Das Foyer des Zentralgebäudes der Leuphana Universität. Seit Mittwoch stehen die Kosten über die Endabrechnung fest. Foto: nh

Baukosten für Leuphana-Zentralgebäude stehen fest

Lüneburg. Lange war‘s still um die fehlende Schlussrechnung für den Libeskind-Bau. Jetzt scheint dem Landesrechnungshof in Hildesheim der Geduldsfaden gerissen zu sein: Die Behörde hat Prüfungen angestellt und unterrichtete am Mittwochnachmittag den Haushaltsausschuss des Landtags über die Erkenntnisse. Das Politikjournal "Rundblick" hatte von einem Schreiben des Rechnungshofs berichtet, das von Kosten in Höhe von rund 109 Millionen Euro ausgeht.  Wollte sich die Leuphana am Dienstag auf LZ-Nachfrage nicht zu den Prüfungen und auch nicht zu der Summe äußern, bestätigte sie diese jetzt. "Nachdem die Abrechnungen für das neue Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg intern überprüft und bearbeitet worden sind, steht jetzt fest, dass die endgültigen Baukosten voraussichtlich bei 109,3 Millionen Euro liegen werden," teilte Pressesprecher Henning Zühlsdorff mit. "Wegen der Inanspruchnahme einer Vorsteuerabzugsberechtigung wird die Universität letztlich einen Betrag von voraussichtlich rund 103 Millionen Euro finanzieren müssen."

Keine Überraschung

Die LZ hat schon vor einem Jahr darüber berichtet, dass in der Minister-Runde in Hannover von mehr als 110 Millionen Euro geredet wird. Die Größenordnung war auch da keine Überraschung mehr, so hatte die Oberfinanzdirektion in einem vertraulichen Bericht die Summe 103,5 Millionen Euro genannt. Der Rechnungshof wartet jedoch seit Jahren auf eine offizielle Unterrichtung, der letzte Bericht sei im Wissenschaftsausschuss im Dezember 2016 vorgetragen worden. Dass das Ministerium den Landtag seither nicht über die Kostensteigerung informiert hat, käme einer „Missachtung“ gleich, ist im "Rundblick" zu lesen.

Stefan Wenzel, Vorsitzender des Haushaltsausschusses, sagt auf LZ-Nachfrage: „Trotz mehrfacher Nachfragen in den vergangenen zwei Jahren habe ich keine substanzielle Antwort erhalten. Angesichts der gestiegenen Baukosten stellt sich nun die Frage, ob es nicht eine Pflicht zur Unterrichtung des Haushaltsausschusses gegeben hat.“ Generell ist es so, dass die Uni eine Nachtragsplanung ausarbeiten muss, wenn die zuletzt genehmigten Kosten um mehr als 15 Prozent überschritten werden. Diese wird dann der Oberfinanzdirektion und dem Landesrechnungshof zur Prüfung vorgelegt, im Anschluss befasst sich der Haushaltsausschuss damit.

Uni will Finanzierungslücke selbst schließen

Zweimal war das schon der Fall: Nach anfangs 57 Millionen Euro waren im ersten Nachtrag 72,3 Millionen, im Dezember 2016 dann im zweiten 87,2 Millionen genehmigt worden. Damals hatte das Land weitere 15 Millionen zum Bau zugeschossen – und gleichzeitig angekündigt, dass weitere Kosten, die über die zweite Nachtragsplanung hinausgehen, die Universität selbst tragen müsse.
Das Loch, das in der Finanzierung klafft, ist groß. Mehr als 20 Millionen sind offen. Wurde lange der Schwarze Peter hin- und hergeschoben, hat die Uni jetzt mitgeteilt, dass sie die bestehende Lücke "aus eigener Kraft" schließen wird, "ohne dass die Finanzierung zu Lasten von Forschung und Lehre erfolgt". Zum einen würden des Rücklagen aus dem Investitonshaushalt ermöglichen, zum anderen "hat sich die Einnahmeerwartung aus der Verwertung der Liegenschaften Volgershall und Rotenbleicher Weg gegenüber den ursprünglichen Planungen um einen zweistelligungen Millionenbetrag erhöht", so Zühlsdorff. Entsprechende Unterlagen stimme man derzeit mit der Landesverwaltung ab.

Die Uni hat außerdem eine dritte Nachtragsplanung ausgearbeitet, diese ist angesichts der Kostenexplosion längst überfällig. Dass sich die Dokumente derzeit in Abstimmung zwischen Uni und dem Wissenschaftsministerium befänden, hatte Zühlsdorf mitgeteilt. Das bestätigte jetzt auch das Ministerium. So soll die dritte Nachtragsplanung dem Landtag in einigen Wochen vorgelegt werden.

von Anna Paarmann

Mehr zum Thema:

„Endabrechnungen liegen manchmal gar nicht vor“

Spoun soll sich neu bewerben