Samstag , 19. September 2020
LINKS: Die Brunnenskulptur „Küssende Studenten“ in Tartu zieren auch die Namen der Partnerstädte. Ein ähnlicher Brunnen könnte auch in Lüneburg entstehen. RECHTS: Die Alternative: Ein Wasserspiel mit kleinen Fontänen und Sitzwürfeln. Ähnliche, wassersprudelnde Elemente gibt es unter anderem auch in Bad Bevensen oder Lübeck. Foto/Fotomontage: Stadt Lüneburg

Welcher Brunnen darf‘s denn sein?

Lüneburg. Fast zwei Jahrzehnte ist es her, dass ein geplanter Brunnen vor der IHK von sich reden machte. Der Entwurf des „Grapengießers“ wurde 2000 im Rahmen eines Wettbewerbs als Sieger gekürt – und 2007 zu den Akten gelegt. Denn es wollten einfach nicht genug Spenden fließen. 2012 machte der Brunnenverein erneut einen Anlauf zur Realisierung des Projektes, hatte aber nicht mit dem Widerstand von Nachbarn gerechnet. Der Verein ist inzwischen Geschichte. Doch Ideen für einen Brunnen sprudeln weiter. Im Rennen sind derzeit zwei Vorschläge, die im Kulturausschuss diskutiert wurden.

Wasserspiel oder umsprudeltes Liebespaar

Bereits Ende Januar 2018 hatte die Stadt ein Wasserspiel mit kleinen Fontänen und Sitzwürfeln aus Granit in einem rechtwinkligen Feld mit Ausrichtung auf den Sand vorgestellt. Laut Stadt würden sich die Kosten auf rund 170.000 Euro belaufen.

Als Alternative hat nun der Lüneburger Unternehmer Karl-Heinz Hebrok, unterstützt von der Deutsch-Estnischen Gesellschaft, einen Brunnen ins Spiel gebracht, der bereits in Lüneburgs estländischen Partnerstadt Tartu steht. In einem runden Brunnenbecken steht eine Bronzestatue in Form eines Liebespaares, das von Wasserfontänen umgeben wird. Umrandet wird das Brunnenbecken durch einen Natursteinsockel, von dem aus kugelförmige Wasserspeier das Becken zusätzlich mit Wasser versorgen. Die Kosten belaufen sich schätzungsweise auf 270.000 Euro. Die Bronzestatue und die Wassertechnik hätten ihren Preis, erklärte Uwe Rollert vom Vorstand. Laut Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat Hebrok, ehemals langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft, einen Architekten bereits mit einem Entwurf beauftragt, der dem Original in Tartu ähnlich ist. In Aussicht gestellt habe er auch, Vorplanungskosten in Höhe von 30.000 Euro zu übernehmen.

Das Modell „Grapengießer“ gewann zwar im Jahr 2000 einen Wettbewerb, wurde dann aber nie realisiert. Foto: A/oc

Ausschuss war nicht beschlussfähig

Für beide Projekte gilt: Sie sorgen nicht nur für eine Belebung des Platzes, sondern auch für eine Verbesserung des Klimas in der Stadt. Sprudeln sollen sie von April bis September täglich von 10 bis 22 Uhr. Welches umgesetzt werden soll, solle der Rat der Stadt im Oktober entscheiden, sagte Mädge im Ausschuss. Da nur vier Mitglieder anwesend waren, war der Ausschuss nicht beschlussfähig. Gleichwohl zeichnete sich ein Stimmungsbild ab.

Hiltrud Lotze (SPD) meinte, sie schätze das Engagement von Hebrok. Aber die Variante mit Fontänen gefalle ihrer Fraktion besser, denn diese stehe für Frische. Die Wasserspiele hätten außerdem den Charme, dass sie für Kinder bespielbar seien und man darin die Füße abkühlen könne. Darüber hinaus ist für sie denkbar, den anderen Brunnen an einer anderen Stelle in Lüneburg zu installieren. Auch Susanne Neuhaus (Grüne) sprach sich für das ebenerdige Fontänen-Spiel aus, „das den Platz beleben würde“. Die Granitblöcke als Sitzgelegenheit empfindet sie jedoch als kalt und ungemütlich, Holzauflagen könnten aus ihrer Sicht da Abhilfe schaffen.

Großteil des Geldes muss aus dem Haushalt fließen

So richtig entscheiden könne sie sich derzeit weder für den einen noch den anderen Brunnen, meinte die Ausschussvorsitzende Birte Schellmann (FDP). Sie lobte die Idee von Hebrok, durch den Brunnen der Partnerschaft zwischen den beiden Städten Ausdruck zu verleihen. Allerdings scheint er ihr zu groß, wenn gleichzeitig eine Restauration auf dem Platz weiter stattfinden soll. Bei der Wasserspiel-Variante sieht sie die Gefahr, dass ältere Menschen im Winter, wenn die Fontänen abgestellt sind, über die Steinblöcke stolpern könnten.

Im Topf hat die Stadt 38.000 Euro verbliebenes Vermögen des Grapengießerbrunnen-Vereins, das Geld ist zweckgebunden für den Neubau eines Brunnens zu verwenden. Hinzukommen könnte gegebenenfalls die Spende von Hebrok. Der Rest müsste bei beiden Varianten in den Haushalt eingestellt werden.

Von Antje Schäfer