Montag , 28. September 2020
In Sachen erneuerbare Energien, etwa im Bereich Windkraft, kann die Metropolregion Hamburg in Zukunft noch viel mehr leisten, davon ist die OECD fest überzeugt. (Foto: be)

Gut, aber es geht besser

Von Ingo Petersen

Hittfeld. Die Metropolregion Hamburg, zu der auch der Landkreis Lüneburg gehört, steht eigentlich gut da. Aber andere Metropolregionen in Deu tschland haben sich in den vergangenen Jahren erheblich stärker entwickelt. Das ist nur ein Ergebnis einer umfangreichen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die gestern im Veranstaltungszentrum Burg Seevetal vorgestellt wurde.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Hamburgs Staatsrat Andreas Rieckhof (beide SPD) und rund 250 Entscheider aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden waren zur turnusmäßigen Regionalkonferenz nach Seevetal gekommen. Ludger Schuknecht, stellvertretender Generalsekretär der OECD, führte dort in die Studie ein.

In ihrer Untersuchung vergleicht die OECD die Metropolregion Hamburg (MRH) mit den zehn weiteren in Deutschland. Bezüglich der Fläche ist sie nach der Region Berlin-Brandenburg die zweitgrößte. Mehr als 5,3 Millionen Menschen leben im Hamburger Großraum. Die Metropolregion umfasst Teile von vier Bundesländern, 17 Landkreise, drei kreisfreie Städte sowie zahlreiche Institutionen.

Eine Erkenntnis der Studie: Von den elf deutschen Metropolregionen leistet die MRH zwar mit 6,2 Prozent den fünftgrößten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Bundesrepublik, und sie hat mit 39 604 Euro das vierthöchste Pro-Kopf-Einkommen. Aber, so die OECD: „Das Wirtschaftspotenzial der MRH wird nicht in vollem Umfang ausgeschöpft.“

Ein Indiz: „Zwischen 2005 und 2015 verzeichnete die MRH ein schwächeres Wachstum des Pro-Kopf-BIP als alle anderen deutschen Metropolregionen.“ Das Wachstum habe nur 19 Prozent betragen, verglichen mit 42 Prozent in Mitteldeutschland und 39 Prozent in den Metropolregionen Berlin-Brandenburg, Nürnberg und Stuttgart.

Um besser voranzukommen, war „think big!“, das Stichwort für Ludger Schuknecht. Die Akteure in der Metropolregion Hamburg müssen, so sein Rat, künftig in größeren Kategorien denken, über Länder- und Kreisgrenzen hinweg, sie müssen Kräfte bündeln. „Darin liegt der Schlüssel, um die Metropolregion erfolgreicher, attraktiver und nachhaltiger zu gestalten.“

Für den Bericht der OECD, den ersten, den eine deutsche Metropolregion in Auftrag gegeben hatte, untersuchten Experten die Wirtschaft rund um Hamburg gründlich. Der Bericht listet Fakten auf, gibt auch mehr als 50 Empfehlungen – zu Innovation, Bildung und Fachkräften, Digitalisierung, Wohnraum- und Verkehrsplanung, erneuerbare Energien sowie Kultur- und Tourismusmarketing.

„Der OECD-Bericht bringt Stärken und Schwächen klar auf den Punkt“, lobte Ministerpräsident Weil. Etwa im Bereich der Erneuerbaren Energien. Hier habe die Metropolregion Hamburg „das Potenzial, eine globale Spitzenposition zu erlangen“. Weil stimmte zu: „Wir müssen die Ökologisierung unserer Industrie vorantreiben, dann machen wir es richtig.“ Viel Arbeit sei von Seiten der OECD mit der Studie geleistet worden, erklärte Stephan Weil. Die eigentliche Arbeit folge aber erst jetzt: „Die richtigen Schlussfolgerungen müssen gezogen werden. Und diese müssen in die richtigen Schritte umgesetzt werden.“