Donnerstag , 6. August 2020
Im Dienst des Mofa-Sports: Das Team „Polizai 110“ mit Dennis Pohlki, Enno Frankenstein, Richard Höpner, Boris Nielsen und Ladi Viktorjenik (v.l.). Foto: ada

Sie rattern wieder…

Wittorf. Stoisch zittern die Zweitaktmotoren in der Mittagshitze. Über das Feld nahe Wittorf legt sich der unverkennbare Geruch von Benzin – den sie alle hier s o lieben. Es rattert, es ruckelt, es rollt beim elften Mofarennen in Wittorf. „Wurde auch wieder Zeit“, hört man die Bastler am Streckenrand sagen, denn nach drei Jahren Pause erlebte das Rennen am Wochenende seine Renaissance.

„Es ist diesmal was völlig anderes“, sagt Moritz Willke, der mit dem Wittorfer Astra Club das Rennen organisiert. „Alle haben sich so darauf gefreut. Manche wollten ihre alte Mofa schon verkaufen und haben sie nun extra wieder rausgekramt.“

Sechs Stunden dauert das Rennen übers Stoppelfeld. Angetreten wird in der Originalklasse und der Spezialklasse. Pro Team dürfen maximal vier Fahrer auf die Bahn. Es gewinnt, wer nach sechs Stunden die meisten Runden gefahren ist.

Alte Rennhasen sind ebenso dabei wie Neulingen

Mit dabei sind alte Rennhasen wie etwa das Team „Polizai 110“ um Ladi Viktorjenik, Richard Höpner, Boris Nielsen, Enno Frankenstein und Dennis Pohlki. Die Adendorfer sind von Anfang an bei den Wittorfer Mofarennen dabei und wollen stets vor allem eines: Spaß haben. Dafür haben sie sich extra in Polizeiuniformen geschmissen und ihre Mofa als grün-weißes Rennmobil mit Blaulicht in Szene gesetzt. Auch den Häftling hat das Team gleich selbst mitgebracht. „Wir versuchen gerne, aufzufallen, sind schon als Müllabfuhr, Golden Boys oder A-Team an den Start gegangen“, sagt Enno Frankenstein. „Es geht hier nicht ums Gewinnen, sondern um den Spaß. Man sollte gute Laune und Durchhaltevermögen mitbringen“, sind sich die Freunde einig. 20 Runden zu schaffen, ist ihr erklärtes Ziel. Das dürfte drin sein, schließlich kennen sie sich aus mit ihrer Maschine. „In unserer Generation ist man Mofa gefahren, das war ein Stück Freiheit“, erklärt Richard Höpner seine Liebe zu den Mopeds. „Wir alle hier haben Interesse an dem Geschraube und an dem Zwei-Takt-Motoren-Gestank“, ergänzt Enno Frankenstein lächelnd.

Ein paar Meter weiter hat das Team um Yannick Iwohn und Arne Müller seinen Rennstall aufgebaut. Die 16- und 15-Jährigen nehmen zum ersten Mal am Mofarennen teil. „Es macht einfach Spaß, die Gemeinschaft ist toll“, sagt Yannick Iwohn, der die Begeisterung für das Mofafahren von seinem Vater hat. Und was genau macht das Mofafahren aus? „Man muss nicht selber treten, wie beim Fahrradfahren“, sagt der 16-Jährige pragmatisch. Ihr Ziel? Nicht klar definiert. „Über 100 Runden wären aber schon schön“, so Iwohn.

Trockenheit macht dem Mofa-Fan zu schaffen

Damit die Maschinen das überhaupt schaffen können, hat Heiko Wegner die Ackerfläche extra präpariert. Dem Wittorfer gehört das Getreidefeld, das einmal im Jahr zur Rennbahn wird. Dafür muss die Bahn angelegt, Sprunghügel errichtet und der Boden gefestigt werden. In diesem Jahr machte vor allem die Trockenheit dem Mofa-Fan zu schaffen. „Es war so trocken, dass die Spur immer wieder zusammengefallen ist“, sagt Wegner, der sich kurzerhand dazu entschloss, das Feld vorab zu wässern. Selbst gehört er zwar auch zu einem der Rennställe, tritt aber lieber als Ersatzfahrer an. „Mit 54 muss das nicht mehr sein, ich lasse lieber die Jungen fahren“, sagt er. Die profitieren immerhin von seiner Erfahrung. „Die Maschine muss gut laufen, man braucht eine gute Kondition und Ehrgeiz“, weiß Wegner.

Davon hat das „Sassendorf Racing Team“ um Teamkapitän Lars Mainka reichlich. Sie haben sich lange auf das Rennen vorbereitet. „Ich bin ein bisschen pedantisch bei den Vorbereitungen“, gesteht Mainka. So fuhr er schon im Vorfeld die Elbe auf und ab, hat geschraubt, ausprobiert und versucht, seine Maschine zu optimieren. „Das ist ein Prozess, man versucht, die Mofa immer ein bisschen schneller zu kriegen“, sagt Mainka. Dabei gehört das Tempo nicht zur Strategie des Sassendorfer Teams. „Lieber langsam und dafür durchfahren, als schnell und immer wieder schrauben müssen“, fasst der Kapitän das Credo seiner Truppe zusammen. Ihr Ziel ist ebenfalls klar: „Sechs Stunden durchfahren“.

Als Einzelkämpfer (61) sechs Stunden unterwegs

Bei Temperaturen von über 30 Grad ist das eine echte Herausforderung – für Maschine und Fahrer. Warum die mehr als 40 Teams trotzdem wieder mitmachen? „Ich glaube, das Schöne ist, dass es ein Teamrennen ist. Die Zuschauer dürfen mit in die Boxengasse. Alles rückt enger zusammen, man kennt sich, es ist familiär“, sagt Moritz Willke.

Nach sechs Stunden, vielen Boxenstopps, manch ächzendem Motor und einem gebrochenen Bein standen die Gewinner des Mofarennens fest: In der Originalklasse sicherte sich das „Hercules RS Team“ aus Bardowick den ersten Platz, Gewinner der Spezialklasse wurden „The Pencil Cases“ aus Minden.

Der Pokal für das älteste Team ging an Michael Reich. Er trat als Einzelkämpfer an und fuhr das sechsstündige Rennen allein – und das mit immerhin 61 Jahren.

Von Anke Dankers