Montag , 28. September 2020
Zum Besuch am Arendsee gehört die Rundfahrt mit der Queen fast zum Pflichtprogramm. Foto: dojo

Versteckte Perle in der Altmark

Logo "Von der Elbe bis zur Heide"Arendsee. Atmosphärisch am schönsten ist es wohl morgens am Arendsee, dann liegt diese gigantische Perle – wie die Altmärker den See liebevoll nennen – still da wie ein Spiegel. Jetzt im August können schon mal ein paar Nebelschwaden drüber ziehen. Hier und da steigen aus dem Schilf ein paar Gänse auf. Idylle pur! Die Sonnenauf- und -untergänge am See sind Feuerwerke der Farben. In der westlichen Altmark ist der Arendsee der Besuchermagnet schlechthin.

Längst hat er Liebhaber in Ost und West. Zu DDR-Zeiten war wohl nahezu jedes Kind einmal in den Ferien am Arendsee. Auch heute gehört er für viele Kinder im Norden zum Sommer dazu – ob zum Camping mit der Familie oder aber zum Ferienlager oder zur Schulfreizeit ins KIEZ mit den vielfältigen Freizeitangeboten.

Der Arendsee ist mit rund fünf Quadratkilometern Fläche der größte natürliche See Sachsen-Anhalts, an den tiefsten Stellen wurden knapp 50 Meter gemessen. Spannend ist die Entstehungsgeschichte seiner jetzigen Form – genau genommen ist der Arendsee ein Einbruch-See. Er liegt unmittelbar über einem Salzstock – der mehrfach eingebrochen ist. Der Sage nach versank beim letzten Mal – im späten 17. Jahrhundert – gleich die Mühle des Ortes. Wegen seines Untergrunds ist immer wieder mal die Idee einer Salztherme aufgeworfen worden – bislang fehlt es an der Umsetzung.

Zentrales Strandbad mit Riesenrutsche und Seetribüne

Wer den See und seine Umgebung vom Wasser aus entdecken möchte, für den gibt es verschiedene Möglichkeiten. Täglich dreht der Dampfer „Queen Arend­see“ auf dem See seine Runden.

Darüber hinaus wird gesegelt, gerudert – und auch Tretbootfahren ist möglich. Natürlich ist der See im Sommer das reinste Badeparadies. Das zentrale Strandbad mit Bademeister, Riesenrutsche, Wasserspiele und Seetribüne liegt auf der Stadtseite – doch rund um den See gibt es etliche, zum Teil versteckte Badestellen. Wegen der Hitze im vorigen und diesem Jahr hat sich der See derzeit um etwa 70 Zentimeter zurückgezogen. Also – es dauert eine Weile bis es ins Tiefe geht. Derzeit bescheinigt Arend­sees Tourismus-Chef Michael Meyer dem See beste Wasserqualität.

Wem das Wasser nicht behagt, der sollte den See umrunden. Mit dem Rad geht das ganz gut, zu Fuß ist es ebenso schön. Rund um den See sind es 9,4 Kilometer, es geht durch Wäldchen, vorbei an schmucken Ferienhäusern – und auch am Wahrzeichen von Arendsee: dem Kloster. Von dem ist selbst nur noch die Ruine erhalten – und die in ihrer romanischen Architektur beeindruckende Klosterkirche. Im Sommer ist das Kloster-Areal beliebte Spielstätte fürs Theater der Altmark – und inzwischen auch szenische Lesungen oder Kleinkunst.

Jugendfilmcamp mit eigenem Festival

Wilfried Kagel ist der Fischer vom Arendsee, in dem er Maränen fängt und anschließend räuchert. Foto: dojo

Ob nun zu Fuß oder mit dem Rad – ein Muss auf dem Rundweg ist ein Besuch bei Wilfried Kagel, dem Fischer vom Arendsee, mit seinen 78 Jahren ist er fidel wie eh und je. Unbedingt probieren sollte man hier die Maräne. Frisch gefangen im See und von eigener Hand geräuchert. Der mit dem Lachs verwandte Fisch ist nicht allzu groß, aber sehr fein im Geschmack.

Was die wenigsten in der altmärkischen Provinz erwarten: Der Arendsee mausert sich zur Filmstadt, etwas übermütig fällt schon mal der Name „Klein Babelsberg“. Zwar gibt es noch keine feste Akademie übers ganze Jahr dort, dafür aber das Jugendfilmcamp. Das Motto: Dein Film in einer Woche! Im vorigen Jahr haben dort mehr als 500 Jugendliche aus ganz Europa über 50 Filme erschaffen. Es gibt klassische Kurse wie Regie, Schauspiel und Kamera, aber genauso können sich Jugendliche ab 16 in der Welt von Stunts, Maskenbild oder Virtual Reality ausprobieren. Die Dozenten sind Profis, übernachtet wird in aufgepeppten Campingwagen. Gefeiert werden die Ergebnisse des Jugendfilmcamps übrigens immer beim Filmfestival Arendsee – dieses Jahr am 7. September.

Noch haben es die jungen Filmemacher nicht zu der Berühmtheit gebracht wie Gustaf Nagel – ohne Frage der bekannteste und wohl auch der eigenwilligste Mann vom Arendsee. Er war Freigeist, Aussteiger, Wanderprediger – und Schreibreformer. Ein Vegetarier mit wallendem Haar und langem Bart, der stets barfuß lief – und in den 20er-Jahren geradezu einen Pilgerboom in die Stadt am See auslöste. Heute erinnern Schautafeln und Reste seines Tempels am Ufer des Sees zwischen Kloster und Strandbad an den streitbaren Geist.

Vom Arendseer Kloster stehen nur noch einige Grundmauern – das Areal hat sich in den vergangenen Jahren zur beliebten Spielstätte für Kleinkunst und Theater gemausert. Foto: dojo

 

Tipps

Fischerei und Kloster

Empfehlungen für Ausflügler sind Besuche in der Fischerei Kagel, montags und dienstags geschlossen, ansonsten von 9 bis 18 Uhr sowie im Kloster Arendsee, geöffnet dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, allerdings nur von Mai bis Oktober.

Weitere Informationen finden sich auch im Internet unter www.luftkurort-arendsee.de und www.jugendfilmcamp.de

von Doreen Jonas