„Mieten Sie ein ganzes Freibad!“ So könnte der Slogan zur Aktion „Rent-a-Pool“ in Adendorf lauten. (Foto: be)
„Mieten Sie ein ganzes Freibad!“ So könnte der Slogan zur Aktion „Rent-a-Pool“ in Adendorf lauten. (Foto: be)

Ein ganzes Freibad nur für die Familie

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Die Betreiber der Freibäder in der Region Lüneburg warten nach wie vor auf einen verbindlichen Öffnungstermin. Fast überall laufen Vorbereitungen für die Saison. Adendorf will das Go aus Hannover gar nicht abwarten und schon am Montag starten – mit einer besonders pfiffigen Idee.

Lüneburg. Der 1. Mai ist in Lüneburg eigentlich fest eingeplant als Startschuss in die Saison. Dann heißt es "Matrosen ahoi" im Freibad Hagen. Nicht in diesem Jahr. Wie auch für die anderen Schwimmbäder in der Region ist aktuell unklar, ob und unter welchen Bedingungen geöffnet werden kann. Noch warten die Betreiber auf ein entsprechendes Signal aus Hannover. Die Politik hatte zwar schon Anfang des Jahres im "Stufenplan 2.0" auch die Schwimmbäder beim Corona-Fahrplan mit inzidenzabhängiger Öffnung berücksichtigt, doch einen definitiven Öffnungstermin blieb sie bislang schuldig.

Die unklare Situation sorgt zugleich für unklare Finanzen bei den Betreibern, im Regelfall sind das die Kommunen. Vielerorts sind die Heizungen zwar noch nicht hochgefahren, Ausgaben für Personal, Instandhaltung, Chlor und Pumpen lassen sich aber nicht im gleichen Maße reduzieren wie fehlende Besuchereinnahmen. Das belastet damit letzlich auch den Steuerzahler umso mehr, je länger die Öffnung auf sich warten lässt. Bis dahin heißt es: Niemand kann in die Schwimmbäder, die Rechnung zahlen aber alle mit.

"Ich bin der Meinung, dass die Gemeinden es den Bürgern auch schuldig sind" – Holger Schölzel, Fachbereichsleiter in Adendorf

Die einzelnen Kommunen beurteilen die Situation unterschiedlich: "Ich bin der Meinung, dass die Gemeinden es den Bürgern auch schuldig sind, die Kosten für den einzelnen Bürger so gering wie möglich zu halten", sagt Holger Schölzel, zuständiger Fachbereichsleiter in Adendorf, mit Blick auf die laufenden Kosten, "da wären Einnahmen aus dem Betrieb des Freibades doch eine Möglichkeit, dem Kostendruck entgegenzuwirken." Kommunale Freibäder sind immer ein Zuschussgeschäft, in Adendorf belief sich der Fehlbetrag im vergangenen Jahr auf rund 330.000 Euro, für das laufende Jahr sei ein ähnlich hoher Betrag angesetzet. Deshalb setzt sich Schölzel für Strategien ein, die einen zumindest eingeschränkten Betrieb des Freibades vorsehen.

Dabei haben die Adendorfer sich – unabhängig davon, wann grünes Licht für eine generelle Öffnung kommt – schon ein originelles Projekt einfallen lassen: "Rent-a-Pool" könnte zumindest für etwas Umsatz sorgen: "Die Jüngeren dürfen ja auch in Kleingruppen Fußball spielen. Wieso dann also nicht auch schwimmen und baden ermöglichen?", fragt Holger Schölzel.

Am 3. Mai soll es losgehen

Die Idee: Das Freibad soll analog zu einigen Sporthallen und Fitnessstudios vermietet werden an Gruppen und Familien. Schon am Montag, 3. Mai, ab 12 Uhr, soll es losgehen. Dann, vorbehaltlich der Zustimmung des Gesundheitsamtes, soll das Freibad in drei Zonen aufgeteilt werden, die jeweils gemietet werden können. Kosten je Zone: 90 Euro für 90 Minuten Badespaß mit der eigenen Familie und bis zu zwei Personen aus einem weiteren Haushalt.

Die Betreiber der Wald- und Naturbäder im Landkreis sehen die Situation etwas gelassener. Hier komme der Vorbereitungsbetrieb ohne Heizung aus, was die laufenden Kosten im Rahmen halte. "Wir sind startklar", heißt es deshalb beispielsweise in Bardowick. Die Saisonvorbereitungen seien abgeschlossen und die "Schwimmmeister scharren mit den Hufen", sagt Petra Geber, Betriebleitung Bäderbetrieb. "Es wäre schön, wenn wir Mitte/Ende Mai öffnen könnten." Im vergangenen Jahr habe man mit den Hygienekonzepten zeigen können, dass sicheres Baden möglich sei: "Wir haben die Besucherzahl auf 500 pro Tag begrenzt, das wurde auch kontrolliert, und das hat wunderbar funktioniert."

In Bardowick hofft man auf einen Start Mitte/Ende Mai

Auch im Waldbad Bienenbüttel wartet man auf Entscheidungen aus Hannover. "Die Vorbereitungen laufen", heißt es von Kämmerer Thomas Schmitter, "durch den harten Winter ist hier doch vieles kaputtgefroren, was jetzt instandgesetzt werden muss. Aber solange wir nicht öffnen, halten sich auch die Kosten in Grenzen".

Wie wichtig eine Öffnung der Bäder nicht nur für den Freizeitspaß ist, hatten zuletzt die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) und der Bundesverband der deutschen Schwimmmeister in Brandbriefen für die baldige Öffnung deutlich gemacht. Denn in der Schule fällt der Schwimmunterricht für Kinder seit Langem aus, immer mehr Mädchen und Jungen können deshalb nicht schwimmen und hätten so immerhin mit ihren Familien die Möglichkeit, es im Freibad zu lernen.

Zumal die Gefahr, sich im Freibad mit Covid-19 anzustecken, verhältnismäßig gering sei, wie auch Dirk Günther, Geschäftsführer der Kurmittel GmbH als Betreiber des Freibades Hagen deutlich macht: "Wir sind vielleicht sogar der Ort, mit dem geringsten Infektionsrisiko überhaupt." Kein einziger Coronafall aus dem vergangenen Jahr habe seines Wissens nach seinen Ursprung in einem Schwimm- oder Freibad gehabt.

Von Kevin R. Thomas

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