Donnerstag , 1. Oktober 2020
Seit vergangener Woche ist klar: In der Ilmenauhalle werden keine Events und kein Sport mehr stattfinden. Das stellt die örtlichen Vereine vor große Herausforderungen. (Foto: t&w)

Leider keine Wundertüte

Bienenbüttel. Vielleicht könnten die Handballer des TSV Bienenbüttel ihre Heimspiele künftig in Embsen und Neetze veranstalten. Vielleicht reicht das Geld auch irgendwann mal für einen zweiten Vereinsbus, damit die Spieler überhaupt zum Training nach Uelzen kommen. Und vielleicht lässt irgendein befreundeter Verein ja auch die Bogenschießabteilung der Gilde bei sich überwintern. Vielleicht, vielleicht, vielleicht.

Nachdem sich der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Bienenbüttel gegen eine mindestens 200 000 Euro teure Dachsanierung der Ilmenauhalle ausgesprochen hatte, ist das Aus des Spielbetriebs in dem Gebäude besiegelt. Die beiden Hauptnutzer – TSV und Gilde – stellt das vor diverse Fragen zur Zukunft ihrer Vereinsaktivitäten. Auf der Suche nach Lösungen hatte sie die Verwaltung in der vergangenen Woche zu einem Gespräch eingeladen. Denn klar ist: Bis die geplante neue Mehrzweckhalle steht, könnten noch Jahre ins Land gehen – und eine überdachte Sportstätte von vergleichbarer Größe gibt es in Bienenbüttel derzeit nicht.

Bereits im April wurde der Hallenbereich gesperrt. Seitdem ist beim TSV-Vorsitzenden Andreas Howe und seinen Vereinskollegen Improvisationstalent gefragt. „Für ein halbes Jahr kriegt man alles geregelt“, sagt er, für die zu erwartenden drei bis vier sei das schon eine ganz andere Herausforderung. Besonders hart trifft es die Handballer. Diese müssten, um ihr Heimspielrecht zu sichern, ihre Turniere bei befreundeten Vereinen ausrichten.

Lange Anfahrten zum Training kaum zumutbar

Schwierig gestaltet sich auch das Training: Die langen Fahrtstrecken zur Ersatzhalle in Uelzen seien für viele Spieler, die zum Teil auch aus dem Lüneburger Raum kommen, kaum zumutbar, berichtet der Vorsitzende – und lässt dabei nicht unerwähnt, dass ein zweiter Vereinsbus da möglicherweise „Druck vom Kessel“ nehmen könnte. Wie lang allerdings die Bienenbütteler Handballer in Uelzen noch Asyl gewährt bekommen, ist ungewiss. „Die Hallenzeiten sind überall stark ausgebucht – egal wo wir hinschauen“, bedauert Howe. Das mache die Planung umso komplizierter – auch für die Leichtathleten und Fußballmannschaften in den Wintermonaten. Derzeit zählt der TSV Bienenbüttel rund 1100 Sportler. Der Vorsitzende hofft natürlich, dass das auch so bleibt: „Wir sind überrascht, wie treu uns die Mitglieder sind, aber es besteht die Gefahr, dass der eine oder andere abspringt.“

Möglicherweise könnten auch mobile Container aufgestellt werden, um wenigstens ein oder zwei Räume mitsamt Sanitäranlagen vor Ort zu wissen. Das würde aber nur einen kleinen Teil der Probleme lösen, meint Howe. Der Platz reiche gerade so für die Gymnastikgruppen – und vielleicht auch noch für die Versammlungen der Schützen. Dafür müsste man es aber gemütlich mögen, witzelt Bienenbüttels erster Gildeherr Uwe Seehafer. Schießsport im Container hält er für völlig ausgeschlossen.

Nun ist es aber gesetzlich festgelegt, dass Schützen regelmäßig schießen müssen. „Wir kriegen sonst Schwierigkeiten“, erklärt Seehafer. Schlimmstenfalls könnte der Landkreis ihnen die Besitzerlaubnis für die Waffen entziehen. Auch Seehafer zählt jetzt auf die Hilfe von befreundeten Vereinen und Privatpersonen.

Noch ist der Schießstand im Keller nicht gesperrt, der erste Gildeherr hat jedoch wenig Hoffnung, dass das noch lange so bleibt. „Spätestens wenn die Gemeinde das Dach abreißt oder die laufenden Kosten für Heizung und Wasser einstellt, sind wir raus.“ Wie berichtet, soll auch der Nebentrakt der Halle aus dem Jahr 1974 in den kommenden Wochen auf Feuchtigkeit und Schäden untersucht werden. Dort findet unter anderem der Restaurantbetrieb statt, dieser ist von den Sperrungen derzeit ebenfalls nicht betroffen.

„Die Entscheidung ist nachvollziehbar“

Im Keller der Ilmenauhalle wurde im Rahmen des Schützenfestes traditionell auch immer um diverse Titel gewetteifert und der Schützenkönig ausgeschossen. „Wir werden auch künftig irgendwie einen König ermitteln – nur das ,Wie‘ ist noch nicht klar“, sagt Seehafer. Zunächst einmal zerbricht er sich nun den Kopf darüber, wo die Bogenschießabteilung in den Wintermonaten unterkommen könnte.

Sowohl Seehafer als auch Howe können die politische Entscheidung gegen eine Sanierung der Ilmenauhalle nachvollziehen – auch, wenn damit etwaige Komplikationen einhergehen könnten. Howe: „Wir haben eben leider keine Wundertüte, die wir öffnen können.“

Von Anna Petersen