Sonntag , 25. Oktober 2020
Die Organisatoren des Glaubenskurses: (v.l.) Martin Blankenburg, Susanne Speith, Matthias Skorning und Dennis Schipporeit. Foto: ahe

Das Werben um die „Kirchenverdorbenen“

Lüneburg. Glauben ist mehr als „nur“ regelmäßig am Sonntag zum Gottesdienst in die Kirche zu gehen oder abends ein Gebet vor dem Einschlafen zu sprechen. Aber was genau ist Glaube? Welche Facetten hat er, und wie kann er Richtschnur für das eigene Leben sein? Unter anderem um diese Fragen geht es in einem Glaubenskursus, den die Evangelische Familien-Bildungsstätte in Lüneburg jetzt zum nunmehr 15. Mal anbietet. Unter dem Motto „Ich glaube, da ist noch mehr…“ richtet er sich an Anfänger, Neugierige und Suchende, wie es die Organisatoren ausdrücken.

Ein Trio hat die Leitung des ökumenischen Angebotes über Konfessionsgrenzen hinweg: Pastor Dennis Schipporeit, Diakon Martin Blankenburg und Kauffrau Susanne Speith. Die insgesamt acht Abende, jeweils mittwochs von 20 bis 22 Uhr in der Bildungsstätte, Bei der St.-Johanniskirche 3, stehen jeweils unter einem eigenständigen Thema, die Bandbreite reicht von Gottesbildern, Vergebung und heilsamen Begegnungen bis hin zum „Blick nach vorn“. Der Auftakt am Mittwoch ist als unverbindliche Einführung zum Kennenlernen konzipiert, erst am Tag danach ist eine verbindliche Anmeldung für die weiteren Abende erforderlich.

Mann, Kinder und ein Haus, aber viele Fragen offen

Den Veranstaltern geht es nicht in erster Linie darum, theologisches Wissen zu vermitteln, sondern vielmehr darum, Glauben zu wecken und christlichen Glauben erfahrbar zu machen. Zwar gibt es an jedem der Abende einen Impuls von Referenten, doch danach gehe es stets da­rum, einander zuzuhören, sich mitzuteilen und zu ergründen, ob die Teilnehmer schon mal eigene Erfahrungen mit dem jeweiligen Thema gemacht haben.

Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre weiß das Leitungsteam, dass die Teilnehmer aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen kommen, von Anfang 20 bis 80 Jahre alt. Blankenburg nennt ein Beispiel: „Zu einem ersten Infoabend kam eine Frau, die mir erzählte: ,Ich habe einen Mann, ich habe ein Haus, ich habe Kinder – und ich habe Fragen, auf die ich keine Antworten habe‘.“ Bei der Suche nach Antworten wollten die Organisatoren helfen, und sie haben das Gefühl, dass ihnen das bislang mit ihrem Angebot auch häufig gelungen ist.

Schlechte Erfahrungen gemacht

Susanne Speith fasst es so zusammen: „Viele haben zwar durchaus einen festen Glauben, aber einfach noch nicht das Passende für sich gefunden.“ Oft hätten Teilnehmer noch eine „eher kindliche Vorstellung von Gott als altem Mann, der irgendwo auf einer Wolke sitzt“. Blankenburg sagt aber auch: „Es kommen viele, die in einer persönlichen Krisensituation sind.“ Matthias Skorning, Leiter der Familien-Bildungstätte, ergänzt: „Natürlich sind auch Kirchenverdorbene dabei, Menschen, die mal mit ihrem Pastor oder in ihrer Gemeinde schlechte Erfahrungen mit Kirche gemacht haben und seither nicht mehr viel damit am Hut haben.“

Von Alexander Hempelmann