Am Glockenhof, im Herzen der Lüneburger Innenstadt, soll nach der Kulturbäckerei ein weiterer Treffpunkt für Künstler unter der Regie der Sparkassenstiftung entstehen. Foto: as

Galerie statt Café am Glockenhof

Lüneburg. Die Kulturbäckerei zieht mit Ausstellungen, Theater sowie ihren offenen Ateliers pro Jahr rund 70.000 Besucher. Längst findet sie bundesweit Beachtung – Bravo-Starschnitte, die Retrospektive der Werkstatt Rixdorfer Drucke und die Ausstellung „Hipgnosis. Daring To Dream“ haben sie zu einer Marke im Kulturbetrieb gemacht. Betreiber ist die Sparkassenstiftung von Stadt und Kreis, die mehr als 300 Projekte pro Jahr auch in den Bereichen Jugend, Bildung, Umwelt und Sport fördert. Geschäftsführer Carsten Junge stellte nun im Kulturausschuss unter anderem ein neues Projekt im Herzen der Stadt vor: In das Gebäude im Glockenhof, zuletzt noch ein Café, soll ein Galeriehaus mit wechselnden Ausstellungen und Kleinkunstveranstaltungen einziehen.

Unternehmer stellt einen Millionenbetrag bereit

Dass die Sparkassenstiftung einen weiteren besonderen Ort der Kunst und Kultur schaffen kann, sei dem Lübecker Unternehmer und Mäzen Uwe Lüders zu verdanken, erklärte Junge im Ausschuss. Bereits seit 2016 lobt seine Treuhandstiftung, die an die Sparkassenstiftung Lüneburg angedockt ist, ein dreimonatiges Arbeitsstipendium aus für bildende Künstler aus dem Bereich Malerei mit freiem Wohnen im Roten Hahn.

„Nun hat er einen Millionenbetrag zur Verfügung gestellt, mit dem wir das Gebäude im Glockenhof erwerben konnten“, berichtete Junge. Der Vorschlag für dieses Gebäude kam von Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, bei Lüders kam er gut an. Die Sparkassenstiftung geht jetzt in die Planung. Für Junge ein spannendes Projekt, weil Kunst und Genuss – ans Kulinarische ist auch gedacht – hier unter ein Dach gebracht werden sollen. Die Eröffnung ist für Sommer 2020 geplant.

Neues Domizil auch für das Projekt „1000 Steine“

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiches Mäzenatentum sei das Projekt „Let‘s Rock“ an der Bockelmannstraße. In Kooperation mit der Jürgen Thiele Stiftung war an der Bockelmannstraße ein Gebäude mit sieben Probe-räumen entstanden, 15 Lüneburger Bands nutzen diese zurzeit. Nun gibt es Überlegungen für einen dritten Bauabschnitt, in den das Projekt „1000 Steine“ einziehen könnte. Bisher war das Projekt, das Jugendlichen Übungsräume und Instrumente zum kreativen Ausprobieren anbietet, in einem Gebäude der Sparkasse im Lünepark zu Hause. Das wurde nun verkauft. Man möchte jedoch weiterhin Räume für „1000 Steine“ anbieten, sagt Junge, denn es sei ein wichtiges Projekt, aus dem viele Lüneburger Musiker hervorgegangen seien.

Wachtürme sollen erhalten werden

Konzeptioniert wird derzeit außerdem ein Projekt gegen das Vergessen. Unweit des Anwesens Konau 11, das die Sparkassenstiftung zu einem Ort der Kultur, dem Erhalt von Streuobstwiesen und der Gastlichkeit mit einem Hofcafé gestaltet hat, soll ein Mahnmal an der deutsch-deutschen Grenze entstehen. Drei ehemalige Wachtürme sollen für die Zukunft erhalten werden, dort Ausstellungen über den Grenzbereich sowie Zwangsumsiedlungen angesiedelt werden. Die Kosten dafür werden auf rund eine Million Euro geschätzt. „Wir möchten dafür Fördermittel vom Bund einwerben“, sagte Junge.

Der Ausschuss hatte diesmal in Konau 11 getagt, weil die Mitglieder zuvor einen Abstecher ins Kunstarchiv Lüneburg der Sparkassenstiftung im Amt Neuhaus gemacht hatten. Rund 7000 Exponate zählen zu der Sammlung von Künstlern aus der Region.

Das Wirken der Sparkassenstiftung unter Federführung von Junge speziell im Bereich von Kunst und Kultur bezeichnete die Ausschussvorsitzende Birte Schellmann (FDP) als beeindruckend. „Das ist bundesweit einmalig in dieser Form.“

Von Antje Schäfer