Der Dieseltriebwagen DT 0511 nach seiner Überführung von Einbeck nach Celle. (Foto: privat/Petasch)

Der Letzte der „Bauart Lüneburg“

Lüneburg/Einbeck. Die erste Lokomotive in Deutschland flog mit dem Namen „Adler“ 1835 über die Schienen. Zuletzt brachte die jüngste Neuerwerbung der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) ihre 110 PS unter dem Namen „Ilmeblitz“ auf die Gleise. Künftig wird der Eisenbahnsenior im Raum Lüneburg unter dem prosaischen Namen „DT 0511“ unterwegs sein. Ein Zeichen fehlender Wertschätzung? Ganz im Gegenteil, sagt AVL-Vorsitzender Hans Dierken: „Wir Eisenbahner sind nüchterne Menschen. Aber wir sind glücklich, dass wir diese einmalige Chance nutzen konnten. Der Dieseltriebwagen 0511 ist der Letzte seiner Art.“

Das wusste man zwar auch in der ehemaligen Hansestadt Einbeck. Doch dort war der „Ilmeblitz“ auf das Abstellgleis geraten. Vielmehr fehlte es in der südniedersächsischen Stadt sogar daran. Auf der Hausstrecke des „Ilmeblitzes“ machten sich wieder reguläre Züge breit. Zudem versperrte der Dieseltriebwagen auf dem Betriebsgelände in Einbeck die Durchfahrt, musste wegen eines fehlenden, festen Abstellplatzes ständig umgestellt werden. Also entschloss sich die Einbecker „Ilmebahn“ zum Verkauf. Und ließ an der Ilmenau den Adrenalinspiegel hochschnellen. „In derselben Minute, in der das Verkaufsangebot im Netz erschien, rief ich an“, sagt Hans Dierken.

Auf den heimischen Gleisen

Die AVL sammelt und betreibt Eisenbahnfahrzeuge mit besonderem regionalen Bezug. Und davon hat der „DT 0511“ reichlich. 1934 wurde er von der Waggonfabrik Wismar für den Einsatz zwischen Lüneburg und Soltau gebaut. Und auch künftig wird das Gefährt wieder auf den heimischen Gleisen zuckeln. Das mechanische Viergang-Vorschaltgetriebe von der Bauart „Mylius D“ bringt den 13,4-Tonner mit Dutzenden Passagieren auf eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Schnell genug, um zügig zwischen Lüneburg und Bleckede zu pendeln. Und langsam genug, um die Landschaft entlang der alten OHE-Gleise genießen zu können.

Dieseltriebwagen
Schlaghosen und Schulterpolster: Der DT 0511 etwa 1980 mit Fahrgästen in Amelinghausen. (Foto: privat/Dierken)

Aufgerufen wurde für den letzten Dieseltriebwagen dieses Typs, der auch „Bauart Lüneburg“ genannt wurde, „ein Preis, der sich am Buchwert orientierte“, sagt Dierken. Mitbieten konnte die AVL nur, weil Vereinsmitglieder und Externe großzügige Spenden in Aussicht stellten. Gegen Nachahmer würde sich die AVL nicht wehren. Bekommen hat die AVL einen top gepflegten Triebwagen. Er soll sich künftig die Einsätze mit dem aus derselben Zeit stammenden „DT 0504“ teilen, den die AVL seit 23 Jahren betreibt.

In den nächsten Tagen wird die Neuerwerbung neu lackiert. Vorbei die Zeit als „Ilmeblitz“ der Ilmebahn. Aber wer echte Geschichte besitzt, verströmt auch mit dem nüchternen Namen „DT 0511“ noch Würde.

Technische Daten und Geschichte

Dieseltriebwagen DT 0511

  • 1934: gebaut in Wismar für Lüneburg-Soltau; Nummer SK2
  • 1944: Kleinbahnen-Zusammenlegung zur Osthannoverschen Eisenbahn OHE; Nr. DT 0511
  • 1955-60: Modernisierung im Eisenbahnausbesserungswerk Bleckede
  • 1976: Aus im planmäßigen Betrieb, aber OHE-Sonderfahrten
  • 2006: Verkauf an Ilmebahn Einbeck, Neulackierung
  • 2019: Kauf und Rückholung durch die AVL
  • Leistung: 110 PS
  • Tempo: 60 km/h
  • Gewicht: 13,4 t
  • Sitzplätze: 56

Von Joachim Zießler