Sonntag , 27. September 2020
Am Meisterweg wird gebaut: Ein Schmutzwasserkanal soll saniert werden, auch ein Regenrückhaltebecken soll entstehen. Dafür wurde ein Wiese aufgegraben. (Foto: t&w)

Eine Wiese weicht den Baggern

Lüneburg. Große Erdhaufen türmen sich auf der grünen Wiese, daneben eine riesige Grube, nicht besonders tief, als würde sich ein riesiger Maulwurf durch durch den Boden am Meisterweg graben. Daneben: eine riesige Grube, noch nicht besonders tief, dafür weitläufig. Und Bagger.

Anwohner Norbert Ebelt ist entsetzt. „Hier hausen die Baumaschinen und zerstören ein Biotop, welches sich über Jahre hinweg gebildet hat.“ Eigentlich würden doch solche Baumaßnahmen im Vorfeld angekündigt werden, kritisiert er, auch Schilder oder Hinweistafeln vermisse er. „Es gibt keine Auskunft darüber, wer hier unsere schöne Wiese wegbaggert.“

Ebelt filmt die Baustelle, stellt das Video bei YouTube ein. „Kein Wunder, dass wir kaum noch Insekten haben“, schreibt er dazu.

Die Baustelle am Meisterweg


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Auf LZ-Anfrage erklärt die Stadtverwaltung, dass es sich um vorbereitende Arbeiten für das Hanseviertel III handle. Begleitet werde das Vorhaben von der SHI Hanse Immobilien GmbH als Erschließungsträger. „Längs der Wiese verläuft ein alter Schmutzwasserkanal von 570 Metern Länge nördlich des Meisterweges, der saniert werden muss und der Wasser aus den bestehendem Hanseviertel und dem Hanseviertel III aufnehmen wird“, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Ein Teil des Kanals müsse erneuert werden, ein weiterer werde mit einem Rohr im Rohr versehen. „Später wird noch der Anschluss an ein neues Regenrückhaltebecken realisiert, damit mehr Wasser versickern kann und nicht nur durch Kanäle abfließen muss.“ Dies soll im Oktober stattfinden.

Neben der Erneuerung in unterschiedlichen Verfahren gehe es auch um Erschließungsarbeiten zu anderen Teilen des Kanalsystems in Richtung Hanseviertel II. „Bereits diese Woche müssen Bäume gefällt werden.“ Dabei handle es sich um etwa 30 Kiefern und andere Nadelgehölze verschiedener Größe. „Die Bäume müssen weg, weil es nicht möglich ist, unterhalb von Bäumen einen Kanal zu verlegen.“

Biotop mit Rentierflechte wird nicht angetastet

Um an die Rohre zu gelangen, habe die beauftragte Firma den Oberboden abtragen müssen. Dabei sei ein Teil der Fläche ausgespart worden: „Dort haben wir ein geschütztes Biotop nach Naturschutzrecht, dort darf nicht gebuddelt werden, nicht mit Arbeitsfahrzeugen gefahren und keine Erde gelagert werden, um die wertvolle Rentierflechte nicht zu gefährden.“ Die übrige Fläche gelte als landwirtschaftliche Fläche. „Unmittelbar auf dem Kanal dürfen auch keine Bäume wachsen oder nachgepflanzt werden, da die Wurzeln den Kanal beschädigen können.“
Östlich der Fläche mit der Rentierflechte soll das Regenrückhaltebecken auf etwa 8000 Quadratmetern entstehen. Dazu will die Stadt aber vor Baubeginn noch informieren.

Die Arbeiten würden voraussichtlich einige Monate dauern, es gebe eine ökologische Baubegleitung über ein externes Büro. „Die Wiese wird nach Abschluss der Arbeiten wieder neu ausgesät, die Bäume, die gefällt werden müssen, werden an passender Stelle ersetzt.“

Warum nicht vorher über die Arbeiten informiert wurde? Moenck sagt: „Manchmal ist es wie in der Werbung für einen bekannten Schokoriegel: Für die einen ist es nur Kanalsanierung und damit wenig aufregend, zumal es noch unter dem Stichwort vorbereitende Arbeiten läuft. Die anderen schauen ohne den Fachblick und sehen einfach nur, dass da richtig was passiert und sind verständlicherweise neugierig. So geht es ja auch den Anliegern oder Spaziergängern. Manchmal muss man die Fachleute an diese Perspektive erinnern.“

von Robin Williamson