Statt Portugal nach Dänemark: Kristina Brinkmann (r.) aus Winsen genießt den Urlaub mit ihren Töchtern Merit (l.) und Emma. Foto: privat

Nicht abgehoben

Lüneburg. Seit Monaten protestieren Jugendliche gegen die Klimapolitik, fordern aber auch ein Umdenken im Konsumverhalten. Dazu gehört: umweltbewusster reisen. Haben die Demonstrationen in der Region etwas am Reiseverhalten ändern können?

Innerhalb der Fridays-for-Future-Bewegung auf jeden Fall. „Ich wäre dieses Jahr gerne nach Portugal geflogen“, berichtet etwa Kristina Brinkmann aus Winsen. Zwar habe ihre Familie ohnehin nicht zu den Vielfliegern gehört, doch im Zuge der immer größer werdenden Klimadebatte entschied sie sich stattdessen, nach Dänemark zu fahren – mit dem Auto. „Zwischendurch hatten wir noch überlegt, nach Portugal den Zug zu nehmen“, doch das hätte eindeutig zu lange gedauert. Brinkmanns Töchter sind beide bei „Fridays for Future“ aktiv, und die Familie bemüht sich, möglichst klimafreundlich zu leben.

Mit dem Reisebus nach Südeuropa?

In ihrer Freizeit singt die Ärztin Kristina Brinkmann in einem Chor, und auch der reist jetzt – in Teilen – anders, als ursprünglich angedacht. „Wir fahren mit dem Zug nach Turin, eine Strecke, die ich vorher geflogen wäre.“ Da früh genug gebucht wurde, koste die Fahrt 75 Euro pro Strecke – weniger, als sie dachte. Dennoch braucht man Sitzfleisch, denn mit dem ICE ist man 13 Stunden unterwegs.

Auf den freitäglichen Demonstrationen sind ähnliche Geschichten zu hören. Etwa von Hannah und Giovanna, die früher gerne in den Urlaub geflogen sind, in Zukunft aber kaum noch das Flugzeug nutzen wollen. Oder der Familienvater, der aus Lübeck mit dem Fahrrad nach Lüneburg gefahren ist, um an der Demonstration teilzunehmen, seine Tochter und die Frau sind mit dem Zug hinterhergefahren. Er gibt zwar zu: „Auch wir machen Urlaub mit dem Auto.“ Aber geflogen ist er mit seinen 49 Jahren erst einmal. Und eine Studentin, die zwar gerne alleine mit einem Reisebus nach Südeuropa fahren würde, sich aber auch Sorgen um ihre Sicherheit bei solch einer Reise macht.

„Keine Auffälligkeiten im Vergleich zum Vorjahr“,

Doch werden sie nach ihrer Einschätzung gefragt, ob sie denn das Gefühl hätten, dass auch die Menschen in ihrem Umfeld ihr Reiseverhalten überdenken, werden viele vorsichtig. „Ich habe nicht das Gefühl, dass sich etwas ändert“, sagt etwa Kristina Brinkmann.

Das können auch regionalen Reisebüros bestätigen. „Keine Auffälligkeiten im Vergleich zum Vorjahr“, meldet etwa Jana Schmidt vom TUI Reisebüro, auch die Atlas-Reisen aus Adendorf können kein Umdenken der Kundschaft erkennen. Und das Lüneburger Büro „Anker-Reisen“, das sich auf Busreisen spezialisiert hat, wird nicht gerade von Jugendlichen überrannt – „der größte Teil unserer Kunden ist 60 und älter“, sagt Susanne Anker. Für die sei aber mehr die Geselligkeit der Reisen als der Klimaaspekt relevant. Denn auf internationalen Reisen seien Busse die energiesparendste Reisemöglichkeit: „Der Reisebus hat mit 1,4 Litern Diesel und 3,1 Kilogramm Kohlenstoffdioxid pro Person auf 100 Kilometer den geringsten Verbrauch und Abgasausstoß“, sagt sie.

Von Robin Williamson