Donnerstag , 24. September 2020
Gestern Vormittag im Freilichtmuseum: Langsam schwebt das Quelle-Fertighaus, das am Tag zuvor noch in Winsen gestanden hatte, ein. Links zu sehen ist die Gasolin-Tankstelle, ebenfalls ein Teil der künftigen „Königsberger Straße“. (Foto: Freilichtmuseum am Kiekeberg)

Eine neue Heimat für ein altes Haus

Rosengarten. Das Projekt „Translozierung“ ist gelungen: Keine 24 Stunden, nachdem ein riesiger Autokran in der Winsener Mozartstraße ein 1966 dorthin geliefertes Fertighaus aus dem Quelle-Versandhauskatalog auf den Haken genommen hatte, war es gestern Vormittag im Freilichtmuseum am Kiekeberg schon wieder aufgebaut. Dort soll es Bestandteil der „Königsberger Straße“ sein, die ab 2023 das Leben in der Bundesrepublik zwischen 1949 und 1979 dokumentieren soll.

„Der Transport hat am Ende doch länger als vermutet, nämlich sechseinhalb Stunden, gedauert“, berichtet Marion Junker, Pressesprecherin des Freilichtmuseums. Gemeinsam mit Kollegen hatte sie ab zwei Uhr in der Nacht am Museum auf den Transport gewartet. Fünf Stunden hatte Ralf Hofbauer vom Spezialtransportunternehmen Max Wild aus Schwaben am Dienstag für die 25 Kilometer von Winsen zum Kiekeberg geschätzt.

Eskorte von der Polizei

Pünktlich um 22 Uhr war der Tieflader, der allein schon 38 Tonnen wiegt, aus der Winsener Mozartstraße gestartet – an Bord der 40 Tonnen schwere Korpus des Quelle-Hauses. 26,5 Meter lang war der Schwertransport, 7,80 Meter breit und fünf Meter hoch.

Eskortiert von der Polizei und mehreren Begleitfahrzeugen ging es über den Altstadtring in Richtung Stelle, an der Auffahrt Maschener Kreuz auf die Autobahn 39, an der Auffahrt Seevetal-Fleestedt wieder herunter, dann über die Maldfeldstraße in Richtung Kiekeberg. Immer wieder mussten Verkehrszeichen entfernt werden, immer wieder hatte der Schwertransport nur wenige Zentimeter Platz an den Seiten.

In Fleestedt wurde es eng

Eng wurde es vor allem in einem Wohngebiet in Fleestedt, wo Büsche zur Seite gedrückt werden mussten, um dem Transport die Durchfahrt zu ermöglichen. Kein Problem gab es dafür am Kreisverkehr direkt am Freilichtmuseum, den Ralf Hofbauer zügig hinter sich brachte.

Um 4.35 Uhr kam das Quelle-Fertighaus, das eine Wohnfläche von knapp 110 Quadratmetern bietet, an seinem neuen Standort an. Innerhalb von nur 20 Minuten wurde dann am Vormittag das Haus vom Tieflader auf das vorbereitete Fundament gesetzt, Fundament und Keller wurden mit dem Haus verbunden. Am frühen Nachmittag war dann auch das Dach, das getrennt vom Haus transportiert worden war, wieder an seinem Platz.

Ab Sommer 2021 zu besichtigen

In einem Lager des Freilichtmuseums am Kiekeberg wurden bereits Mobiliar und zahlreiche weitere Gegenstände aus dem Haus eingelagert. Die werden nun geprüft, sortiert, gegebenenfalls restauriert, ehe sie wieder an ihren alten Platz zurückkommen.

Das Quelle-Fertighaus vom „Typ 110-D“, das zunächst als Musterhaus diente und 1968 von Gisela und Walter Gröll und ihren Söhnen bezogen wurde, soll ab Sommer 2021 zu besichtigen sein. Für die Quelle-Fertighäuser zahlten Käufer in den 1960er-Jahren zwischen 35 000 und 50 000 Euro.

Für das Projekt „Königsberger Straße“ stehen dem Freilichtmuseum insgesamt 6,14 Millionen Euro zur Verfügung. 3,84 Millionen Euro fließen an Fördermitteln vom Bund. pet