Dienstag , 11. August 2020
Der Salzmarkt existiert bislang nur als TV-Kulisse in den Rosen-Studios an der Lilienthalstraße. Foto: be

Bekommt Lüneburg einen Salzmarkt?

Lüneburg. Es schien nur eine Randbemerkung auf der Gala zur 3000. Folge, und doch steckt dahinter nicht bloß ein kurzer Gag am Rande eines Festmenüs, sondern ein ernstzunehmender Wunsch: „Kriegen wir einen Salzmarkt?“ wollte Johannes Züll wissen. Züll ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Studio Hamburg Gruppe, die die Roten Rosen produziert. Adressat seiner Frage war Eduard Kolle, der als Bürgermeister die Stadt Lüneburg vertrat und prompt schon eine Örtlichkeit dafür im Hinterkopf hatte: „In der Altstadt gibt es einen schönen Platz mit Wasserspiel an der Neuen Straße, der käme doch infrage.“

Straßenlaternen und Rankpflanzen

Der Salzmarkt liegt am Ende der Sülfmeistergasse, das wissen Fans der Fernsehserie längst. Der idyllische Platz inmitten der für Lüneburg typischen Altstadt-Häuser lädt ein zum Verweilen, viele Gespräche wurden hier schon bei einer Tasse Cappuccino geführt, manch ein Schicksal nahm auf dem Salzmarkt eine entscheidende Wendung. Doch wenn das TV-Team diesen Schauplatz wählt, bleiben sie im Studio an der Lilienthalstraße. Denn den Salzmarkt, der seit gut drei Jahren immer wieder über die Fernsehbildschirme flimmert, gibt es – anders als bei den meisten anderen Schauplätzen der Serie – im realen Leben nicht. Die Häuserfassaden, das Kopfsteinpflaster, Straßenlaternen, Rankpflanzen – alles nur Fassade, geschaffen vom Studioarchitekten Marcus Rinn. Immerhin: der Kaugummiautomat ist echt. Der Vorteil der Kulisse: Das Wetter spielt hier keine Rolle. Doch er hat auch einen Nachteil: Atmosphärisch reicht eine Kulisse selbst mit moderner Computertechnik eben nicht immer an die Aufnahmen in der echten Welt heran. Ein echtes Pendant zur Studiokulisse – das wäre also schon was.

Jede neunte Stadtführung dreht sich um die Rosen

Judith Peters weiß um die Popularität des Salzmarktes, denn immer wieder kommen Fans der Serie zu ihr in die Tourist-Info und wollen wissen, wie sie denn dorthin kommen. „Viele wollen sich da einfach mal hinsetzen. Wenn wir denen dann sagen, dass der Platz nicht real existiert, sind einige schon enttäuscht“, sagt die Mitarbeiterin der Marketing GmbH. Dass Lüneburg beinahe Jahr für Jahr neue Touristenrekorde knackt, liegt auch – das ist nicht neu – zu wesentlichen Teilen an den Rosen. Die Fans wollen die Stadt, die sie nur aus der Serie kennen, gern auch mal live erleben. Judith Peters kann das mit Zahlen untermauern: „Wir hatten im vergangenen Jahr 5400 Stadtführungen, davon waren 611 Rosen-Themenführungen. Das sind rund 11,3 Prozent.“

Stadt ist nicht abgeneigt

Die Fans der Serie wollen das Rosen-Hotel sehen, das gesamte Wasserviertel mit dem Stint und die Altstadt. Doch nicht alles können die Stadtführer eben auch zeigen, wie Peters verdeutlicht. „In jeder Staffel gibt es ja einen besonderen Schauplatz wie zum Beispiel die Töpferwerkstatt oder den Bonbonladen, die es so in Lüneburg nicht gibt.“ Dazu zählt eben auch der Salzmarkt – zumindest noch. Denn Kolle sagt: „Wir als Stadt würden uns da nicht querstellen und das ausbremsen, wenn die Rosen das wirklich wollen und einen entsprechenden Antrag stellen. In jedem Fall aber müsste man natürlich den Arbeitskreis Lüneburger Altstadt einbinden.“ Auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge wäre der Realisierung des Wunsches nicht abgeneigt: „Grundsätzlich ist das durchaus vorstellbar. Wir werden prüfen, ob und wo im Stadtgebiet das umsetzbar wäre.“

Von Alexander Hempelmann