Dienstag , 29. September 2020
Kostenfrei duschen, das soll nach dem Willen der Linken künftig am Salü möglich sein. Foto: Adobe Stock

Wohnunglose sollen im Salü kostenlos duschen können

Lüneburg. Badehäuser oder sogenannte Volksbäder sind längst Geschichte. Aber in Lüneburg könnten sie eine Neuauflage erleben, in abgeänderter Form. Die Fraktion der Linken beantragt zum Wirtschaftsausschuss, dass im Zuge der Sanierung im Salü „jederzeit zugängliche und kostenfreie Sanitäranlagen inklusive Duschen sowie eine Trinkwasserentnahmestelle“ entstehen sollen. Die Stadt, die direkt sowie indirekt über die Gesundheitsholding Anteile an der Kurmittel GmbH hat, soll das veranlassen. Der Wirtschaftsausschuss tagt am Mittwoch, 21. August, 16 Uhr, in der Volkshochschule, Haagestraße 4.

Der Fraktionsvorsitzende Michel Pauly begründet das Anliegen: Wasser sei ein Menschenrecht. Der Zugang zu Trinkwasser und die Möglichkeit sich zu waschen, sollten auch in außergewöhnlichen Lebenssituationen nicht vom Geldbeutel abhängen. Damit die Wasch-, Dusch- und Trinkmöglichkeiten jederzeit zugänglich sind, plädiert Pauly dafür, „dass ein Teil der ohnehin geplanten Sanitäranlage einen von außen erreichbaren Eingang erhält, der außerhalb der Öffnungszeiten genutzt werden kann. Innerhalb der Öffnungszeiten könnten die Sanitäranlagen vor die Schrankensysteme versetzt werden. So erhielten Obdachlose aber auch alle anderen Menschen wie wandernde Touristen eine Möglichkeit, sich auch ohne Bezahlung zu erfrischen“.

Seit Anfang 2018 läuft die bauliche Umsetzung

In einer Stellungnahme heißt es dazu von der Stadtverwaltung: Das Vorhalten kostenfreier Sanitäranlagen inklusive Duschen und einer Trinkwasserentnahmestelle entspräche nicht dem Gesellschaftszweck der Kurzentrum Lüneburg Kurmittel GmbH. Als Hauptzweck verfolge diese die Ziele, „der öffentlichen Gesundheitsvorsorge und der allgemeinen sportlichen Ertüchtigung von Kindern und Erwachsenen zu dienen. Hierfür betreibt die Gesellschaft das Freibad, das Hallenbad sowie das Salü“, heißt es aus dem Rathaus. Angeführt wird auch, dass über den Gesellschaftszweck hinausführende Aktivitäten „keinesfalls zu Spannungen mit dem angrenzenden Hotel, zahlenden Gästen des Salü sowie Patienten der Tagesklinik führen dürften.

Vier Jahre ist es her, dass mit den Planungen für die Modernisierung der Badewelt inklusive neuem Wellenbecken begonnen wurde. Seit Anfang 2018 läuft die bauliche Umsetzung. In Anbetracht dessen gibt die Verwaltung zu bedenken, dass größere Änderungen, die mit dem Antrag einhergehen würden, in einigen Bereichen eine komplette Neuplanung bedeuten würden. Planungsänderungen würden zudem dazu führen, dass sich das Bauprojekt zeitlich erheblich verzögern und verteuern würde.

Angebot käme auch Wanderern zugute

Gemäß dem Gesellschaftervertrag müsse der Aufsichtsrat die Sache vorberaten, die Entscheidung liege dann bei der Gesellschafterversammlung.

Pauly weist darauf hin, dass in diesen Wochen die Planung für die Innengestalltung läuft. Aus seiner Sicht wären große Änderungen im Innenbereich gar nicht nötig, „dass alle Menschen, wohnungslose Menschen ebenso wie Wanderer auf dem Jakobsweg, kostenlos zugängliche Dusch- und Trinkmöglichkeiten bekommen“. Die Eintrittpreise würden bezuschusst, weil Dividenden aus Aktien in die Gesellschaft fließen. Dennoch könnten sich manche die Eintrittspreise nicht leisten. Das wolle man nun ändern.

Ulrich Blanck, Fraktionsvorsitzender der Grünen und Vorsitzender des Aufsichtsrates, bezeichnet die Anregung der Linken als „bemerkenswert“. Aber sie komme zu spät, weil die Umbauphase im Salü schon weit vorangeschritten sei. „Umplanungen mitten im Projekt verursachen zusätzliche Kosten, siehe Arena.“

Von Antje Schäfer

Einrichtungen für Wohnungslose

So ist die Situation derzeit

Beim Lebensraum Diakonie stößt die Idee des ungehinderten, niederschwelligen Zugangs zu Trinkwasser und Sanitäranlagen grundsätzlich auf offene Ohren. Zwar gebe es für die eigene Klientel im Bereich der Wohnungsnotfallhilfe Gelegenheiten zur Trinkwasserversorgung und zur Nutzung von Sanitäranlagen in der Herberge plus Beim Benedikt, Geschäftsführer Michael Elsner sagt aber: „Allerdings können wir an der Stelle mit einer ohnehin hohen Dichte an Personen und Problemlagen nicht überdies hinaus im Sinne einer Versorgung aller sicherstellen. In der Anlaufstelle Wendepunkt an der Salzstraße gibt es eingeschränkte Öffnungszeiten. Zudem mag nicht jede Person in extremer Armut unsere Angebote in Anspruch nehmen – aus unterschiedlichen Gründen. Eine allzeitige kostenlose Zugangsmöglichkeit zu Wasser und Sanitärversorgung für Menschen, die ,unterwegs‘ sind oder schlicht auf der Straße, wäre zu begrüßen. Allerdings dürfte hier die Frage einer verantwortlichen Bewirtschaftung einer solchen Versorgungsstelle bestehen. Ob der Standort Salü grundsätzlich und unter welchen Bedingungen geeignet wäre, kann ich nicht beurteilen.