Samstag , 26. September 2020
Die beiden Angeklagten (mit Pappen verdeckt) kamen gestern kaum zu Wort. Lediglich ihre Verteidiger (v.l.) Axel Rotter (halb verdeckt), Roman von Alvensleben, Dogukan Isik und Daniel Ciobanu tauschten sich mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft zum Prozessauftakt aus. (Foto: us)

Schneller Prozess bei Tankstellen-Überfällen?

Lüneburg. Wer nur flüchtig die Prozessankündigung des Lüneburger Landgerichts zur gestrigen Hauptverhandlung gegen zwei heute 25-jährige Angeklagte streifte, konnte von einer zwar beachtlichen, letztlich aber wenig spektakulären Einbruchserie ausgehen. „Hauptverhandlung wegen Einbruchdiebstahls u.a.“ hieß es dort. Doch schon die Sicherungskontrollen am Eingang zum Gericht machten deutlich, dass vermutlich einiges mehr dahintersteckt. Das aber blieb gestern beim Verhandlungsauftakt vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts noch offen.

„Wir werden mit den Prozessbeteiligten Möglichkeiten einer Verständigung erörtern und über das Ergebnis beim nächsten Mal berichten“, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Michael Herrmann, womit er zugleich den ersten Verhandlungstag beendete.

Tabakwaren im Wert von 45 000 Euro erbeutet

Kurz und knapp hatte die Staatsanwaltschaft zuvor aufgeführt, was den beiden Angeklagten Ceyhan Ö. aus Achim und Mah­sun D. aus Hamburg zur Last gelegt wird. Danach sollen die beiden in Untersuchungshaft befindlichen türkischen Staatsbürger zwischen Juli 2018 und März 2019 an verschiedenen Orten im norddeutschen Raum, darunter Hitzacker, in insgesamt elf Tankstellen eingebrochen sein und Tabakwaren im Gesamtwert von über 45 000 Euro erbeutet haben. In zwei Fällen sollen sie zudem eine Schreckschusswaffe bei sich geführt und damit in einem Fall auch einen Zeugen, der die Angeklagten beim Verlassen einer Tankstelle angesprochen haben soll, bedroht haben.

Welche Dimensionen mit diesem Prozess verbunden sind, wurde – neben den umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen – auch durch die insgesamt elf angesetzten Verhandlungstage deutlich. Auffällig aber war, dass das Gericht auf die Ladung von Zeugen bisher noch verzichtet hat – für Prozessbeobachter ein Indiz dafür, dass man sich von den angekündigten Verhandlungen durchaus etwas verspricht.

Prominenter Anwalt aus Lügde-Prozess eingebunden

Das wurde auch in der kurzen Pause deutlich, die das Gericht für erste Gespräche mit der Staatsanwaltschaft und den vier Verteidigern führte, darunter der Hamelner Anwalt Roman von Alvensleben, einer der drei Verteidiger des Angeklagten Mahsun D. und inzwischen bundesweit bekannter Verteidiger durch seine Vertretung der Nebenklage im Kinderschänderprozess von Lügde. Er ließ am Rande der Unterbrechung gegenüber der LZ durchblicken: „Die Bereitschaft zu einer Einigung ist da.“ Zu klären sei allerdings die Höhe des anzusetzenden Strafrahmens – ein Verfahren, das Gerichte häufig anwenden, um aufwendige Prozesse abkürzen zu können. In der Regel setzt dies aber ein Schuldanerkenntnis der Angeklagten voraus.

Welche Ergebnisse die jetzt anstehenden Verständigungen ergeben haben, will das Gericht beim nächsten Verhandlungstag am Dienstag, 1. Oktober, bekanntgeben.

Von Ulf Stüwe