Sonntag , 25. Oktober 2020
Lars Werkmeister ist der neue Chef der Marketing GmbH. Insider loben den Chef als fleißig, tagsüber treffe er viele Akteure der Stadt, abends arbeite er den Tag im Büro auf. (Foto: t&w)

Der Chef hat viel aufzuarbeiten

Lüneburg. Lars Werkmeister leitet seit Juli die Lüneburg Marketing GmbH. Er kam aus Lüdinghausen bei Münster an die Ilmenau. Der 37-Jährige springt quasi mitten rein ins Geschehen. Denn Planungen – beispielsweise für die Sülfmeistertage – sind so weit vorangeschritten, dass er nur noch wenig eingreifen kann. Die LZ hat Werkmeister zum Gespräch getroffen.

Herr Werkmeister, Sie sitzen auf einem heißen Stuhl. In der Vergangenheit war es für einige ihrer Vorgänger offenbar zu heiß. Was wollen Sie anders machen?

Lars Werkmeister: Ich bin dabei, mir einen Überblick zu schaffen. Mein Vorhänger Herr Hots-Thomas hat mir in den ersten Wochen bei der Einarbeitung sehr geholfen. Grundsätzlich müssen wir sicher an einem Gesamtkonzept für das Stadtmarketing arbeiten. Das ist mein Auftrag.

Zu wenig Geld war immer ein Thema. Jetzt auch?

Lassen Sie es mich so sagen. Die Finanzierung unserer Projekte ist nicht einfach. Wir sind von Sponsoren abhängig. Darum muss man sich intensiv kümmern. Das kann man auch nicht so nebenbei machen. Und zu den Firmen, die uns unterstützen könnten: Da besteht sicher eine Solidarität, aber die herrscht nicht unbegrenzt. Wer Geld gibt, möchte einen Mehrwert. Den müssen wir erzeugen. Grundsätzlich geht es also darum, mehr Partner für Ideen zu gewinnen. Hilfreich ist, wenn der eine oder andere zur Finanzierung beiträgt.

Wer kommt da als Partner infrage?

Ich sehe alle Gestalter Lüneburgs als potenzielle Partner an. Für unsere Sülfmeistertage zum Beispiel kann ich mir perspektivisch eine intensivere Zusammenarbeit mit den Museen, dem Arbeitskreis Lüneburger Altstadt und den Stadtgeschichtlern vorstellen. Bei einigen habe ich bereits angeklopft und bin auf Interesse gestoßen.

Es wird erzählt, dass Sie kurz davor waren, die Sülfmeistertage abzusagen. Es haben sich nur sieben Teams für die Wettkämpfe angesagt, nur drei Dutzend Gruppen wollen am Umzug teilnehmen. Was ist dran?

Durch den Feiertag können einige Teams nicht mitmachen, die sonst immer mit dabei waren. Vor ein paar Tagen hatten wir erst vier Teams, da würden die Spiele keinen Sinn ergeben. Und dann fehlt der Veranstaltung das zentrale Element. Da haben wir uns natürlich gefragt, ob das so passt. Zwölf oder vierzehn wären gut. Aktuell sind wir bei sieben. Wir sind inzwischen aber guter Dinge, das noch hinzubekommen.

Klingt ein bisschen nach Mutmachen und Selbstmotivation…

Künftig möchten wir das anders gestalten. Im Vorfeld sollten Leute antreten, die Sülfmeister werden wollen und ein Team mitbringen. Das sind Botschafter Lüneburgs, das muss man stärker herausstreichen. Die Aspiranten sollten etwas von der Stadt wissen und redegewandt sein. Ich sag‘s mal so: Derjenige muss positiv verrückt sein und Lüneburg im Herzen tragen.

Es gibt immer wieder Kritik, Feste seien zu sehr auf die Interessen der Schausteller angelegt. Was sagen Sie dazu?

Als Gesellschafter haben die Schausteller nicht nur einen legitimen Anspruch, beteiligt zu werden, sondern sie erweitern das Angebot. Zudem müssen
29 die Feste finanziert werden, das funktioniert über Standgebühren. Grundsätzlich müssen wir aber die Attraktivität im Auge haben, und da müssen alle Beteiligten mitwirken. Mein Eindruck ist, die Schausteller sind offen für Ideen und unterstützen sie.

Auch das Citymanagement gehört zu Ihrem Bereich. Es war mal die Rede von einem Leerstandsmanagement, eine andere Beschilderung sollte kommen. Davon merkt man nicht so recht etwas. Was passiert da?

Wir haben vier gute verkaufsoffene Sonntage. Das ist ein wesentlicher Baustein, dazu die Gutscheine. Das bindet Kapazitäten. Am Thema Beschilderung arbeiten wir. Mit dem Thema Leerstand müssen wir uns auseinandersetzen, völlig richtig. Allerdings kann man die Ergebnisse nicht wie bei Veranstaltungen sofort beurteilen. Das ist viel Arbeit im Hintergrund.

Im Tourismus läuft es ja fast zu gut. Manch Einheimischer ist gerade jetzt genervt, weil Touristen in Pulks auftreten.

Der Tourismus ist in der Stadt sicher präsent, aber ich persönlich finde es noch nicht schlimm. Ich freue mich immer, dass ich in einer Stadt leben darf, die offensichtlich attraktiv für Besucher ist. Man sollte nicht vergessen, dass die Gäste auch den Einzelhandel, die Gastronomie und kulturelle Einrichtungen nutzen. Dadurch, dass sie da sind und das Angebot nachfragen, lohnt es sich, und die Lüneburger bekommen mehr geboten.

Hintergrund

Ständige Wechsel

Die Lüneburg Marketing GmbH ist für die Bereiche Tourismus, Citymanagement und Veranstaltungen zuständig. In der Vergangenheit gab es hier viel Kritik. Daraus resultierend war die Personalfluktuation hoch. Immer wieder mussten Geschäftsführer gehen. Zuletzt im September 2018 Claudio Patrik Schrock-Opitz, der die Segel strich, offiziell hieß es später „Trennung in gegenseitigem Einvernehmen“. Für den Übergang kam Ralf Hots-Thomas, der den Job aber im Nebenamt betrieb und nur an einem Tag in der Woche im Marketing-Büro war.

Die Gesellschaft hat 17 festangestellte Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende, und neun Gesellschafter. Beteiligt sind derzeit die Stadt Lüneburg, die Kurmittel GmbH, das Lüneburger City Management, der Schaustellerverband, der Verein Aktive Lüneburger Hoteliers, der Verein der Marktbeschicker, der Verein Lüneburger Kaufleute, die Samtgemeinde Bardowick und die Einheitsgemeinde Adendorf.

Von Carlo Eggeling