Rahel Nastke (17) zeigt, wo genau sie in Mexiko ein Jahr lang tätig sein wird. Foto: privat

„Das ist alles wie eine große Wundertüte“

Lüdershausen. Schon früh im Leben stand für Rahel Nastke fest, dass sie die Welt entdecken will. „Als Fünftklässlerin war mir klar, dass ich nach der Schule auf jeden Fall ins Ausland gehen werde“, erzählt die 17-Jährige.

Vielleicht komme die Sehnsucht, andere Länder und Kulturen kennen zulernen daher, dass sie ihr bisheriges Leben im eher kleinen und beschaulichen Dorf Lüdershausen verbracht hat. „Hier bin ich groß geworden, doch nun ist es Zeit, mal woanders zu leben“, meint sie. Daher heißt es jetzt, Koffer packen. Denn ihren Plan, hinaus in die weite Welt zu ziehen, setzt sie wenige Wochen nach dem Abitur am Bernhard-Riemann-Gymnasium in Scharnebeck in die Tat um. Ihr Ziel: Mexiko.

Eine Art Schule mit Tagespflege

„Mein Zuhause für das nächste Jahr ist eine Gastfamilie in der Stadt Toluca, die ungefähr 65 Kilometer südwestlich von Mexiko-Stadt liegt“, erzählt Rahel Nastke. Dort in der höchst gelegenen Stadt des mittelamerikanischen Landes, in einer Höhe von mehr als 2600 Metern, wird sie mit Menschen mit Sehbehinderung arbeiten. „Ich mache ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Art Schule mit Tagespflege.“

Viel weiß sie noch nicht über ihre künftigen Aufgaben in der Einrichtung für Kinder und Erwachsene. „Es gibt Angebote, die von Workshops für Mathe, Yoga und Kochen bis hin zu Kunst und Tanz reichen. Bei diesen Aktivitäten werde ich die Sehbehinderten begleiten.“ Ansonsten, sagt sie, lasse sie sich überraschen von dem, was da sonst noch auf sie zukommt. „Das ist alles wie eine große Wundertüte.“ Auch, dass sie statt in einem 450-Einwohner-Dorf in einer knapp 490.000 Einwohner zählenden Großstadt leben wird, ist für sie eine neue Erfahrung. Dass es sie nach Mexiko verschlägt, sei Zufall. „Beworben hatte ich mich bei verschiedenen Organisationen für ein FSJ, auch für die Philippinen, für Ecuador, Namibia und Südafrika. „Den Zuschlag habe ich dann bei der Organisation ICJA in Berlin im Februar erhalten. Für drei verschiedene Länder konnte ich mich dort bewerben: Mexiko, Dominikanische Republik und Costa Rica. Seit vier Wochen kenne ich nun auch mein Projekt.“

Vorbereitung auf das Studium

Für Rahel Nastke eröffnet das FSJ in Mexiko darüber hinaus noch eine andere Möglichkeit. „Da ich nach dem Jahr ein Studium ‚Soziale Arbeit‘ beginnen möchte, ist das FSJ mein beruflicher Einstieg. Es wird als Vorpraktikum anerkannt, das wiederum Voraussetzung fürs Studium ist“, berichtet sie. Doch das ist alles noch fernere Zukunft. Denn zurzeit laufen die Vorbereitungen für den Abflug nach Mexiko am Mittwoch, 21. August, auf Hochtouren. Nachdem sie gerade erst von einem Vorbereitungs-Seminar für den Auslandsaufenthalt aus Hattingen zurückgekehrt ist, stehen nun noch an: Check beim Zahnarzt, letzte Impfungen, Visum in Berlin abholen. Wenn dieses Vorgeplänkel erledigt ist, kann Rahel Nastke ihren Plan verwirklichen, ins mehr als 9500 Kilometer entfernte Abenteuer aufbrechen und endlich die Welt entdecken.

Von Stefan Bohlmann

Zur Sache

Gesellschaftliches Engagement

Der ICJA wurde 1949 unter dem Namen „Internationaler Christlicher Jugendaustausch“ gegründet. Inzwischen führt der gemeinnützige Verein ein weltweites Austauschprogramm für Freiwillige durch. Die Freiwilligen leben für ein halbes oder ganzes Jahr in einem Gastland und unterstützen dort ehrenamtlich ein lokales Projekt. Der Freiwilligenaustausch weltweit soll durch internationale Begegnungen und interkulturelle Bildung praktische Friedensarbeit und gesellschaftspolitisches Engagement fördern, so die Ziele des ICJA. Das FSJ ist über den Verein in mehr als 40 Ländern möglich.