Donnerstag , 22. Oktober 2020
Einer der Stars hinterm Steuer: Ex-Rennfahrer Nico Rosberg nimmt einmal Platz in einem BMW Z1 aus dem Jahr 1991, er selber war in einer Corvette unterwegs. (Foto: fr)

Stars eines rollenden Museums

Adendorf. Ein Liebhaberstück nach dem anderen knatterte am Sonnabend auf den Parkplatz des Castanea Forums in Adendorf. Die Fahrer der Rallye „Hamburg-Berlin-Klassik“ legten dort einen Stopp zur Mittagszeit ein. 166 Oldtimer und Youngtimer waren am Start – unter anderem mit Stars aus Fernsehen, Film und Sport am Steuer.

Der prominenteste Fahrer stieg in Adendorf zu: Ex-Formel 1-Weltmeister Nico Rosberg. Der Rennfahrer nahm in einem roten Chevrolet Corvette Platz, ein Sportwagen mit 290 PS aus dem Baujahr 1965. „Ich freue mich auf die Fahrt, das wird ein Riesenspaß“, sagte der 34-Jährige. Denn nicht nur Formel-1-„Flitzer“ begeistern ihn – er sagte: „Ich bin ein riesen Oldtimer-Fan.“ Zeit für seine Fans nahm er sich auch, posierte auf Selfies und schrieb Autogramme. Noch während Rosberg im Auto saß und auf sein Abfahrtssignal wartete, kamen Fans mit Smartphones ans Autofenster: „Bitte Lächeln, Nico!“

Rund 80 Jahre Automobilgeschichte

Die Rallye des Fachmagazins „Auto Bild Klassik“ lockt seit zwölf Jahren Autofans nach Norddeutschland. Drei Tage lang ging es dieses Jahr vom Olympiastadion in Berlin über die Mecklenburgische Seenplatte, Wolfsburg, die Lüneburger Heide bis nach Hamburg – insgesamt 717 Kilometer.

Dabei waren Autos aus rund 80 Jahren Automobilgeschichte: Das älteste Auto der Veranstaltung stammt aus dem Jahr 1924, ein Cunningham V5 Special Roadstar. Der Honda S2000 war das jüngste aus dem Jahr 1999. Gewinner der Rallye wurde nicht, wer am schnellsten, sondern wer am gleichmäßigsten und zuverlässigsten fuhr.

Unterwegs mussten die Teilnehmer Geschwindigkeits- und Zeitprüfungen absolvieren – eine anspruchsvolle Aufgabe: „Auf jede Hundertstelsekunde Abweichung von der Vorgabe gab es einen Strafpunkt“, erklärte Pressesprecherin Martina Warning. Am präzisesten meisterten die Strecke die Hamburger Jörn Rompel und seine 18-jährige Tochter Sophie als Beifahrerin.

„Das Gehirn“ auf dem Beifahrersitz

Mit 809 Strafpunkten gewannen sie den ersten Platz in der Gesamtwertung. „Das Gehirn saß auf der rechten Seite: Meine Tochter hat sehr gut auf die Zeiten aufgepasst“, erklärte Rompel das Ergebnis. Die beiden waren in einem Austin-Healey 3000 Mk II aus dem Baujahr 1964 dabei.

80 PS besitzt der weiße BMW 328, mit dem Ex-Rennfahrer Prinz Leopold von Bayern über die Straßen rollte. „Die Fahrt war wunderschön – ein Traum“, befand der Prinz. Die Moderatorin Annina Semmelhaack fuhr auf dem Beifahrersitz neben ihrem Mann Theodor Semmelhaack in einem Mercedes 300 SL von 1957. Sie sagte: „Ich hätte gerne mehr Anweisungen gegeben, aber mein Mann lässt sich beim Autofahren nicht so viel sagen.“

Auch weitere Stars hatten an der Rallye teilgenommen, wie Let’s-Dance Moderator Joachim Llambi, Olympiasiegerin Katharina Witt, der Ex-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck, Rallyefahrerin Ellen Lohr und der ehemalige brasilianische Fußballspieler Grafite.

Einige Stars waren in Adendorf nicht mehr dabei

Zur Enttäuschung mancher Besucher aber waren bereits einige Stars in Adendorf nicht mehr dabei. Zuschauer Jens Jürss fuhr am Sonnabendmorgen nicht für die Stars, sondern für die Autos extra aus Scharbeutz an der Ostsee nach Adendorf. Er sagte: „Bei so vielen Autos aus den 20ern und 30ern und aus der Kindheit schlägt das Herz höher.“ Auch Besucher Günter Tolksdorf, der spontan vorbeikamt, war begeistert: „Mir gefällt die sehr gute und bunte Mischung an Autos.“ Pressesprecherin Martina Warning resümierte: „So muss eine Rallye sein – wir hatten den Idealfall.“

Von Franziska Ruf