Störche fühlten sich in diesem Jahr wohl in der Region. (Foto: t&w)

So viele Störche wie lange nicht

Lüneburg. Ein knappes halbes Jahr, nachdem sie eingetroffen sind, haben sich die meisten Weißstörche, die in diesem Sommer in der Region zu Gast waren, schon wieder auf den Weg in Richtung Süden gemacht. Klar ist jetzt schon: Es war ein gutes Jahr für die Störche.

Als Storchenbetreuer sind Hubert und Gundi Horn (Bleckede) für das linkselbische Gebiet des Landkreises Lüneburg zuständig. 37 Brutpaare und damit ähnlich viele wie im vergangenen Jahr (39), seien im Bereich zwischen Hohnstorf, Bleckede und Adendorf gezählt worden, berichtet Hubert Horn.

Erheblich erfolgreicher als im Vorjahr sind die 37 Paare aber beim Brutgeschäft gewesen: 74 Junge wurden großgezogen, also durchschnittlich zwei pro Paar. Im vergangenen Jahr waren es 56 gewesen. Nur 2004 und 2010 waren es mit 77 und 75 flüggen Jungtieren noch mehr gewesen.

Hubert Horn: „Früher ging man davon aus, dass 2,0 groß gezogene Junge zum Erhalt der Population notwendig sind, heute geht man eher von 1,6 bis 1,8 aus.“

Günstiges Wetter und gutes Nahrungsangebot

Am rechtselbischen Ufer, in der Gemeinde Amt Neuhaus, ist Helmut Eggers (Lübtheen) als Storchenbetreuer unterwegs. Für seinen Bereich hatte er bereits eine Tendenz an Hans-Jürgen Behrmann (Celle-Lachendorf) von der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz des NABU Niedersachsen gemeldet. „Etwa die gleiche Anzahl an Brutpaaren wie im Vorjahr und eine gegenüber 2018 höhere Anzahl an Jungstörchen“, sagt Behrmann. 47 Brutpaare waren im vergangenen Frühjahr nach Amt Neuhaus gekommen, 84 Jungtiere hatten im Sommer das Nest verlassen.

Günstiges Wetter und wohl auch ein gutes Nahrungsangebot, vor allem an Feldmäusen, hatten es den Störchen in diesem Jahr leichter gemacht als im langen, heißen Sommer 2018, vermutet Hubert Horn.

„Die meisten Jungtiere“, so Horn, „haben ihre Nester bereits in Richtung Süden verlassen“, während die Alttiere in den kommenden ein, zwei Wochen folgen werden. Weiter zunehmend sei die Zahl der Westzieher, die zum Winter über Spanien in Richtung Westafrika fliegen, oft auch in Spanien bleiben, wo sie genügend Nahrung in Feuchtbiotopen, Reisfeldern und auf Mülldeponien finden.

Westzieher und Ostzieher

Von dort kehren sie dann früher, in größerer Anzahl und meist in guter Verfassung, zurück. Die Westzieher haben eine deutlich geringere Flugstrecke als die Ostzieher, die östlich des Mittelmeers bis nach Südafrika fliegen. Weil die Zahl der Westzieher stetig zunehme, sei die Entwicklung der Population im Westen und Norden Niedersachsens auch noch positiver als im Osten des Landes, erklärt Hans-Jürgen Behrmann. Bei ihm laufen bis Ende August die endgültigen Zahlen aller 24 Storchenbetreuer aus Niedersachsen und Bremen ein. Anfang Oktober werden bei der Jahrestagung der Storchenbetreuer die offiziellen Zahlen bekannt gegeben.

In Niedersachsen und Bremen hatten sich 2018 insgesamt 1007 Weißstorchpaare niedergelassen. Diese Storchenpaare brachten 1765 Jungstörche zum Ausfliegen. Mit noch besseren Zahlen rechnet Hans-Jürgen Behrmann in diesem Jahr: „Die Steigerung dürfte wieder im zweistelligen Bereich liegen.“ Für Niedersachsen, das neben Brandenburg und Baden-Württemberg zu den Topzielen der Weißstörche gehört, ist das der höchste Storchenbestand seit 60 Jahren.

Hans-Jürgen Behrmann glaubt: „Es bestehen gute Aussichten, dass sich der Anstieg der Storchenpaare bei uns in den nächsten Jahren fortsetzt, zumal dann immer mehr die zuletzt so starken Jungenjahrgänge brutreif werden.“

Von Ingo Petersen