Auf der Internetseite versteigerungspool.de war zu lesen, dass das Wohnhaus „umfangreiche Schäden durch Setzung“ aufweist, sich der Wintergartenanbau vom Haupthaus löst, im Obergeschoss sogar bereits bis in den Dezimeterbereich. (Foto: t&w)

Das Ende eines langen Kapitels?

Lüneburg. An der Stöteroggestraße tut sich etwas: Die Mieter des Problemhauses, das zuletzt für 300 000 Euro bei einer Zwangsversteigerung den Eigentümer wechselte, müssen bis zum Ende des Monats ausziehen. Das Haus mit der Nummer 2 soll abgerissen werden.

Die Pläne sind nicht neu, nur hatte sich der Käufer, Geschäftsführer einer Immobilienfirma in Melbeck, Ende Juli noch mit konkreten Äußerungen zurückgehalten. Jetzt sagt er: „Wir sind dabei, den Abrissantrag zu stellen. Die Mieter ziehen nach und nach aus.“ Wie viele Personen in dem 1933 errichteten Haus mit den sieben Zimmern leben, war bislang nie ganz klar. Auch jetzt heißt es vom Vermieter: „Wir wissen selbst nicht genau, wie viele Mieter da wohnen. Einige sind anscheinend gemeldet, andere nicht.“

Wie berichtet, hat das Gebäude zuvor einem umstrittenen Immobilienkaufmann gehört, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Ermittlungen stehen auch im Zusammenhang mit der Adresse Auf dem Kauf 12, das Haus hatte die Stadt wegen schwerwiegender Brandschutzmängel vor einem Jahr räumen lassen. In beiden Objekten soll der Adendorfer Menschen unter unwürdigen Bedingungen wohnen lassen haben, teilweise zu zweit oder dritt in einem Zimmer.

Vollstreckung bislang ohne konkrete Ergebnisse

Fünf ehemalige Mieter hatten erfolgreich geklagt, der Gerichtsvollzieher wurde losgeschickt – erst zum Wohnsitz des Mannes in Adendorf, dann zu einer Hamburger Adresse, die mit seinem Namen im Zusammenhang steht. Noch gebe es keine konkreten Ergebnisse, teilt der Anwalt der fünf Afghanen mit.

Zu den Mietern auf dem Kreideberg sagt der neue Eigentümer, dass einige allein etwas Neues gefunden hätten, anderen habe er geholfen. Dass es mit einem Abriss nicht getan ist, ist dem Mann bewusst. Vor allem der hintere Teil des 658 Quadratmeter großen Grundstücks gleicht einer Mülldeponie. „Das muss alles geräumt werden“, sagt er. An eine Sanierung sei bei dem Haus nicht mehr zu denken. „Das ist schon ziemlich am Ende, total zerwohnt.“ Er plant, „relativ zügig“ abzureißen, bestenfalls noch in diesem Jahr. Entstehen soll auf der Fläche dann ein Vier-Familien-Haus, dazu holt sich der Melbecker zurzeit verschiedene Vorschläge bei Architekten ein. Er rechnet mit einer Bauzeit von mindestens einem Jahr. Vermieten möchte er die Immobile dann nicht, er wolle sie verkaufen.

Nachbarn hoffen, dass nun endlich Ruhe einkehrt

Der Stadtverwaltung sind zur Stöteroggestraße bislang noch keine neuen Pläne oder Vorhaben bekannt. Pressesprecherin Suzanne Moenck macht deutlich, dass einem Abriss nichts im Wege steht. Ein solcher müsse nur dann beantragt und genehmigt werden, wenn es sich um ein Denkmal handelt. Das sei hier nicht der Fall. Sollte eine Bauvoranfrage oder ein Antrag für einen Neubau die Stadt erreichen, werde nach dem Baugesetzbuch geurteilt. Denn einen Bebauungsplan gebe es dort nicht, sagt sie.

Die Nachbarschaft atmet angesichts dieser Entwicklung auf. Sie wünscht sich schon lange, dass in der Stöteroggestraße endlich Ruhe einkehrt – und das scheint nur mit einem Auszug der aktuellen Mieter möglich zu sein. Erst vor kurzem sollen wieder Polizei und Krankenwagen vor Ort gewesen sein, berichtet eine Nachbarin. Bekanntlich kam das Haus in die Schlagzeilen, weil sich die Nachbarn über die Zustände beim Ordnungsamt beschwert hatten. Um nur einige Beispiele zu nennen: Es ging um große Ansammlungen von Müll, Ratten, offene Feuer mit immenser Rauchentwicklung, Prügeleien und Geschrei zu Tag- und Nachtzeiten. Eine Nachbarin hatte einen Bewohner sogar wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angezeigt.

Von Anna Paarmann