Samstag , 24. Oktober 2020
Freuen sich gemeinsam über die Auszeichung (v.r.): Stiftungsrats-Vorsitzende Johanna Gerhard, Eberhard Manzke, mosaique-Initiatorin Corinna Krome und ein Teil des Teams. Foto: Boldt

Die Magie eines Mosaiks

Lüneburg. Es wurde am Sonnabendvormittag brechend voll in „Lüneburgs größtem Wohnzimmer“, wie der Verein mosaique sein Haus der Kulturen an der Katzenstraße nennt. Manch einer der geladenen Gäste kannte die Räume nur aus den Zeiten, als hier die Musikschule ihre Heimat hatte – und war fasziniert über das neue Leben in den komplett renovierten Räumen.

Die Friedensstiftung Günter Manzke hatte zu ihrer jährlichen Verleihung der Förderpreise eingeladen. Dass sie in diesem interkulturellen Begegnungszentrum stattfand, hatte seinen Grund: Mit 12.000 Euro konnte mosaique-Initiatorin Corinna Krome in diesem Jahr den größten Scheck entgegennehmen. „Wir wollen damit die Vision der gemeinsamen Gestaltung einer friedlichen Welt auszeichnen“, betonte Johanna Gerhard, Vorsitzende des Stiftungsrates, das Votum der Jury.

Mehr als 2000 Veranstaltungen im Jahr

Ein Mosaik ist ein Bild aus lauter kleinen zusammengesetzten Teilen – Gerhard sprach beim Blick auf die mehr als 2000 Veranstaltungen im Jahr, die von 250 Ehrenamtlichen der verschiedensten Nationen organisiert werden, von der „Magie des mosaique“: „Es geht immer um Freundschaft, gegenseitigen Respekt und die Anerkennung der Vielfalt der Menschheit.“ Mit dem Geld soll die Initiative „diese selbstlose und erfüllende Aufgabe“ weiterführen können, erklärte die Vorsitzende.

Wenige Kilometer weiter auf dem Land gibt es einen ähnlichen Ansatz im ehemaligen Dorfgasthof von Reinstorf. Hier fördert der Verein „One World Ostheide“ seit 2015 die Integration von Geflüchteten mit privater Initiative. Inzwischen ist ein kulturelles Zentrum entstanden, das zudem durch Förderprojekte auch eine Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen soll. „Hier wird bei jungen Leuten die Begeisterung entwickelt, das Leben in die eigene Hand zu nehmen“, lobte Gerhard den „sehr schönen Ort der Begegnung“. 5000 Euro erhält der Verein und die Laudatorin gab dem Publikum noch einen Tipp mit auf den Weg – „dahin lohnt sich ein Ausflug“.

Drei weitere Projekte zeichnet die Stiftung darüber hinaus in diesem Jahr aus. Der Verein „move on up“ erhält 4000 Euro, um damit Projekte mit jungen Leuten zu finanzieren, die nach der Schule nicht den Weg in die Arbeitswelt gefunden haben.

„Wir schaffen das“

Anerkennungspreise in Höhe von 1000 Euro gehen an die Projektgruppe Timeloberg des Wilhelm-Raabe-Gymnasiums für die Informationstafeln, die an die bedingungslose Kapitulation der deutschen Truppen in Norddeutschland am 4. Mai 1945 erinnern sowie an den Verband sozialtherapeutischer Einrichtungen für seine Arbeit mit Kindern von psychisch kranken Eltern.

Das Rahmenprogramm war wegen des Ausfalls eines Künstlers dezimiert, doch Corinna Krome stimmte spontan ihr selbst komponiertes mosaique-Lied an, in dessen Refrain dann die Gäste einstimmten, bevor sie diese an ein vielfältiges internationales Buffet bat, das die Ehrenamtlichen liebevoll zubereitet hatten.

Zuvor hatte Jens Thomsen noch eine Botschaft: Der Satz „Wir schaffen das“ sei vielfach interpretiert worden. Er habe es geschafft, durch sein Engagement in der Flüchtlingshilfe in eine andere Lebenskultur zu kommen: „Wenn es von unten funktioniert, dass wir uns als gemeinsame Gesellschaft verstehen, funktioniert es oben auch.“

Von Marc Rath

Friedensstiftung Günter Manzke

Millionen-Grenze übersprungen

50 Jahre nach Kriegsende gründete der Lüneburger Unternehmer Eberhard Manzke die Friedensstiftung zum Gedenken an seinen Vater Günter. „Ich möchte 50 Jahre nach Kriegsende dafür danken, dass ich mein ganzes bisheriges Leben ohne Krieg in unserem Lande leben durfte.“ Eberhard Manzkes Sohn Felix-Benjamin betonte am Sonnabend, dass die Stiftung auch weiterhin Initiativen unterstützen werde, „die eine humanitäre Gesellschaft prägen“.

Aufgabe der Stiftung ist „die Förderung von internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens in der Region Lüneburg“. Dazu werden unter anderem jährlich kulturelle und soziale Projekte finanziell unterstützt. Bislang waren dies bereits 396.000 Euro.

Mit 100.000 Mark Stiftungskapital 1995 gestartet, ist die Summe durch Zustiftungen zum 25. Jahr nunmehr über die Millionen-Grenze gesprungen: Aus den Zinserträgen von derzeit 1,04 Millionen Euro können die Projekte gefördert werden.