blumentopf zu gewinnen.

Der Lüneburger Rechtsanwalt Thomas Becker ist vom Amtsgericht als Insolvenzverwalter in dieser Sache eingesetzt worden. Zum zweiten Mal. Zunächst sei das Geschäft unter dem Namen der Frau als Werkstatt und Autohandel geführt worden. Es sei im Frühjahr 2018 zur Insolvenz gekommen. Danach führte der Ehemann den Betrieb fort, Anfang 2019 folgte die zweite Pleite. Becker sagt, dass Fahrzeuge, die im ersten Insolvenzverfahren im Rahmen der strafrechtlichen Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurden, inzwischen zur Verwertung freigegeben wurden. Einfach ausgedrückt: Becker kann sie verkaufen. Das gilt auch für Teile der Werkstatteinrichtung, wobei dem Beschuldigten wohl nur ein geringer Teil des Inventars wirklich gehörte. Das klingt nicht danach, dass Gläubiger auf große Summen hoffen können.

Aus Ermittlerkreisen ist zu hören, dass die Polizei den Autohändler „länger auf dem Schirm“ hatte. Offenkundig dauerte es, bis die Behörden zuschlugen. Ein Teil der Autos, die in Lüneburg angeboten wurden, sollen dem Vernehmen nach aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammen. An dem Preis, für den die Fahrzeuge angeboten und verkauft wurden, und dem, was sie wirklich wert waren, sollen Zweifel bestehen. Ebenso ominös soll die Buchführung gewesen sein.

Volker H. glaubt nicht, dass er am Ende noch viel von seinem Geld wiedersieht: „Da wird wenig zu holen sein.“

Ein Trost, sofern es einer sein kann: Insolvenzverwalter Becker sagt, er habe die Werkstatt und den Handel sofort geschlossen, als er das zweite Verfahren Anfang dieses Jahres übernahm.
Der Prozess vor dem Schöffengericht soll am 1. Oktober fortgesetzt werden.

Von Carlo Eggeling